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29.06.2001 - 

Ehemaliger Chef von Sterling Software möchte Vorstand der Muttergesellschaft aushebeln

Investor will CA unter Kontrolle bringen

MÜNCHEN (CW) - Sam Wyly, Chef des texanischen Investmentunternehmens Ranger Governance Ltd., will die Führungsmannschaft von Computer Associates (CA) feuern. Dazu benötigt er die Kontrolle über den Verwaltungsrat.

"Nimm das nicht persönlich, ich will nur alle Potenziale aus CA herauskitzeln, indem ich eine Firmenkultur von Innovationsgeist, Zuverlässigkeit, außergewöhnlichem Dienst am Kunden und wirkliches Wachstum bei Computer Associates etabliere. Mit freundlichen Grüßen Sam Wyly". So nett geht es zu, wenn Wyly dem President und CEO von CA, Sanjay Kumar, einen Brief schreibt und wenn Topmanager um die Vorherrschaft in dem viertgrößten Softwareunternehmen der Welt ringen.

Wahrscheinlich sollten Charles Wang, Chairman und Gründer von CA, und der gesamte Vorstand auch die großformatige Anzeigenattacke nicht persönlich nehmen, die der ehemalige Chef des von CA für 3,8 Milliarden Dollar gekauften Unternehmens Sterling Software vergangene Woche in US-amerikanischen Gazetten platzierte: "Warum lächeln diese Männer?" Gemeint waren Wang, Kumar und Executive Vice President Russell Artzt, deren Fotos den Lesern aus der Anzeige entgegenlächelten. "Hat das vielleicht etwas damit zu tun, dass sie die einzigen sind, die mit CA-Aktien in den vergangenen fünf Jahren Geld verdienten?" Indirekt spielte Wyly mit dieser boshaften Frage auch auf ein Aktienpaket im Wert von rund einer Milliarde Dollar an, das sich die Topmannen von CA vor drei Jahren genehmigt hatten.

Von den Aktionären zunächst gebilligt, musste die Morgengabe allerdings per Gerichtsdekret später reduziert werden.

Wyly zielte in seinem Brief an Kumar denn auch besonders auf die "Reputation" ab, die sich Computer Associates erworben habe, indem es seine Kunden und Angestellten "missbrauche". Wyly schreibt in seinem Brief vom 21. Juni 2001 an Kumar: "Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass sich die Verhältnisse bei CA nicht verändert haben und sich unter dem jetzigen Management und dem Aufsichtsrat auch nicht ändern können."

Aktuelle Medienberichte und eine unabhängige Studie würden seine Bedenken über die "Zustände" bei CA stützen. Es sei seine feste Überzeugung, dass ein Unternehmen, das seine Kunden und seine Mitarbeiter ständig "missbrauche", keine Wertschöpfung für die Aktionäre schaffen könne. Deshalb werde Ranger Governance Ltd. versuchen, sich bei den CA-Aktionären um die Stimmrechtsvollmacht zu bemühen.

Bei den von Wyly zitierten Medienberichten handelt es sich insbesondere um einen Artikel in der "New York Times". Vergangenen Monat hatte die Zeitung geschrieben, CA frisiere seine Umsatz- und Gewinnergebnisse durch "buchhalterische Tricks". Das Softwarehaus revidierte wenige Tage später seine Ergebnisse. Allerdings veröffentlichte CA auch eine achtseitige Entgegnung, mit der die Position der "NewYork Times" widerlegt werden sollte. Unter anderem hatte das Blatt geschrieben, CA habe für das am 31. März 2001 endende Quartal "pro forma pro rata" Umsatzzahlen in Höhe von 1,44 Milliarden Dollar veröffentlicht. Gegenüber dem Wert des Vergleichszeitraum des Vorjahres, als 1,39 Milliarden Dollar eingenommen wurden, sei also eine Umsatzsteigerung zu verzeichnen gewesen.

Die Zeitung rechnet jedoch andere Zahlen vor: CA habe im besagten Quartal nur noch 732 Millionen Dollar erwirtschaftet, was im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit einem Erlös von 1,9 Milliarden Dollar einen eklatanten Rückgang bedeutet hätte. Kumar hatte diese Diskrepanz mit einem bei CA neu eingeführten Verrechnungsmodus erklärt, nach dem das Unternehmen Lizenzgebühren nicht mehr auf jährlicher, sondern auf monatlicher Basis abrechne. Die "New York Times" hatte in diesem Zusammenhang aber geschrieben, CA habe seinen Kunden diese Lizenzierungsofferte nie angeboten - eine Behauptung, die Kumar bestritt.

Wyly belegte seine Vorwürfe außerdem mit einer eigens initiierten Befragung von CA-Kunden, für deren Unabhängigkeit er bürgt. Die Unternehmensberater von Penn, Schoen & Berland Associates Inc. hatten zwischen dem 11. und 15. Juni 2001 bei Fortune-1000-Unternehmen 76 Interviews mit aktuellen (52) und ehemaligen (acht) CA-Kunden sowie mit Gesprächspartnern, die nicht mit CA verbunden sind (16), geführt. Die Ergebnisse waren für CA nicht schmeichelhaft: 41 Prozent sind laut dieser Befragung mit der Geschäftsbeziehung zu Computer Associates unzufrieden. Nur sechs Prozent sind sehr zufrieden. Fast die Hälfte aller Befragten (46 Prozent) würden aus ihren vertraglichen Beziehungen mit CA aussteigen, wenn sie könnten. Zwei von fünf der momentanen CA-Kunden haben keine gute Meinung über das Softwarehaus, 36 Prozent würden CA nicht an andere Unternehmen weiterempfehlen.

Für das Image von CA bedenklich sind zudem zwei weitere Werte: Nur 21 Prozent der Befragten sagten, Integrität sei eine Eigenschaft, die auf CA zutreffe. Nur 33 Prozent billigen CA zudem zu, ehrlich zu sein.

CA wird diese Meinungsumfrage durch eine eigene Untersuchung zu kontern suchen. Die vom Softwarehaus in Auftrag gegebene Zufriedenheitsstudie bei CA-Kunden kommt unter anderem zu dem - vielleicht nicht überraschenden - Ergebnis, dass 75 Prozent der Kunden mit der Wang-Company eine positive Geschäftsbeziehung haben.

Wyly, der sich selbst an die Firmenspitze von CA setzen will, erhielt mit seinen Umsturzplänen allerdings einen Dämpfer. Walter Haefner, ein Schweizer Milliardär, der mit 21 Prozent der größte CA-Aktieneigner ist, hat sich auf die Seite Wangs und seines Managements gestellt. In einem Brief an Wyly schrieb Haefner, er habe volles Vertrauen in das CA-Management und werde es deshalb auch unterstützen. Nach dem, was Charles Wang und CA für ihn getan hätten, müsse Wyly verstehen, dass Haefner nicht anders handeln könne.