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09.03.2001 - 

IT-Vermarkter will europaweit durchstarten

IPC Archtec: Zu klein fürs große Geschäft

FRANKFURT/M. - Die IPC Archtec AG konnte im Geschäftsjahr 2000 sowohl Umsatz als auch Gewinn verdoppeln. Um im In- und Ausland in den vorderen Rängen mitzuspielen, bringt der niederbayerische Hardwarevermarkter jedoch immer noch zu wenig Gewicht auf die Waage. Von Andrea Goder*

Was bei Unternehmen aus dem Dax oder M-Dax ein Ding der Unmöglichkeit wäre, ist bei Companies am Neuen Markt fast schon die Regel: Firmen laden zur Bilanzpressekonferenz, ohne vorher ihre Hausaufgaben gemacht zu haben - sprich: einen Geschäftsbericht mit testierten Zahlen vorzulegen. Auf der Veranstaltung der IPC Archtec in Frankfurt konnte Finanzvorstand Reinhard Oppowa die Zahlen für das vierte Quartal zunächst nicht präsentieren. Dabei gilt der in Niederaichbach bei Landshut ansässige Vermarkter von Notebooks, PCs, Monitoren und "Consumer Electronics" seit seiner Börsennotierung im März 2000 als recht mitteilungsfreudig. Immerhin 19 Ad-hoc-Meldungen wurden bis Jahresende geschaltet.

Rekordverdächtig auch die Zahlen für das vierte Quartal. So schossen die Umsätze auf 292 Millionen Mark nach oben. Dieser Umsatzsprung ist beachtlich, zumal die Einnahmen in den ersten drei Quartalen nahezu stagnierten. Auf Jahressicht konnte das Unternehmen den Umsatz gegenüber dem Vorjahr auf 671,9 Millionen Mark nahezu verdoppeln und die zum IPO aufgestellte Jahresprognose um 78 Millionen Mark übertreffen. Insgesamt erzielte die Firma einen Jahresüberschuss von 16,7 Millionen Mark.

13 Prozent der Erlöse des vergangenen Jahres stammen aus externem Wachstum. Interessant ist diese Zahl vor allem deshalb, weil der IT-Vermarkter Akquisitionen nicht in die zum IPO vorgelegten Planzahlen integrierte und dadurch trotz des Rekordergebnisses die Jahresprognose knapp verfehlte.

Übernahmen waren entscheidend

Mit der Übernahme der Bemi Computer Marketing GmbH in Braunschweig, die im vergangenen August zu 91,6 Prozent erworben wurde, landeten die Niederbayern ihren mithin wichtigsten Coup. Die IT-Franchise-Kette verfügt laut Finanzvorstand Oppowa über ein Netz von rund 250 Lizenzpartnern mit einem Außenumsatz von rund 500 Millionen Mark. Mittelfristig rechnet IPC Archtec mit einem Anteil von 25 Prozent am Umsatz der Bemi-Franchise-Partner.

Mit Blick auf die Firmenhistorie ist eine Akquisition in dieser Größenordnung für einen mittelständischen IT-Vermarkter, der 95 Mitarbeiter beschäftigt, ein erster wichtiger Expansionsschritt. Die heutige IPC Archtec ging bereits 1992 als Großhändler von Hardware an den Start. 1996 begann das Unternehmen mit dem Import von Notebooks vorwiegend von taiwanischen Herstellern. Die für den Consumer-Markt bestimmten Geräte werden seitdem in Deutschland unter dem Namen IPC vermarktet - Assemblierung inklusive.

Neben dem Fachhandel, über den IPC Archtec heute rund die Hälfte der Produkte absetzt, bedienen die Niederbayern auch den Lebensmittelmärkte- (Lidl und Minimal) und den Retail-Kanal. Der wichtigste Kunde mit 15 Prozent vom Umsatz war im letzten Jahr der zur Rewe-Gruppe gehörende Promarkt. "Der Trend geht heute klar in Richtung branchenfremde Vertriebskanäle", erklärte Oppowa. Da sich im "Consumer-Channel" bereits Sättigungstendenzen abzeichnen, laufe auch bei IPC Archtec die Suche nach neuen Business-Kanälen auf Hochtouren.

Wachstum flacht ab

Doch ob Fachhandel oder Retail-Schiene - die Luft wird in beiden Absatzkanälen dünner. Eine Entwicklung, die auch IPC Archtec zwingt, im In- und Ausland auf Partnersuche zu gehen. Wichtige Kunden sind heute bereits die Metro und Kingfisher. Noch im Juni letzten Jahres unterzeichnete IPC Archtec auch mit der Pleite gegangenen Frankfurter Gigabell AG einen Kooperationsvertrag.

Um Notebooks auch in anderen europäischen Märkten zu vermarkten, schloss IPC Archtec vor wenigen Monaten weitere strategische Partnerschaften, etwa mit der britischen Büroausstattungskette Staples oder der italienischen IT-Fachhandelskette IM&S. Eigenen Angaben zufolge wurden im letzten Jahr bereits 25 Prozent der Umsätze (168 Millionen Mark) in Europa erzielt nach deutlich unter zehn Prozent im Vorjahr. Mit einem Auslandsanteil von 28 Prozent, der laut Oppowa für dieses Jahr erwartet wird, ist die Wachstumskurve allerdings bereits wieder im Abflachen.

Umsatzmilliarde in diesem Jahr angepeilt

Trotz erster Expansionserfolge drehen die Niederbayern in einem Milliardenmarkt erst kleine Runden - national wie international. Der ebenfalls am Neuen Markt gelistete Wettbewerber Medion brachte es im letzten Geschäftsjahr bereits auf 2,5 Milliarden Mark Umsatz. Während der norddeutsche Konkurrent, der den Lebensmittel-Discounter Aldi mit Computern beliefert, derzeit im US-Markt Fuss zu fassen versucht, ist dieser Schritt für Oppowa kein Thema.

Den strammen Wachstumskurs will Oppowa auch im laufenden Geschäftsjahr, in dem erstmals die Umsatzmilliarde geknackt werden soll, fortsetzen. Vom rauhen Wind, der derzeit den großen amerikanischen PC-Herstellern ins Gesicht bläst, glaubt der Finanzchef verschont zu bleiben. "Da wir nicht im Business-Segment tätig sind, gehen wir nicht davon aus, dass wir von diesen Zyklen betroffen sein werden".

*Andrea Goder ist freie Journalistin in München

Abb: Notebook-Markt

Quelle: Dataquest