Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

20.08.1999 - 

Zahlungsunfähige Betreiber suchen Schutz vor Gläubigern

Iridium tritt den Gang vor den Konkursrichter an

MÜNCHEN (CW) - Die globale Satellitentelefon-Gesellschaft Iridium hat bei einem US-Gericht im Bundesstaat Delaware einen "freiwilligen" Vergleichsantrag gestellt. Mit Bezug auf das sogenannte Chapter 11 will sich der finanziell schwer angeschlagene Carrier vor seinen Gläubigern retten.

Mit der Flucht unter Chapter 11 der US-Konkursgesetz-gebung schützt sich Iridium für einige Zeit vor dem Zugriff der Gläubiger. Dieser Sonderfall des amerikanischen Rechts sieht vor, daß die betroffene Firma unter Aufsicht des Gerichts einen Sanierungsplan ausarbeitet, um die endgültige Pleite abzuwenden. In dieser Zeit sollen die Geschäfte wie gewohnt weiterlaufen. Der Konkursrichter muß dem Plan allerdings erst zustimmen.

Seit mehreren Monaten verhandelt Iridium mit Gläubigern über die Lösung der finanziellen Probleme. Am 11. August versäumte es der Carrier erneut, Bankkredite von mehr als 1,5 Milliarden Dollar zu bedienen. Darüber hinaus ließ das Unternehmen am 15. August eine Frist zur Rückzahlung von Zinsen in Höhe von 90 Millionen Dollar für eine weitere Anleihe in Höhe von 1,45 Milliarden Dollar verstreichen. Dabei handelte es sich bereits um eine Gnadenfrist, denn der ursprüngliche Zahlungstermin war Mitte Juli.

Gewohnt positiv beurteilte Iridiums CEO John Richardson die strategische Entscheidung des Unternehmens: "Dieser Schritt ist der effizienteste Weg, die Reorganisation voranzutreiben", so der seit kurzem amtierende Iridium-Chef. Er sei guten Mutes, daß die Firma gestärkt aus dem Prozeß hervorgehen wird. Noch vor einem Monat hatte Richardson getönt, ein Konkurs käme für Iridium nicht in Frage. Damals hatte Motorola, der größte Anteilseigner des Unternehmens, erstmals öffentlich die Möglichkeit der Liquidation - auch unter Chapter 11 - in Betracht gezogen.

Der US-Konzern Motorola hält 18 Prozent an der Satellitentelefon-Gesellschaft. Das Unternehmen sicherte Iridium nach dem Gang zum Konkursrichter weiterhin die volle Unterstützung zu. Zusätzliche Gelder sollen jedoch nur fließen, wenn sich auch andere Anteilseigner mit weiteren Mitteln beteiligen. Diese scheinen jedoch nicht so viel Vertrauen in die Mobilfunker zu haben. Eine Investorengruppe im Staat New York hat bereits einen "unfreiwilligen" Konkurs unter Chapter 11 für Iridium beantragt, um die letzten Vermögenswerte zu schützen.

Iridium kann sich getrost zu den größten Kapitalvernichtern in der US-Börsengeschichte zählen, denn insgesamt investierte der Satellitendienst um die sechs Milliarden Dollar in den Aufbau des Netzes. Nach der Konkursankündigung am Freitag stürzte der Kurs des Unternehmens um 1,19 Dollar auf knapp über drei Dollar - das entspricht einem Minus von fast 28 Prozent. Noch im Mai 1998, noch vor dem Start des Dienstes, belief sich der Wert des Iridium-Anteils auf rund 70 Dollar.