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09.12.1983 - 

GroßbritannienIreland

Irische Entwicklungsbehörde lockt mit geringen Steuern und vielen Zuschüssen:Zweites Bein für ausländische Investoren

DUBLIN - Mit finanziellen Anreizen und einem gut ausgebildeten Arbeitskräftepotential lockt Irland ausländische Investoren auf die Grüne Insel. Rund 122 deutsche von insgesamt 800 Unternehmen folgten in den vergangenen zehn Jahren dem Ruf der Industrie-Entwicklungsbehörde (IDA). Sie nutzten deren Sonderprogramm und schufen sich in Irland ein "zweites Bein". Allein im vergangenen Jahr konnte IDA durch die Förderung von einheimischen und ausländischen Firmen 28000 neue Arbeitsplätze aus dem Boden stampfen.

Der größte Reichtum, aber auch das Hauptproblem Irlands ist zweifellos seine Bevölkerung: Von den 3,2 Millionen Einwohnern sind 50 Prozent unter 25 Jahre alt, und 14 Prozent haben keinen Job. Auch für Hochschulabsolventen stellt sich die Situation problematisch dar, denn die Wirtschaft kann nur einen Teil von ihnen aufnehmen. Über 15000 neue Stellen, so rechnet die Industrie-Entwicklungsbehörde (IDA), müßten in der näheren Zukunft jährlich neu geschaffen werden, um die jetzige Arbeitslosenquote auf ein nach EG-Maßstäben einigermaßen annehmbares Niveau zu senken. Mit einem Sonderprogramm von Unterstützungsmaßnahmen versucht deshalb die Entwicklungsbehörde IDA ausländische Unternehmen in Irland anzusiedeln. Trotz härterer weltwirtschaftlicher Rahmenbedingungen konnte IDA 1982 für über 1000 Industrieprojekte staatliche Mittel in Höhe von 756 Millionen Mark bewilligen und stellte damit 28000 neue Jobs auf die Beine.

Deutsche Unternehmen an zweiter Stelle

Um interessierten deutschen Unternehmen die Kontaktaufnahme zu erleichtern, errichteten die irischen Wirtschaftsförderer Außenstellen in Köln und Stuttgart. Ab Dezember wird es auch in München ein IDA-Büro geben.

Nach den Amerikanern stellen die gegenwärtig 122 deutschen Firmen mit einem Investitionsvolumen von rund zwei Milliarden Mark die zweitgrößte Gruppe ausländischer Investoren auf irischem Boden. Mit Niederlassungen sind beispielsweise die Assmann KG, Lüdenscheid, die Braun AG, Kronberg, A. W. Faber Castell, Stein, die Henkel KG, Düsseldorf, und die Nixdorf Computer AG, Paderborn, vertreten.

Im vergangenen Jahr entschlossen sich weitere 35 deutsche Unternehmen zu einer Investition in der Republik Irland.

Die Entwicklungsbehörde IDA fördert ausländische und einheimische Unternehmen der herstellenden Industrie mit Investitionshilfen wie:

- einer maximalen Körperschaftssteuer von nur zehn Prozent bis zum Jahr 2000;

- nicht zurückzuzahlenden Barzuschüssen in Höhe von 25 bis 50 Prozent der Kosten für Grundstücke, Gebäude, Maschinen;

- Zuschüssen bis zu 100 Prozent zu Ausbildungskosten;

- erschlossenen Grundstücken und schlüsselfertigen Fabriken;

- Zuschüssen in Höhe von bis zu 50 Prozent auf Forschungs- und Entwicklungsvorhaben.

Speziell für Dienstleistungsunternehmen hat Irland dieses Angebot entwickelt:

- einen Höchstsatz der Körperschaftssteuer von zehn Prozent in den Bereichen Planung, Konstruktion und Software-Entwicklung;

- Barzuschüsse auf die Schaffung neuer Arbeitsplätze;

- Kapitalzuschüsse zum Erwerb von Anlagen und Einrichtungen wie Computer und Büroausstattungen.

Von den Computerherstellern haben diese finanziellen Vorteile beispielsweise schon Digital Equipment, Amdahl, Nixdorf, Prime Computer, Computer Automation, Apple Computer, Data Terminal Systems und Wang Laboratories genutzt.

Überangebot von qualifizierten Kräften

Interessant sind für ausländische Unternehmen auch die niedrigen irischen Arbeitslöhne. Sie liegen nur etwas über der Hälfte der Kosten in der Bundesrepublik. Allerdings möchte Brendan Rossiter von der Information Technology & Electrical Engineering Division der IDA in Dublin sein Land auf keinen Fall nur als Billiglohnland gesehen wissen. Entscheidend, so der IDA-Vertreter, sei das gesamte Bündel von Vergünstigungen.

Auch bietet die gute wirtschaftliche und technologische Ausbildung der jungen irischen Bevölkerung für viele Firmen einen besonderen Anreiz, sich hier niederzulassen. Die Zahl der Technologen und Techniker, die jedes Jahr ihre Ausbildung an den Universitäten und Hochschulen abschließen, übersteigt nämlich den Bedarf im Lande.

Es mangelt also nicht an der Ausbildung, sondern höchstens an Berufserfahrung. So orientiert sich das National Institute of Higher Education (NIHE) in Limerick beispielsweise ganz bewußt an den Anforderungen, die von den Unternehmen in den nächsten Jahren gestellt werden. Die Zusammenarbeit zwischen Ausbildung und Praxis, versichert Dr. John McGinn, Direktor des NIHE Instituts, sei gut. Während der Semesterferien könnten seine Studenten oft schon in dem Unternehmen arbeiten, bei dem sie später ins Berufsleben einsteigen wollen.

So gut es mit der Personalsituation steht, so schlecht sieht es vorläufig noch mit der Kommunikationsinfrastruktur aus: Klagen werden nach wie vor über das irische Telefonnetz laut. Beschwert sich Brian Brown Managing Director der Data Products in Dublin: "Die Verbindungen innerhalb Irlands sind nach wie vor eine Katastrophe, während die internationalen Verbindungen inzwischen besser klappen." Hier versichern die IDA-Repräsentanten, daß das Telefonnetz bis Ende 1984 voll digitalisiert werde, was aber natürlich auch nicht ohne Übergangsschwierigkeiten abgehen dürfte.

Höchste Investitionsrendite in Europa

Eine Produktionsstätte in Irland ist nach Untersuchungen des US-Handelsministeriums ein profitables "zweites Bein". Wie die Experten herausfanden, erwirtschafteten amerikanische Unternehmen in Irland zwischen 1978 und 1981 im Durchschnitt eine Investitionsrendite von 31,7 Prozent. Dieser Wert werde in keinem anderen europäischen Land erreicht. In den Genuß dieser Rendite kommen auch die deutschen Unternehmen, da sie unter den gleichen Bedingungen wie US-Betriebe in Irland arbeiten.

Dies ist auch einer der Gründe, warum sich die Nixdorf Computer AG schon 1973 dafür entschieden hat, in Irland eine Vertriebsniederlassung zu etablieren. Vier Jahre später wurde in Bray bei Dublin die Nixdorf Computer Ltd. gegründet. Sie stellt Bauteile her und genießt bis 1990 noch völlige Steuerfreiheit auf die Exportgewinne.

Stolz berichtet Nixdorf-Manager Hilary Doyle, daß in Irland bereits 500 Bankterminals sowie 400 Business-Computer installiert seien. 1981 entschlossen sich die Paderborner, in Dublin auch eine Softwareproduktion aufzubauen. Den Hauptgrund dafür, daß immer mehr Unternehmen in Irland Softwarezentren gründen, sieht der Dubliner Nixdorf Manager in der Qualifikation der Hochschulabsolventen.

Doyle: "Auch in Irland gehört der Software die Zukunft." Neben der Förderung durch IDA sowie der englischen Sprache war auch für den amerikanischen Computerbauer Digital Equipment (DEC) die gute Ausbildungsstruktur mit ausschlaggebend, als sie 1971 nach Galway kam, um dort Computer und Peripheriegeräte für den europäischen Markt zu produzieren. Galway wurde außerdem DECs modernstes Lager außerhalb der USA und beschäftigt inzwischen 1070 Mitarbeiter. In naher Zukunft soll Galway nochmals durch Investitionen von zirka neun Millionen irischen Pfund erweitert werden. In der zweiten DEC-Niederlassung in Clonmel, die 1978 gegründet wurde, arbeiten derzeit 250 Iren. Ed O'Connel, Managing Director bei DEC, lobt aber nicht nur die finanziellen Vorteile oder die gute Ausbildungssituation. Er fühlt sich vor allem auch wegen der blühenden Landschaft und der gesunden Umweltbedingungen in Irland wohl.