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17.01.1992 - 

Hamburger Casting Company vermittelt Darsteller am Bildschirm

ISDN: Bilder rasch und ohne Qualitätsverluste übertragen

*Manfred Zeller ist Fachbereichsleiter für ISDN-Anwendungen bei der Generaldirektion Telekom in Bonn.

Fotomodell per Datenleitung

Gesucht wird das schönste Gesicht, das ideale Modell, die optimale Ausstrahlung. In der Werbe- und Filmbranche sind Regisseure ständig auf der Suche nach den richtigen Schauspielern, und Werbefotografen suchen ein geeignetes Gesicht für ihre Aufnahmen. Bei der aufwendigen Recherche helfen ihnen spezielle Casting-Agenturen. Sie schlagen ihren Kunden Personen für die Besetzung einer Rolle vor.

Der Faktor Zeit spielt in der schnellebigen Werbe- und Filmbranche eine entscheidende Rolle. Die Casting Company in Hamburg entschloß sich deshalb, bei der Übermittlung der Unterlagen und Fotos der Kandidaten den Postweg durch moderne Datenübertragungstechnik zu ersetzen. Der technische Schlüssel zu dieser neuen Ära im Bereich der Telekommunikation ist das Integrated Services Digital Network, kurz ISDN, dessen Nutzung Manfred Zeller* beschreibt.

Das digitale Telekommunikationsnetz der Telekom kann alles, was auch das bewährte analoge Telefonnetz leistet - nur eben viel schneller, in besserer Qualität, flexibler und mit größerer Zuverlässigkeit. Der Vorteil Zeitgewinn ist wegen der Geschwindigkeit von 64 Kbit/s groß. Im ISDN dauert beispielsweise der Aufbau einer Seite im Bildschirmtext nur noch 0,2 Sekunden; bisher wurden dafür zehn Sekunden benötigt.

Auf der Basis eines ISDN-Anschlusses entwickelte die Hamburger Casting Company in Zusammenarbeit mit der Telekom und der Svea Telekommunikationsberatung eine spezielle Kommunikationssoftware für ihre PCs.

Das digitale Fernmeldenetz der Telekom realisiert in Verbindung mit der Software eine Übertragung von Standbildern, wie sie bisher in diesem Bereich in einem zeitlich akzeptablen Rahmen nicht möglich war. Mit der neuen Technologie legte die Agentur den Grundstein für eine zunächst bundesweite und bald auch europaweite Ausweitung ihrer Aktivitäten.

Größtes Hindernis bei der bundesweiten Suche nach einer bestimmten Person war bisher der Zeitaufwand. Nachdem der Kunde seine Wünsche (Größe, Haarfarbe, Konfektionsgröße etc.) beschrieben hatte, begann die Agentur damit, ihre Karteien zu durchforsten oder sich selbst auf die Suche zu machen - eine langwierige Prozedur, die auch Doppelbuchungen zur Folge hatte. Häufig scheiterte die Besetzung, wenn der Wunschkandidat zwar vorhanden, aufgrund der langen Abstimmungs- und Suchzeit aber schon wieder anderweitig gebucht war.

Mit ISDN konnte dieses Problem gelöst werden. Heute geben die Filialen der Agentur die Bilder aller neuen Modelle in Sekundenschnelle an das Archiv des Zentralcomputers in Hamburg durch. Zeitraubende Anfragen der Zentrale bei den Filialen entfallen, und die Suche nach dem richtigen Typ verkürzt sich enorm, da das Archiv über Datenbank und Bilddarstellung sofort verfügbar ist. Das Filialsystem ist eine wichtige Komponente bei dieser innovativen Technik. Ausgerüstet mit der entsprechenden Hardware und der von Svea entwickelten Software speisen die Filialen nicht nur ihre neuen Kandidaten ins Archiv ein, sie verfügen anhand der Datenfernübertragung auch selbst über den Gesamtbildbestand. Außerdem können die Filialen und Partner der Casting Company künftig ständig Standbilder und Daten untereinander austauschen, die Zentrale in der Hansestadt wird erheblich entlastet.

Nach dem Startschuß für ISDN während der Hannover Messe CeBIT im März 1989 sind etwa 80 Prozent aller Geschäftskunden in den alten Bundesländern an ISDN anschließbar. Ab 1993 können hier jedem Interessenten ISDN-Anschlüsse zur Verfügung gestellt werden. In den neuen Bundesländern wollte die Telekom noch bis Ende 1991 erste ISDN-Anschlüsse in 37 Orten anbieten. 1995 soll auch hier eine Flächendeckung erreicht sein.

Damit ist der bundesweiten Ausweitung der Agentur der Weg geebnet - und auch der internationalen Kooperation mit Außenstellen und Partneragenturen steht nichts mehr im Wege. Ab Oktober kommunizieren die Hamburger mit einem Partner in Paris, ein Monat später soll die Standbildübertragung mit einer Wiener Agentur stehen.

Im ISDN kann derzeit schon mit den USA, Großbritannien, Frankreich Japan und den Niederlanden kommuniziert werden. Ende 1991 standen die ISDN-Verbindungen mit Italien, Dänemark, Belgien, Hongkong und der Schweiz. Damit eröffnet die digitale Kommunikationstechnik international eine Fülle neuer Perspektiven: Ob Textilmuster aus Tokio, Pressefotos aus Rom oder Bilder von Kunstobjekten einer Auktion in London, in Sekunden können entsprechende Standbilder übermittelt, ausgetauscht und bei Empfängern mit angeschlossenem Farbdrukker auf Papier gebracht werden.

Dabei spart das universelle Netz nicht nur Zeit, sondern auch Geld. ISDN befördert beispielsweise ein Fax innerhalb von zehn statt wie bisher 60 Sekunden zum Adressaten. Bei größeren Übertragungsmengen rentiert sich ein ISDN-Anschluß unter Umständen sehr schnell, auch wenn er 74 Mark Grundgebühr pro Monat kostet. Das gilt besonders bei der Nutzung mehrerer Telekom-Dienste. Schließlich verfügt jeder ISDN-Anschluß über zwei parallel nutzbare Kanäle, so daß von Telefax, Telefon, Bildschirmtext, Teletex und den anderen Telekom-Diensten zwei gleichzeitig genutzt werden können. Außerdem können bis zu acht Endgeräte an einem ISDN-Anschluß betrieben werden.

Anfragen direkt an die Zentrale möglich

Das Projekt "Standbildübertragung bei der Casting Company" ist nur ein Beispiel für die Leistungsfähigkeit von ISDN. Insbesondere bei Anwendungen mit dem PC eröffnet das ISDN für viele Unternehmen preiswerte Lösungen in den Bereichen Organisation, Logistik und Informationsfluß, denn die Kommunikation im digitalen Netz beschränkt sich keineswegs auf den unternehmensinternen Datenaustausch. So bietet die Hamburger Agentur die zentrale Datenbank mit Modellen auch außerhalb des eigenen Hauses an.

Großkunden sollen ebenfalls mit der erforderlichen Hard- und Software ausgerüstet werden und können dann ihre Anfragen direkt an die Zentrale Bilddatenbank richten. Die Bilder erscheinen direkt auf dem Bildschirm des Kunden.

Keine Qualitätseinbußen bei der ISDN-Übertragung

Die Qualität der Fotos bleibt durch die Übermittlung per ISDN unverändert. Die Bildauflösung kann beliebig genau von den Nutzern bestimmt werden. Je exakter das Bild beim Adressaten ankommen soll, desto größer ist die zu übermittelnde Datenmenge und damit die Übertragungszeit. Da ein Bildpunkt mit acht Bit codiert ist, können im ISDN 8000 Bildpunkte pro Sekunde übertragen werden. Selbst ein hochauflösendes Farbfoto, das in einwandfreier Druckqualität ankommen muß, braucht nicht mehr als zehn bis 15 Sekunden.

Gerade die Möglichkeit, ohne Qualitätsverlust Bilder schnell zu übertragen, nutzen Presseagenturen und Rundfunkanstalten.

So arbeitet die ARD-Tagesschau mit der ISDN-Bildübertragung, um ihren Aktualitäts-Service mit brandneuen Bildern in Sendequalität zu optimieren.

Auch das Bundeskriminalamt plant den Einsatz von ISDN. Fingerabdrücke sollen in Zukunft schnell und exakt mit der neuen Form der Bildübertragung zu den Landeskriminalämtern und Polizeidienststellen gelangen.