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23.05.1975

IRIS jetzt im Honeywell-Vertrieb?

Mit Dr. Jürg Tschirren, Geschäftsführer der Honeywell Bull GmbH, Köln, sprachInterview der Woche

Dr. Jürg Tschirren, (50)

Geschäftsführer der Honeywell Bull GmbH, gehört dem Unternehmen beziehungsweise dessen Vorgesellschaften seit 23 Jahren an.

Er übernahm 1956, 31 jährig, die Leitung der Schweizer Bull-Organisation in Zürich und wurde 1967, nachdem inzwischen die Computer-Fusion zwischen Bull und General Electric erfolgt war, nach Köln berufen, wo er als Geschäftsführer des Marketing-Bereichs die Vertriebsaktivitäten der deutschen Bull-GE-Filiale neu organisierte.

Seit der Zusammenführung der EDV-Interessen von Generall Electric, der Compagnie des Machines Bull und der Honeywell Inc. ist Tschirren alleiniger Geschäftsführer der Honeywell Bull GmbH, Köln. Im Januar vollendete er sein 50. Lebensjahr.

- Ihr Berichtsweg ging zuvor bis nach Waltham, Massachusetts, ins Honeywell Headquarter, jetzt endet er in Paris. Wie fühlt man sich, wenn sich plötzlich so vieles ändert?

De facto war die Situation doch vorher auch so. Denn die 34-prozentige Beteiligung der Compagnie des Machines Bull hat doch de jure eine Sperrminorität dargestellt. Es war immer so in unserem Konzern, daß das europäische Element berücksichtigt werden mußte. Die Honeywell-Gesellschaft ist ja nach wie vor dabei und wird volle Mitbestimmung und Mitsprache haben. Ich möchte also sagen, es wird sich für uns nichts ändern.

- Nun hat man eine solche Neukonstruktion sicherlich nicht deshalb geschaffen, damit sich nichts ändert. Also wird sich doch etwas ändern?

Richtig - aber nicht unbedingt im Innenverhältnis. Wir mußten in Frankreich die Kräfte koordinieren. Es war nicht wirtschaftlich, daß der französische Staat im Territorium eine Gesellschaft hatte, die sehr stark war auf dem Computergebiet, nämlich die Compagnie Honeyvell Bull und gleichzeitig einen Plan Calcul forcierte, also die CII unterstützte. Beide Gesellschaften werden es leichter haben, sich in der wirtschaftlichen Umwelt zu behaupten.

- Ein Motiv war also auch, daß die Honeywell Bull-Gesellschaft in Frankreich Schwierigkeiten hatte und vor Entlassungen stand?

Diese Frage möchte ich relativieren. Es ist sicher so, daß die Honeywell Bull nicht nur in Frankreich, sondern weltweit zu kämpfen hatte - mit der Konkurrenz und mit der Wirtschaftslage allgemein. Aber das heißt nicht, daß wir in irgendwelchen Notsituationen waren, - ganz im Gegenteil. Aber jeder vernünftige Mensch, der die Situation kennt, muß sehen, daß es sicher wünschenswert ist, die vorhandenen Kräfte zu vereinigen. Das war auch letzten Endes die Idee der Unidata.

- Was wird sich nun nach außen ändern? Werden Sie ab morgen IRIS-Anlagen vertreiben?

Wir werden die IRIS-Anlagen, das heißt das Produktprogramm der CII weiterführen. Alle Kunden und alle Einzugsgebiete, die bisher mit diesen Anlagen bedient wurden, werden weiter bedient. Im übrigen werden wir unser bisheriges Programm weiterpflegen.

- Nun ist ihr bisheriges Programm ja lückenlos. Es reicht nach eigenen Angaben vom Kleinrechner bis zum Jumbo. Die Übernahme des IRIS-Vertriebs kann also nur in Konkurrenz zu Honeywell Bull-Produkte erfolgen. Das werden Sie doch nicht wollen?

Die Pressemitteilung sagt klar, daß wir in den nächsten vier Jahren diese beiden Produktlinien vereinigen wollen.

- Nun hat Honeywell Bull ja reichlich Erfahrung mit dem Fusionieren und dem Verschmeizen von Produktlinien. Trotzdem werden Sie zugeben, das ist nicht ganz einfach.

Das Problem kann langfristig durchaus gelöst werden.

- In den Produktionshallen der CII stehen die Muster der neu entwickelten Rechner "X 4" und "X 5", die als Großcomputer der Unidata 7000-Serie konzipiert wurden. Werden sie in Serie gehen und künftig als CII/HB-Rechner angeboten werden?

Dazu kann ich Ihnen keine Aussage machen.

- Eigentlich sind diese Rechner ja für Unidata konzipiert worden. Man darf unterstellen, daß Siemens ein Interesse hat, die Unidata 7000-Serie nach oben abzurunden. Ist es denkbar, daß CII/HB als OEM-Lieferant Siemens mit diesen Großmaschinen beliefert?

Vorgesehen isf, daß die CII-Fabrik in Toulouse nach wie vor alle bisherigen Bezieher beliefert. Es ist also durchaus möglich, daß auch zukünftige Neuprodukte an unsere Mitbewerber gehen.

- Sie bezeichnen Siemens also als Konkurrenz und betrachten sich nicht als Partner im Unidata-Verbund.

Heute sind wir sicherlich noch nicht Partner von Siemens. Aber ich stelle mich voll und ganz hinter die Erklärungen unseres Präsidenten Brulé, der sagte, daß die neu zu gründende Gesellschaft, Compagnie pour L'informatique/Honeywell Bull die bisherigen Engagements aufrecht erhalten möchte. Wir sind also bereit, Gespräche zu führen, um zu einer Kooperation zu kommen. Ich glaube, da das richtig ist. Heute sind sie selbstverständlich noch Mitbewerber, aber die Zukunft kann das ändern.

- Befürchten Sie nicht, daß die Unidata - oder sagen wir jetzt besser, daß Siemens und Philips - sich möglicherweise nach anderen Partnern umschauen werden? Da gibt es ICL oder auch Univac.

Das Risiko besteht meiner Meinung nach, - das ist aber eine rein persönliche Aussage.

- Wird es einen Eintritt der Honeywell Information Systems als Partner in die Unidata geben ?

Ich hoffe, und das aus voller Überzeugung, - obschon wir durchaus sehen, daß es für unsere Firma in Deutschland sicherlich zu einem Problem führen würde.

- Siemens wird da vermutlich nicht mitspielen wollen. Die offizielle Siemens-Stellungnahme macht ganz deutlich, daß die Unidata-Produktfamilie wie bisher in Konkurrenz zu den Produkten von Honeywell Bull vertrieben wird.

Ich halte die Stellungnahme von Siemens für sehr klug. Es wird nicht gesagt, wir sind böse. Es wird anerkannt, daß die französische Regierung die Bereitschaft erklärt hat, die Unidata-Partnerschaft aufrecht zu erhalten. Diese Stellungnahme läßt durchaus die Möglichkeit offen, vernünftige Gespräche über eine zukünftige Kooperation zu führen.

- Wie soll das nun alles weitergehen ?

Ich bin überzeugt, daß die Dinge, die sich in letzter Zeit hier getan haben, sehr gut für unser Unternehmen sind. Ich glaube, daß es sinnvoll ist, daß der französische Staat die beiden: die französische und die französisch-amerikanische Gesellschaft unter einen Hut bringt. Ich verweise auf die Erklärung unseres Präsidenten, in der er deutlich machte, daß wir bereit sind, die Kooperation mit der Unidata aufrechtzuerhalten und weiterzuentwickeln.

- Es sind sehr viele Regierungsgelder in die Unidata geflossen; hat die jüngste Entwicklung zur Folge, daß das Fehlinvestitionen waren?

Ich glaube nicht, daß das, was bisher getan wurde, unter der Kategorie "Fehlinvestitionen" eingereiht werden müßte, denn Computerentwicklungen sind ja nicht so sehr modellabhängig, sondern es steht sehr viel Grundlagenforschung dahinter, - das wird sich auszahlen Vergangene Anstrengungen sollten neue zukünftige bessere Wege nicht verschließen.