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02.09.1983 - 

Produktqualität der Computeranbieter zunehmend Kriterium für Anleger:

Investoren scheuen Kursrisiken bei "DV-Aktien"

Zwar erreicht die eine oder andere Aktienbörse der Welt noch immer neue Höchstpunkte im Rahmen der nunmehr seit einem Jahr laufenden Hausse. doch wird der Anstieg allem Anschein nach immer mühsamer Wall Street. der "Leithammel" der Börsen, befindet sich bereits seit Anfang Mai in einer Korrekturphase, wie nun auch Skeptiker im nachhinein feststellen müssen. Dennoch vertreten nur Außenseiter die Aufassung, daß die langfristige zyklische Aufwärtsbewegung besonders am amerikanischen Aktienmarkt bereits beendet sei.

Die wohl herrschende Meinung geht dahin, daß sich die Hausse dort wie andernorts im Herbst, spätestens aber zum Jahresende hin fortsetzen werde. Aus historischer Sicht sei in Amerika erst Mitte nächsten Jahres mit einem größeren Rückschlag zu rechnen, der aber auch nur eine Zwischenbewegung im Rahmen der sogenannten säkularen" Hausse sein dürfte, heißt es in nicht wenigen Lagebetrachtungen. Technologiewerten stehen die meisten Analytiker mit sehr gemischten Gefühlen gegenüber. Im Augenblick besteht offenbar die Neigung, nur noch den Aktien von großen, solide finanzierten Unternehmen der Branchen vergleichsweise gute Kurschancen zuzubilligen.

Blind auf Technologiewerte

Die Erwartungen, die im Laufe der zurückliegenden Aufwärtsbewegung in viele Aktien der Technologiegruppe gesetzt und Schritt für Schritt immer höher gesteckt wurden, werden jetzt nach unten korrigiert. Zum Teil haben einige Unternehmensergebnisse für das zweite Kalenderjahr 1983 zur Besinnung gerufen, zum Teil aber auch der Markt selber, der weitere Kurssteigerungen nach den überwiegend spektakulären Gewinnen einfach nicht mehr zugelassen hat. Zwar setzen sowohl manche institutionelle als auch viele private Anleger offenkundig noch immer blind auf Technologiewerte, doch beweisen die Erholungsversuche dieser Papiere sehr deutlich, daß die Abgabeneigung überwiegt. Besonders gut geführte und zyklisch denkende institutionelle Investoren scheinen davon überzeugt zu sein, daß die Kursrisiken bei dieser Gruppe vergleichsweise sehr hoch geworden sind. Diese Anleger schichten ihre Mittel um, indem sie die Übergewichtung der Technologie in ihren Portefeuilles abbauen und vermehrt Aktien zum Beispiel der Investitionsgüterindustrie im orthodoxen Sinne, Rohstoffpapiere oder Chemiewerte erwerben. Wenn vor allem in Wall Street die nächste Phase der zyklischen Hausse abrollt, dürfte das Hauptaugenmerk besonders im Bereich der Technologiewerte auf "Qualität" gerichtet sein, und zwar Qualität der Produkte und der Unternehmensgewinne .

Dies schließt nicht aus, daß auch die Aktien völlig neuer oder kleinerer Unternehmen dieser Branche positive Schlagzeilen machen, doch wird das Risiko, auch einmal an das falsche Papier zu geraten, unvergleichlich höher sein als in den vergangenen zwölf Monaten.

Ein Aspekt, der die Tendenz an den Aktienbörsen der Welt entscheidend mitprägt, sind die Zinsen und ihre Auswirkungen auf die Wechselkursverhältnisse zwischen den einzelnen führenden Währungen. Vielfach wird behauptet, die Zinsen in den Vereinigten Staaten müßten sinken und der amerikanische Dollar müsse zum Beispiel gegenüber der D-Mark deutlich zurückfallen. Die Verfechter dieser These begründen dies gerne mit dem Hinweis, daß der Dollar unter anderem im Vergleich der Kaufkraft weit überbewertet sei. Vielfach wird auch von der amerikanischen Notenbank gefordert, daß sie die Zinsen senken müsse.

So logisch die Thesen und Argumente auch klingen mögen, so unrealistisch sind sie aber auch. In Fachkreisen gilt es als ausgeschlossen, daß die amerikanische Notenbank unter den derzeit gegebenen Umständen, die fast ausschließlich von den ausufernden amerikanischen Haushaltsdefiziten geprägt werden, nachhaltig niedrigere Zinsen herbeiführen kann. Sie vermag allenfalls vorübergehend am sogenannten "kurzen Ende", nämlich am Geldmarkt, einzugreifen. Am "langen Ende", dem Renten- oder Bondmarkt nämlich, ist sie machtlos, weil das Kräftespiel hier ausschließlich von Angebot und Nachfrage bestimmt wird. Und dieses Kräftespiel steht unter dem beherrschenden Eindruck der inflationsträchtigen Disziplinlosigkeit in der amerikanischen Fiskalpolitik. Die Anleger sind nach den Erfahrungen der späten siebziger Jahre einfach nicht bereit, Risiken einzugehen. Sie lassen sich in Form höherer Zinsen bezahlen. Hinzu kommt, daß wegen der nach wie vor brisanten Schuldensituation mancher Länder eine technische Dollar-Verknappung herrscht, die zins- und kurstreibend wirkt. Eine Lösung dieser schwierigen Situation bieten nach Meinung einer wachsenden Zahl von Experten nur noch die Geld- und Kapitalmärkte, die die amerikanischen Pokitiker über steigende Zinsen und damit über die Gefahr eines konjunkturellen Rückschlags zur Disziplin in fiskalischen Fragen zwingen könnten. Dies dürfte, wie manche Experten meinen, recht bald geschehen und wohl auch an den Aktienmärkten zunächst Angst und Schrecken verbreiten. Wenn diese Thesen zutreffen, wird es sich wohl lohnen, Aktienkäufe im allgemeinen und auch den Kauf von Technologiewerten noch etwas aufzuschieben.