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19.05.2000 - 

Hersteller von Rechnergehäusen wird wieder Private Company

Investorengruppe um britische 3i übernimmt Knürr AG

MÜNCHEN - Nach der mehrheitlichen Übernahme durch die britische Venture-Capital-Gesellschaft 3i Group Plc. beziehungsweise das Management-Team von "g4" will die Knürr AG ein neues Kapitel in Sachen Wachstum und Internationalisierung aufschlagen. Denn die Geschäfte des Münchner Herstellers von Schaltschränken und Rechnergehäusen gerieten zuletzt etwas ins Stocken.Von Andrea Goder*

Entscheidend bei der Suche nach einem neuen Eigentümer war für Hans Knürr nicht nur die Regelung der Nachfolge: "Mein Lebenswerk sollte nicht zerschlagen werden", betonte der 60-Jährige vor Journalisten in München. Mit der zu 3i gehörenden Investorengruppe glaubt Vorstandschef Knürr, der 40 Jahre an der Spitze des Unternehmens stand, den richtigen Käufer gefunden zu haben.

Die am 10. Mai getroffene Vereinbarung mit den bisherigen Mehrheitsaktionären sieht vor, das Münchner Unternehmen auf g4, eine britische Manager-Gruppe, zu übertragen. Vor allem sollen die neuen finanzstarken Gesellschafter wieder Schwung in das Unternehmen bringen, dessen Finanzzahlen zuletzt enttäuschend ausfielen. So kletterte der Umsatz im Geschäftsjahr 1999 um lediglich 8,6 Prozent auf 286 Millionen Mark. Empfindliche Einbußen musste die Münchner Firmengruppe aber beim Gewinn hinnehmen, der gegenüber dem Vorjahr um 50 Prozent auf rund zwei Millionen Mark einbrach.

Ins Schlingern brachte das Unternehmen eine "desaströse Softwareinstallation", so Knürr im Rückblick. Im August 1998 hatten die Münchner ihre AS/400-Software von Soft M für die Produktionsplanung und -steuerung (PPS) durch eine Standardsoftware der Düsseldorfer SSA ersetzt - mit gravierenden Folgen für den weiteren Geschäftsverlauf. Erst im ersten Halbjahr 1999 konnten die technischen Probleme behoben werden, aufgelaufene Kosten drückten allerdings stark auf die Gewinne.

Die Trendwende in der Bilanz der Münchner soll jetzt die britische Investorengruppe bringen, die die Expansion im Ausland forcieren will. Verstärkt werden soll das Engagement in den USA und Asien, was mit Blick auf starke Wettbewerber zwingend erscheint.

Die neuen Mehrheitsgesellschafter planen außerdem, die seit 1981 bestehende Aktiengesellschaft innerhalb eines Jahres wieder in eine "private Gesellschaft" umzuwandeln. Dagegen soll der Name Knürr auch in Zukunft erhalten bleiben. Wie es in München weiter hieß, wird den freien Aktionären in den nächsten Wochen ein freiwilliges öffentliches Kaufangebot unterbreitet.

Firmengründer Knürr selbst will sich schon in Kürze aus dem Tagesgeschäft zurückziehen und den neuen Gesellschaftern nur noch beratend zur Seite stehen. Ein Schritt, der dem langjährigen Chef des Münchner Traditionsunternehmens nicht leicht gefallen sein dürfte. "Jeder Misthaufen duldet nur einen Gockel", gab sich Knürr pragmatisch.

*Andrea Goder ist freie Journalistin in München.