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04.12.1987

Investitionen rechnen sich vielleicht erst in zwanzig Jahren BfG will mit IBM auf Nummer Sicher gehen

MÜNCHEN - Sicherheit vor Wirtschaftlichkeit: Aus "strategischen" Gründen wechselt die Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) ihr HoneywellBull-Equipment gegen eine IBM-Anlage aus (vergleiche CW Nr. 48/87, Seite 1). Hauptargument zugunsten der Umstellung ist die überragende Marktpräsenz von Big Blue; dagegen spricht vor allem, daB der Aufwand sich mittelfristig kaum auszahlen wird.

Mehr als zwanzig Jahre lang war das Frankfurter Bankhaus ein treuer Kunde des französisch-amerikanischem Hardware-Produzenten Honeywell-Bull. Und immer noch läuft die Online-Verarbeitung über drei Bull-Maschinen: eine DPS 88 mit zwei Prozessoren und je einen Zweibeziehungsweise Drei-ProzessorRechner der Familie DPS 8.

"In absehbarer Zeit" soll nun alles anders werden; der Einstieg in die MVS-Welt von Big Blue ist beschlossene Sache. Geplant ist die Anschaffung einer IBM 3090 sowie die Umstellung des Datenbank-Management-Systems auf das IBM-Produkt DB2.

Nach den Gründen gefragt, antworten die unmittelbar betroffenen DV-Fachleute der ehemaligen Gewerkschaftsbank ausweichend: "Das müssen Sie unseren Vorstand fragen." Es handle sich dabei um eine "strategische Entscheidung". Im Klartext: Für die IBM spricht in erster Linie ihre Quasi-Monopolstellung auf dem Großrechnermarkt. Während der Bull-Anteil kontinuierlich abnimmt und derzeit bei etwa zwei Prozent liegt, kann Big Blue einen Marktanteil von rund 75 Prozent vorweisen. Ein BfG-Mitarbeiter: "Das ist zwar auch kein Grund, aber für den Vorstand sicherlich nicht unwesentlich."

"Die Geschäftsleitung fühlt sich bei IBM besser aufgehoben", formuliert es ein leitender Datenverarbeiter. Marktbeobachter sehen in dem weitverbreiteten Bedürfnis, im IBMStrom mitzuschwimmen, eine Gefahr für die Entwicklung des Gesamtmarktes. Einige Mitarbeiter in den Fachabteilungen der BfG sind sich dessen auch bewußt. Orakelt ein BfG-Spezialist: "Wenn alle Anwender zu einem Anbieter rennen, könnte es eines Tages ein böses Erwachen geben."

Die Vorstandsentscheidung, das gesamte DV-System umzustellen, datiert nach Auskunft von Insidern aus dem Herbst 1985. Um dieselbe Zeit verstarb das Vorstandsmitglied Manfred Gömmel, dessen Nachfolge am 23. Juni des folgenden Jahres Eberhard Elsässer antrat.

Der Gründer und langjährige Vorstandsvorsitzende des Hamburger Beratungsunternehmens Scientific Control Systems GmbH (SCS) hatte am Anfang seiner Karriere etwa ein Jahrzehnt lang im Dienste von Big Blue gestanden. An der UmstellungsIdee der Bank für Gemeinwirtschaft war er, so die befragten BfG-Mitarbeiter, als Berater maßgeblich beteiligt. Allerdings sei diese Entscheidung schon von Gömmel "herbeigeführt worden ".

Daß die Vorliebe für IBM in Teilen der Beraterzunft weit verbreitet ist, hat sich bei den Anwendern bereits herumgesprochen. Reinhard Pöhlmann, DV-Leiter der VAW FlußspatChemie GmbH, Stulln: "Viele Unternehmensberater gehen grundsätzlich auf Nummer Sicher und empfehlen den Hersteller mit den drei Buchstaben." Die Gründe dafür liegen auf der Hand, meint Josef Kraus, bei der Plenum Consulting GmbH in München als Berater tätig: "Bei der 08/ 15-Lösung mit dem Marktführer kann am wenigsten passieren; die Argumentation im Falle eines Falles lautet: Wenn er nicht so gut wäre, wäre er schließlich nicht der Größte geworden."

Zwar wird nach Kraus' Einschätzung jemand, der am Markt als IBMMann verschrien ist, nur von Kunden in Anspruch genommen, die sich sowieso schon für Big Blue entschieden haben. Er kenne allerdings auch Fälle, in denen die Anwenderunternehmen schlicht überrumpelt würden: "Es gibt Berater, die aus Peanuts Riesen-Projekte machen, und der Kunde merkt zu spät, daß ihn das nur Geld kostet. Viele trauen sich dann nicht, zuzugeben, daß sie sich den Falschen geholt haben."

Für Norbert Dähne, Bereichsleiter beim EDV-Studio Ploenzke in Wiesbaden, ist der Sicherheitsaspekt indes nur die eine Seite der Medaille: "Die Anwenderentscheidung bewegt sich immer zwischen den Polen Sicherheit und Innovation."

Der Ex-Berater Elsässer ist jetzt als Vorstandsmitglied des

Anwenderunternehmens dafür verantwortlich, daß die von ihm unterstützte Systemumstellung auch tatsächlich durchgeführt wird. Die Frage, wie hoch der Gesamtaufwand dafür sei, mag er nur vage beantworten: "Er wird erheblich sein."

Bis das IBM-System lauffähig ist, fließt noch viel Wasser den Main hinunter. Etwa sieben Jahre sind für das Projekt veranschlagt. Die PV-Mannschaft ist noch mit dem Vorgeplänkel beschäftigt: mit der Datenstrukturanalyse. "Im Augenblick ist unser Hauptthema, die 1200 Batch-Programme und 200 Online-Programme zu sichten und einen Plan zu machen, wie wir auf IBM umstellen können", teilt ein Mitarbeiter aus der Kommunikationsabteilung mit.

Um die IBM-Bull-Verbindung für die Portierung der Software auszutesten, legte sich die Bank eigens eine IBM 4381 zu. Zudem sind drei verschiedene Protokolle notwendig, um die Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Rechnern und den Nixdorf-Terminals des Typs BNC 8864 zu gewährleisten: X.25 nach ISO/OSI, X.25 SNA und die Nixdorfspezifische Netzversion X.25 NCN.

Kompliziert wird nach Auskunft von Insidern vor allem die Umstellung der Anwendungen; da ein Großteil der Programme nicht modular aufgebaut sei, lasse sich die Software auch nicht maschinell konvertieren. Die für die Übergangszeit beabsichtigte Zweigleisigkeit hat einen zusätzlichen Nachteil: Einerseits kann die Entwicklung nicht gänzlich eingefroren werden; andererseits muß jedes neuentwickelte Programm später auf das IBM-Betriebssystem portiert werden. "Zunächst haben wir von der Umstellung keine Vorteile, sondern nur viel Arbeit", klagt einer der DV-Fachleute.

Demgegenüber steht der Nutzen, den sich die BfG davon erhofft: neben dem höheren Grad an Standardisierung die Erfüllung von BackupAnforderungen des IBM-Anwenders und BfG-Eigners, der Aachener und Münchener Versicherung AG, sowie finanzielle Vorteile beim Abruf des Reuter-Informationsdienstes. Fritz Müller, Geschäftsführer der Diebold Deutschland GmbH, Frankfurt, gibt jedoch zu bedenken, daß sich solche Investitionen mittelfristig nicht auszahlen: "Wirtschaftlich wird das erst, wenn man im Rahmen von zehn bis zwanzig Jahren rechnet."