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14.01.2000 - 

Speicher-Management/Banker stellen hohe Ansprüche an die Verfügbarkeit der Daten

Investment-Banking bei der Commerzbank darf nicht ausfallen

von Peter Kraemer* Im Investment-Banking müssen die IT-System rund um die Uhr verfügbar bleiben. Diese Notwendigkeit ergibt sich schon aus den Zeitunterschieden zwischen den Börsenplätzen im globalen Geschäft. Nach der Wiedereingliederung des Handels mit derivativen Finanzprodukten in die Commerzbank AG - der Geschäftszweig war bis 1997 als abgetrennte Tochtergesellschaft organisiert - hat die Bank ihre Server- und Speicherlandschaft konsolidiert. Aufgrund der hohen Anforderungen im Speicherbereich haben die Verantwortlichen auch in diesem Sektor nach einem zukunftssicheren Konzept gesucht.

Mit Abschluss des Konsolidierungs-Projekts übernahmen 15 Sun-"E10000"-Systeme unter dem Betriebssystem Solaris die Aufgaben von ehemals 80 Unix-Servern. Die Speichersysteme des operativen Betriebs und jene im Ausweich-Rechenzentrum sind fehlertolerant ausgelegt und erfüllen die Verfügbarkeitsanforderung von 99,9 Prozent.

Die Neustrukturierung der Speichertechnologie bei der Commerzbank entspricht den globalen Herausforderungen an die IT im Banking. Weltweit hat sich die einstmals eher theoretische Forderung nach Verfügbarkeit rund um die Uhr zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor entwickelt.

Einen ebenso hohen Stellenwert wie die absolute Verfügbarkeit des DV-Systems hat mittlerweile die Flexibilität des dazugehörigen Speichersystems. Kaum jemand kann heute seriös einschätzen, welche Datenmengen in ein paar Jahren im Investment-Banking bewältigt werden müssen. Hier wird insbesondere das Internet eine entscheidende Rolle spielen. Allerdings sind auch die Analysten noch nicht in der Lage, die zukünftige Bedeutung dieses Mediums für das Geschäft vorherzusagen. Die Commerzbank kann wie andere Finanzdienstleister nur von einer Sicherheit ausgehen: Die Datenmengen werden explosiv weiter wachsen.

Nun kann aber kein Unternehmen seine Speicherlösungen ohne Rücksicht auf die Kosten einfach so weit überdimensionieren, dass sich jede noch so große Datenexpansion auffangen lässt. Dabei geht es weniger um die reinen Anschaffungskosten als vielmehr um die viel beschworenen Total Costs of Ownership (TCO). Ein geringer Administrationsaufwand, Skalierbarkeit und die lange Einsatzdauer durch Integration neuer Technologien in bestehende Systeme - Stichwort: Investitionsschutz - sind die wichtigsten Einflussgrößen auf die TCO. Zukunftssichere Speicherlösungen müssen diese Faktoren berücksichtigen, und zwar in heterogenen Systemumgebungen, wie sie die IT-Landschaft auf absehbare Zeit weiter bestimmen werden.

Die Commerzbank operiert im Frankfurter Rechenzentrum mit 15 Solaris-Servern des Typs E 10000. Jedes System ist mit 64 CPUs und 64 GB Hauptspeicher konfiguriert. Rund 1200 Client-Rechner werden von den Sun-Servern mit Daten bedient. Allerdings handelt es sich bei der Commerzbank-IT um keine reine Unix-Umgebung. Eine solche kann es im Investment-Banking gar nicht geben, da die Händler nach wie vor auf Microsoft-Produkte angewiesen sind. Das sind zum Beispiel die bekannten Office-Anwendungen oder die Betriebssystem-Anforderungen von Programmen externer Dienstleister wie zum Beispiel die Informationsdienste von Reuters und Bloomberg. Ohne diese Dienste könnten die Händler nicht arbeiten. Von der Frankfurter Zentrale aus werden weltweit rund 2200 NT-Clients betreut - Tendenz steigend.

Die Server-Landschaft des Investment-Banking-Bereichs der Commerzbank operiert eigenständig. Allerdings bildet sie keine abgeschottete IT-Insel innerhalb der Konzern-DV. Zu den ver-schiedenen anderen Systemen des Unternehmens, darunter MVS-Hosts, DEC- und Unix-Umgebungen, gibt es rund 200 Schnittstellen. Sie sichern den Informationsaustausch innerhalb der gesamten Konzern-IT.

Unter Unix laufen verschiedene bankfachliche Applikationen. Im Front-Office werden Programme für den Handel in Equities, Bonds, FX und Money Market sowie den derivativen Finanzprodukten eingesetzt. Zu diesen Händlerplattformen gehört beispielsweise Reuters Triarch, ein internationaler Standard im Investment-Banking. Über die Unix-Server laufen zudem die zentralen Systeme für Back-Office und Accounting.

Die Commerzbank entschloss sich im Zuge einer Server-Konsolidierung, auch die Speichersysteme mit einzubeziehen. Die Gründe hierfür lagen primär in den hohen Anforderungen an die Verfügbarkeit der gesamten DV-Anlage, die nur mit konsolidierten Server- wie Speichersystemen zu realisieren war. Bei der Auswahl der Systeme forderte das Unternehmen vom Hersteller zudem eine praxisbewährte Lösung für die synchronen Datenspiegelungen an den räumlich entfernten Standort eines zweiten Rechenzentrums. Eine solche Spiegelung sollte der Bank im Falle eines Daten-GAUs erlauben, den operativen Betrieb möglichst schnell mit einem aktuellen Datenbestand wiederanlaufen zu lassen.

Die Speicherumgebung im Frankfurter Rechenzentrum besteht heute aus vier "Symmetrix 3700" und einer "Symmetrix 3430" von EMC. Jede Maschine bringt eine Speicherkapazität von 1,7 TB. Die Geräte sind über Netzwerkkomponenten in ein Storage Area Network (SAN) mit Fiber-Channel-Verbindungen eingebunden. Alle Speichersysteme sind intern nach Raid 1 gespiegelt, was den unterbrechungsfreien Betrieb beim Ausfall einzelner Laufwerke gewährleistet. Zum Backup-Konzept gehören ferner Powderhorn-Bandlaufwerke, die über Access-Hubs und -Bridges an das System angebunden sind.

Über die synchrone Spiegelungslösung SRDF (Symmetrix Remote Data Facility) und Lichtwellenleiter ist das operative SAN mit der fast identischen IT-Umgebung des Backup-Rechenzentrums in einem Frankfurter Vorort verbunden. Dort stehen Speichersysteme und Server, auf die sich bei einem Totalausfall binnen vier Stunden alle Anwendungen des operativen Betriebs umschalten lassen. Die Spiegelung sichert den identischen Datenstand beider Standorte und somit den verlustfreien Betrieb im Notfall. Zudem nutzt die Bank den Ausweichstandort für Pre-Life-Tests von Anwendungen, beispielsweise von neuen Programmen oder Releases. Sie können auf diese Weise risikofrei in realistischer Datenumgebung geprüft werden, bevor die Bank die Applikationen in den operativen Betrieb übernimmt.

Die Implementierung der Speicherumgebung verlief trotz der anspruchsvollen Aufgabenstellung problemlos. Allerdings tauchten bald Schwierigkeiten mit der Performance des SAN auf. Der Grund hierfür lag in den Switches, die den großen Datenmengen nicht gewachsen waren. Sie mussten umkonfiguriert werden, um den Leistungsengpass zu beseitigen. Auch mit den Fibre-Channel-Karten gab es zunächst funktionale Schwierigkeiten. Um den Fehler zu beheben, mussten neue Treiber für die Karten installiert werden. Erfahrungsgemäß treten häufig Probleme auf, wenn unterschiedliche Verbindungstechnologien innerhalb eines SAN zu koppeln sind. Das reicht in der Praxis bis hinunter zu Komplikationen mit schlichten Steckerverbindungen. Doch ohne solche Detailprobleme dürfte eine größere Implementierung wohl nicht zu machen sein, lautet das Resümee der DV-Abteilung in der Commerzbank.

Beim Management der Speicherlösung setzt das Unternehmen auf die Standardkomponenten der Symmetrix-Systeme ohne weitere Modifizierungen. Der "Symmetrix Manager" unterstützt die Administration mit Informationen über die Konfiguration und die Performance des Systems. Es handelt sich dabei um ein zentrales Tool mit grafischer Benutzeroberfläche, das sich in der Praxis der Bank bewährt hat. Das zentrale Management der Speicherumgebung wirke sich positiv auf die TCO des Gesamtsystems aus, so die Einschätzung der DV-Verantwortlichen.

Für die flexible Zuweisung von Speicherkapazitäten nutzt die Administration ebenfalls ein Standard-Tool: Der "Symmetrix Dynamic Disk Relocator" (SDDR) ermöglicht den Lastenausgleich zwischen den Systemen und soll damit eine gleichbleibend hohe Performance des Speichersystems garantieren.

Die mit der Konsolidierung von Servern und Speicherlösung verbundenen Erwartungen haben sich nach Meinung der DV-Abteilung erfüllt. Heute operiert die Commerzbank mit einer hoch verfügbaren IT-Umgebung, die sich bei einem wachstumsorientierten Geschäft weiter ausbauen lässt. Das gilt für das SAN ebenso wie für die einzelnen Speichersysteme. Zum Katastrophenkonzept mit einem Rechenzentrum an einem zweiten, geografisch entfernten Standort und synchroner Datenspiegelung gibt es aus heutiger Sicht keine Alternative.

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Geringer Administrationsaufwand, Skalierbarkeit und eine lange Einsatzdauer verbunden mit einer geringen TCO waren die Forderungen an die Speicherkonsolidierung im Frankfurter Rechenzentrum der Commerzbank. Wegen der hohen Ansprüche an die Verfügbarkeit des gesamten Systems bezogen die Verantwortlichen die Speichersysteme von Anfang an in den Konsolidierungsprozess mit ein. Um auch in Zukunft den immer größer werdenden Datenbergen gewachsen zu sein, wurde eine SAN-Architektur implementiert.

Commerzbank

Die Commerzbank AG gehört zu den vier großen Privatbanken in Deutschland. Als Universalbank nimmt sie sowohl die Aufgaben einer Geschäftsbank als auch die einer Wertpapierbank wahr. Konzernweit beschäftigt das Unternehmen mehr als 30000 Mitarbeiter. Der Handel mit derivativen Finanzprodukten war zunächst in Form einer Tochtergesellschaft ausgegliedert, befindet sich aber seit einigen Jahren wieder unter dem Dach der AG. Seitdem hat die Commerzbank ihr Investment-Banking stark ausgebaut und erwartet auch weiterhin einen expansiven Geschäftsverlauf.

*Peter Kraemer ist Direktor der IT-Produktion bei der Commerzbank AG in Frankfurt am Main.