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02.06.1978 - 

The Waves of Change

Investitionen der Mainframer

Niemand dürfte die Anwenderbedürfnisse der achtziger Jahre besser kennen als IBM mit ihren immensen Ausgaben für Marktforschung und Produktplanung. Der Marktführer ist für die stürmische Entwicklung der nächsten Jahre bestens gerüstet. Dies um so mehr, als sich IBM-Entwickler auf den weltweit halbjährlich stattfindenden Benutzer-Meetings regelmäßig wertvolle Informationen verschaffen. Hinzu kommt ein Marktforschungsprogramm, das auch den sonstigen Dimensionen des Herstellers um nichts nachsteht.

Die Behauptung, daß IBM aufgrund seiner dominierenden

Marktposition die gesamte Marktentwicklung quasi aktiv mitbestimmt, ist in diesem Zusammenhang gar nicht so leicht von der Hand zu weisen.

Es ist nur zu verständlich, wenn viele Hersteller nicht bereit sind, ihr hart verdientes Geld in aufwendige Marktanalysen zu stecken. Vielleicht ist es ein kleiner Trost für diese Hersteller, daß Vertikalität und Selektivität im Produktangebot oft mehr einbringen als der Versuch, mit begrenzten Ressourcen den ganzen Markt abdecken zu wollen.

Als General Electric Ende der sechziger Jahre damit begann, ihr Produktangebot an IBM zu orientieren (kurze Zeit später gab das Unternehmen seine DV-Aktivitäten an Honeywell ab), sahen viele Beobachter darin eine Bestätigung des Russelschen Ausspruchs: "Ein Held ist jemand, der die Tatsachen nicht kennt." Viele Hersteller verschwenden zum Beispiel mit der Erweiterung und Wartung alter Betriebssysteme und anderer Softwarepakete immer noch kostbare Ressourcen. Diese Hersteller - so Mc Luhan - versuchen, mit einem Rückspiegel nach vorne zu schauen.

Andere DV-Anbieter wiederum haben sich ein zu enges Marktsegment ausgesucht: Sie stecken den größten Teil ihrer verfügbaren Mittel in die Entwicklung aufgaben- und funktionsspezifischer Terminals und in exotische nichtstandardisierte Produkte oder in die Entwicklung kleiner Serien.

Dann gibt es den Anbieter, der auf zu vielen Hochzeiten tanzt, sich auf alle möglichen ausgefallenen Gerätetypen konzentriert und dabei Gefahr läuft, sich zu verzetteln. Das Resultat: Knappe Ressourcen und letzten Endes zu wenig Substanz um auch nur ein einziges größeres Projekt realisieren zu können.

Hardwarebereich

Gegenüber der Konkurrenz hat IBM praktisch in allen Bereichen entscheidende Kostenvorteile. Dies gilt ganz besonders für die Fertigung, wo hohe Stückzahlen kostengünstiges Produzieren ermöglichen.

Noch stärker wirkt sich jedoch die dominierende Marktposition des Herstellers im Softwarebereich aus. Aufgrund der Verteilung der Entwicklungskosten auf einen großen Kundenkreis ist praktisch bei jedem Produkt, das der Hersteller auf den Markt bringt, die Rentabilität von vornherein sichergestellt. Dies ,gilt in besonderem Maße für die kompletten Softwareprodukte, two die Ausgaben für die Herstellung außerordentlich gering sind.

Die eigentlichen Produktionskosten machen folglich nur einen relativ kleinen Teil des Endpreises aus. Der Benutzer zahlt vielmehr für die Entwicklungsarbeit, die in diesen Softwarepaketen steckt.

Angesichts der großen Serien und der größeren Marktanteile des Marktführers haben andere Computer-Hersteller immer nur eine Möglichkeit. Sie müssen sieh von allem unnötigen Ballast befreien und ihre ohnehin begrenzten Ressourcen auf das Wesentliche konzentrieren. Die Tabelle gibt einen Überblick über die Kostenverteilung bei der IBM 370/135 Alle Aussagen stammen aus Prozeßunterlagen (IBM Greybook), die im Rahmen des Telex-Rechtsstreits publik geworden sind. Besonders interessant ist hier, daß die Herstellungskosten für die IBM 370/135 Mainframes 18,5 Prozent der Einnahmen ausmachen.

In der letzten Zeile der Tabelle sind die Gesamtkosten für die 370/135-Serie mit 72,4 Prozent angegeben. Beim neuen Modell 138 reduziert sich dieser Betrag auf 63,5 Prozent, bei einem Vorsteuergewinn von 36 Prozent. Diese Zahlen decken sich mit Spekulationen, daß IBM zeitweise mit rund 40 Prozent Vorsteuergewinn operiert hat. Der Hersteller selbst gab für J976 einen Vorsteuergewinn von 30 Prozent an.

Im Hardwarebereich zeigt sich bei großen Computerherstellern im allgemeinen der Trend weg von der Eigenproduktion. Der Grund hierfür ist nicht allein die gegenwärtige Kostenentwicklung bei Hardware und Software. Hinzu kommt auch noch die Tendenz bei geringen Stückzahlen immer häufiger extern zu kaufen. Die Aktivitäten auf dem Peripheriesektor bei NCR, CDC und ICL weisen in diese Richtung. Auch andere Produktbereiche werden zunehmend von dieser Entwicklung betroffen, die in den nächsten Jahren einigen Herstellern überdurchschnittliche Wachstumsraten bescheren dürften.

Charles P. Lecht ist Gründer und Vorsitzender der Advanced Computer Techniques Corporation (ACT).

Übersetzung: Reinhold Falkner.

Wird fortgesetzt