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16.05.2006

Investoren helfen Infor aufs Treppchen

Infor Global Solutions schluckt den Rivalen SSA Global Technologies und belegt zumindest vorerst Platz drei hinter SAP und Oracle im weltweiten ERP-Markt.

Von CW-Redakteur Frank Niemann

Zukäufe bringen kritische Größe

Infor/Agilisys SSAGlobal

Brain (ERP) Infinium Software (HR)

(Dezember 2002) (Dezember 2002)

Infor (ERP) Ironside Technologies (November 2003) (E-Commerce)

(Juni 2003)

Varial (Financials) Elevon (E-Commerce)

(März 2004) (Juli 2003)

NxTrend (E-Commerce) Baan (ERP)

(Juni 2004) (Juli 2003)

Aperum (ERP) Exe Technologies (SCM)

(August 2004) (Dezember 2003)

Mapics (ERP) Arzoon Inc. (SCM)

(Januar 2005) (Juni 2004)

Mercia Software (SCM) Marcam (ERP)

(Januar 2005) (Juli 2004)

Formation Systems (PLM) Boniva (HR)

(August 2005) (August 2005)

Geac (ERP) Epiphany (CRM)

(November 2005) (September 2005)

Datastream Provia (SCM) (Asset Management) (März 2006)

(Januar 2006)

Für 1,35 Milliarden Dollar in bar schluckt der in Alpharetta, Georgia, ansässige Anbieter Infor den Konkurrenten SSA Global. Gemäß der Vereinbarung zahlt der Käufer 19,50 Dollar pro Aktie; Anteilseigner beziehen demnach ein Premium von 24 Prozent auf den Schlusskurs vom 12. Mai. Das Unternehmen war vor einem Jahr mit einem Kurs von elf Dollar an die Börse gegangen.

Infor und SSA Global hatten in den letzten Jahren jeweils einen Business-Software-Anbieter nach dem anderen zugekauft. Es gibt noch weitere Gemeinsamkeiten: Hinter beiden stehen Investmentgesellschaften, die letztlich das Geld für die zahlreichen Akquisitionen zur Verfügung gestellt haben. Auch die Produkte sind so unterschiedlich nicht. Infor und SSA Global vermarkten Business-Lösungen für mittelständische Firmen des produzierenden Gewerbes. Anders als im von SAP dominierten ERP-Geschäft mit großen Firmen gibt es im Mittelstand keinen weltweiten Marktführer. Diese Lücke möchte Infor füllen.

Der Zusammenschluss kommt auch deshalb überraschend, weil SSA Global bisher behauptet hatte, organisch wachsen zu können. Doch die Rechnung scheint nicht aufgegangen zu sein: "Wir haben erkannt, dass in einem sich konsolidierenden Markt Größe eine wichtige Rolle spielt", kommentiert Mike Greenough, Chairman und CEO von SSA Global. Auswirkungen hat der Deal auch auf Deutschland, denn nun finden sich die ehemaligen Varial-, Infor-, Brain- und die Baan-Kunden unter einem gemeinsamen Dach wieder. Welche Folgen das hat, bleibt abzuwarten. Für Baan-Anwender ist dies bereits die dritte Übernahme ihres Lieferanten. Die rund 750 deutschen Nutzer hatten sich eigenen Angaben zufolge gerade an SSA Global gewöhnt.

Infors deutscher Statthalter, Wolfgang Kobek, bemüht sich, die Vorteile der Transaktion herauszustellen: "SSA Global passt in unsere Produkt- und Marktstrategie." "ERP LN" (vormals Baan ERP) würde das Infor-Portfolio um Software zum Steuern komplexer Fertigungsabläufe ergänzen. Zudem verbesserten sich die Chancen des Unternehmens im gehobenen Mittelstand. Fortsetzung auf Seite 4

Eine sinnvolle Erweiterung sei ferner SSAs CRM-Linie, die im Wesentlichen auf Technik der zugekauften Firma Epiphany beruht. Kobek zufolge kommen beide Firmen gemeinsam auf 37000 Kunden und derzeit 6800 Mitarbeiter weltweit.

Gleichwohl verhehlt der deutsche Manager nicht, dass es auch Überschneidungen gibt, etwa bei den ERP-Kernfunktionen. Es sei jedoch noch zu früh, um über künftige Produktstrategien zu spekulieren. "Das wird unsere Aufgabe in den nächsten Monaten sein." Wie andere Marktteilnehmer verfolgen die Unternehmen das Ziel, ihre Produkte in Richtung Service-orientierte Architekturen umzubauen.

Doch gerade die Produktstrategie dürfte Infor noch Kopfzerbrechen bereiten. "SSA war gerade dabei, Linie in die Baan-Produkte zu bringen", meint Karin Henkel, Analystin bei Strategy Partners. Da beide Unternehmen zahlreiche Hersteller übernommen hätten, deren Software sich zum Teil überlappe, sei es ökonomisch kaum sinnvoll, alle Produkte zu erhalten. Auch bei Infor waren alle Übernahmen - erst im Januar wurde der Asset-Management-Anbieter Datastream gekauft - noch nicht verdaut.

Problematische Überlappung

Wie Henkel sind auch die Analysten von AMR Research, Judy Sweeny und Nigel Montgomery, von dem Deal überrascht worden. Ähnlich wie die deutsche ERP-Expertin rechnen sie mit Skepsis bei den Kunden wegen der sich überschneidenden Softwarelinien. Einen baldigen Börsengang Infors erwarten sie nicht. Vielmehr werde der neue SSA-Eigentümer als privates Unternehmen die Produktstrategie ausarbeiten, ohne dabei unter Beobachtung von Börsenanalysten zu stehen.

Infor-Chef Jim Schaper zufolge will sein Unternehmen nach Abschluss des SSA-Kaufs eine Produktstrategie für die nächsten drei Jahre auflegen. Details dazu gebe es noch nicht, Kunden müssten jedoch keine Sorge um die Pflege ihrer Software haben.

David Bradshaw, Analyst bei Ovum, steht dem Deal insgesamt positiver gegenüber als seine Kollegen. Er vergleicht die Strategie Infors mit der des Softwarekonzerns Sage. Letzterer bediene ebenfalls mit unterschiedlichen Produkten diverse Märkte. Er rechnet daher auch nicht damit, dass Infor - so wie Oracle mit "Fusion Middleware" - eine gemeinsame Architektur für die übernommenen Business-Lösungen schaffen wird.