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18.10.2005

Irische Behörden stoppen SAP-Projekte

Politiker kritisieren Verzögerungen und Kostenexplosion.

Die irische Gesundheitsbehörde Health Service Executive (HSE) hat die landesweite Einführung einer neuen Software für die Personalverwaltung gestoppt. Mit dem schon vor rund zehn Jahren gestarteten Projekt "Personnel, Payroll and Related Systems" (PPARS) sollte das irische Gesundheitswesen ein neues Programm erhalten, um die Daten von etwa 120000 Mitarbeitern effizienter verwalten zu können.

Doch daraus wird vorerst nichts. Nachdem während der ersten Installationen in vier Regionen massive Probleme aufgetreten waren, legten die Verantwortlichen das Vorhaben am 6. Oktober auf Eis. Darüber hinaus wurden auch die Arbeiten an einem anderen Projekt, dem "Financial Information Systems Project" (FISP), bis auf weiteres eingefroren. Beide Vorhaben, die auf SAPs R/3-Software basieren, wurden von dem US-amerikanischen Beratungsunternehmen Deloitte & Touche LLP betreut. Experten schätzen das Gesamtvolumen beider SAP-Vorhaben auf über 380 Millionen Dollar.

Schon 180 Millionen Dollar verschlungen

Das Ganze gleiche einer Fallstudie, wie man ein IT-Projekt nicht betreiben sollte, höhnte die Opposition. Ursprünglich sei das 1995 gestartete Projekt PPARS auf drei Jahre angesetzt gewesen und sollte 10,7 Millionen Dollar kosten. Nach zehn Jahren habe das Vorhaben bereits 180 Millionen Dollar verschlungen. Dafür hätte man ein neues 600-Betten-Hospital bauen können, monieren Oppositionspolitiker. Das neue System verursache einen Fehler nach dem anderen. So habe ein Krankenhausmitarbeiter versehentlich einen Monatslohn von 1,2 Millionen Dollar erhalten.

Man habe wohl die Komplexität des alten Verwaltungssystems unterschätzt, räumte eine Sprecherin der irischen Gesundheitsbehörde ein. Es gebe rund 2500 unterschiedliche Gehaltsabrechnungen innerhalb des Gesundheitssystems. Die genauen Ursachen für das Softwaredesaster ließen sich jedoch erst nach einer exakten Fehleranalyse benennen. Es sei wichtig, zunächst das PPARS-Projekt so abzuschließen, dass alle Anforderungen erfüllt seien, rechtfertigte die Sprecherin den Stopp des zweiten Softwarevorhabens. Das später gestartete FISP-Projekt, mit dem die Bereiche Finanzen sowie Materialwirtschaft abgedeckt werden sollen, hat bislang 36 Millionen Dollar gekostet. Experten schätzen den Gesamtaufwand für FISP auf über 200 Millionen Dollar. (ba)