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23.11.1979

IPO implizite

Vor knapp zehn Monaten schockte IBM die Konkurrenz mit der Ankündigung der E-Serien Modelle 4331 und 4341. Die "370/115 bis"-Nachfolger überzeugten - zumindest auf dem Papier - weniger durch architektonische Neuheiten als durch "sensationell niedrige" Hardwarepreise: Der IBM-Preisschirm existierte nicht mehr.

Obgleich die Mainframe-Kombattanten und vor allem auch Nachbauer wie Itel mit Produktankündigungen und Preissenkungen reagierten - ist IBM heute im Universalrechnergeschäft ungefährdeter denn je.

Und dies, obwohl der Marktführer beim Preis-/Leistungsverhältnis der 4300er bisher mehr mit markigen Marketing-Sprüchen beeindruckte als mit Taten (sprich Lieferungen).

Billig sind sie ja, die E-Modelle - aber inzwischen mußten einige Pilotanwender erkennen, daß beispielsweise die Leistung der 4331 nicht erheblich über der kleinen 370-Modelle 115 und 125 liegt.

Nun kann freilich niemand behaupten, IBM habe zuviel versprochen. Das tut IBM ja nie. IBM forciert nicht ohne Grund die Mehr-CPU-Nutzung. Daß dies vom Markt noch nicht in vollem Umfange aufgenommen wurde - eine erkleckliche Zahl von 370-Anwendern sieht die 4331 offenbar als reine Umsteigemaschine -, ist IBM nicht anzulasten. Und was beispielsweise den verfügbaren Speicherbereich angeht - als recht brauchbare Kenngroße für Performance-Vermesser: Man muß nur (englisch) lesen können; So heißt es etwa im "General Information Manual" der 4300 (IBM-Form GC20-1873-0): "Under normal operation up to 35% user space is available in the minimum configuration." Soweit aus der amerikanischen 4300-Literatur. Dieser versteckte Hinweis auf die "wahren" Performance-Verhältnisse müßte eigentlich stutzig machen.

Doch die User-Bereitschaft zur Einsicht scheint begrenzt zu sein - IBM kann sich jedenfalls vor Aufträgen kaum retten. Da sind astronomische Zahlen im Umlauf (auf zehntausend mehr oder weniger kommt es schon gar nicht mehr an); da kursieren auch schon die ersten Sprüche, die sich über IBMs "bemitleidenswerte Auftragssituation bei der 4300 lustig machen. Kostprobe: "Wenn In Neuseeland alle bestellten 4300er auf einmal installiert werden, dann geht die Insel unter."

Ob es allerdings zu diesen Massen-lnstallationen kommt, wird letztlich davon abhängen, wie die Kunden auf IBMs Unbundling-Strategien reagieren. Daß der Armonker Gigant für die billige 4300 Hardware auch gleich ein ganzes Bündel lizenzpflichtiger "Installation Productivity Options" (IPOs) bereithielt, wurde in den Premierenbesprechungen neutraler Branchenbeobachter lediglich am Rande vermerkt - was der Bedeutung des IPO-Announcements nicht gerecht wurde, wie sich bald zeigen sollte.

Denn die IPO/E-Vorstellung ("E" steht für "Extended") markierte den Beginn einer Softwarepolitik, die für den 4300-Anwender die Konsequenz haben könnte, von IBM abhängig zu sein.

Doch was verbirgt sich hinter dem Kürzel "IPO"? "Installation Productivity Options sind vorkonfigurierte getestete und vorgenerierte Software-Produkte, die - aufeinander abgestimmt - auf einer vorgegebenen Hardware-Konfiguration eingesetzt werden" (IBM-Originalton).

Kein Geheimnis ist, worauf die IBM-Überlegung gründet, vorgenerierte Betriebssoftware einzusetzen: Der Wartungslevel bleibt immer gleich. Vorteil für IBM: Der enorme Wartungsaufwand, um verschiedene Software-Releases zu bearbeiten, fällt weg. Vorteil für den Anwender: Er braucht keinen Systemprogrammierer mehr.

Und darin ist auch der Pferdefuß versteckt: Der IPO-Service funktioniert nur, wenn alle Kunden stets die gleiche Software-Version einsetzen. Das heißt: IBM zwingt die Anwender, das jeweils neueste Release einzuspielen.

Wer mit einer älteren Version weiterfährt, die von IBM nicht mehr gewartet wird, muß damit rechnen, daß sich das System irgendwann automatisch verabschiedet.

Kann sich ein Anwender dieses Risiko leisten?