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29.09.1995 - 

Gastkommentar

IS fuer das Management: Wer braucht ein Data-Warehouse?

Bereits in den 70er Jahren erkannte man die Notwendigkeit, die Massendaten der administrativen DV-Systeme fuer das Management aufzubereiten. Statt umfangreicher Listen sollte die DV entscheidungsrelevante Informationen direkt am Bildschirm bereitstellen. Die Ansprueche an diese Management- Informationssysteme (MIS) waren fuer damalige Verhaeltnisse sehr hoch, die Voraussetzungen jedoch denkbar unguenstig: geringe Leistungsfaehigkeit der Rechner, umstaendliche Bedienung der Software, inkonsistente und intransparente Daten. Ausserdem wurde es fuer die Anbieter von MIS mit der Zeit immer schwieriger, sich von den Wettbewerbern abzuheben.

Vielleicht ist dies der Grund, weswegen man neue Begriffe schuf: Neben den bekannten MIS, EIS (Executive Information Systems) und DSS (Decision Support Systems) gab es nun CIS, EUS, FIS oder VIS. Auch MUS oder MIST konnte der Manager nutzen, um DV-gestuetzt an seine Informationen zu kommen. Die Verwirrung der Anwender haelt bis heute an. In einer juengst durchgefuehrten Studie zeigte sich zudem, dass mehr als die Haelfte der Befragten (fast) keine Kenntnisse ueber MIS hat.

In dieser Situation werben nun verschiedene Soft- und Hardware- Anbieter fuer den Einsatz eines Data-Warehouse. Im Grunde wird damit das Ziel verfolgt, eine zentrale Datenbank einzurichten, welche alle fuer zusaetzliche Auswertungszwecke relevanten Informationen von den operativen Systemen und externen Informationsquellen erhaelt. Im Data-Warehouse werden Daten zusaetzlich bereinigt, verdichtet und ueber mehrere Jahre gespeichert. Die Aufbereitung fuer den Nutzer erfolgt mit entsprechenden Front-end-Tools (Tabellenkalkulationsprogramme, Planungssprachen, MIS-Generatoren). Fuer den Anwender stellt sich die Frage nach dem Nutzen eines Data-Warehouse.

Die meisten der bisher verwendeten MIS- und EIS-Systeme sind Inselloesungen mit eigener Datenhaltung. Die notwendigen Daten werden zum Beispiel ueber langsame und muehsam zu pflegende ASCII- Schnittstellen oder gar manuell in das Informationssystem uebertragen.

Da MIS und EIS permanent neuen Anforderungen angepasst werden muessen, entsteht ein hoher Aenderungsaufwand. Es wird zum Beispiel berichtet, dass das EIS fuer den Vorstandsvorsitzenden eines grossen deutschen Konzerns von 20 Mitarbeitern gewartet werden muss. Ausserdem ist vor allem bei rein PC-gestuetzten Systemen die Kapazitaet der MIS- und EIS-eigenen Datenbanken sehr beschraenkt.

Ein Data-Warehouse als Basis eines MIS/EIS vermeidet die Probleme. MIS und EIS koennen nun in eine grosse anwendungsunabhaengige Datenbank integriert werden. Die aufwendige Einrichtung von Schnittstellen entfaellt. Die Datenuebertragung erfolgt weitgehend automatisch ueber schnelle Verbindungen. Daten fuer zusaetzliche Auswertungen muessen nicht erst muehsam aufbereitet werden, da sie in den meisten Faellen bereits im Data-Warehouse gespeichert sind. Zusaetzliche Moeglichkeiten der Datenanalyse eroeffnen sich aufgrund der grossen Datenmenge im Data-Warehouse.

Die bisherigen Ausfuehrungen muessen um weitere Aspekte ergaenzt werden, welche die andere Seite der Medaille zeigen. Insbesondere PC-gestuetzte MIS sind eine relativ guenstige Moeglichkeit, das Management schnell mit einem problemlos zu nutzenden Informationssystem zu versorgen. Gruende, die vor allem mittelstaendische Unternehmen dazu bewogen, derartige Systeme einzufuehren.

In der oben bereits erwaehnten Studie ueber Einsatz von MIS wurde deutlich, dass nur sehr wenige Betriebe bereit sind, mehr als 140000 Mark fuer Anschaffung und Einfuehrung zu investieren. Ein Data-Warehouse-Projekt wird aber wesentlich mehr Kosten verursachen. Bisweilen liegt die Vermutung nahe, dass Kunden im Zuge der Einfuehrung eines Data-Warehouse vor allem fuer die Anschaffung teurer Hochleistungsdatenbanken und Rechner gewonnen werden sollen. Davon zeugt auch der Zusammenschluss von HP und Informix zu einer "Data-Warehouse-Alliance". Neben der Informix- Datenbank wird zusaetzlich die passende Hardware in Form der HP9000 angeboten.

Der Aufbau eines Data-Warehouse ist darueber hinaus nicht in einigen Wochen machbar und verlangt den massiven Einsatz von DV- Spezialisten. Das alles steht einer haeufig geaeusserten Forderung fuer die Einfuehrung von MIS und EIS entgegen: "Think big, but start small!"

Insgesamt erscheint der Einsatz eines Data-Warehouse zur Zeit fuer wenige grosse Unternehmen interessant. Die Masse der kleineren Betriebe wird sich jedoch in naechster Zukunft weiterhin mit den bewaehrten PC-gestuetzten MIS und EIS begnuegen.