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13.05.1988 - 

Deutsche Telecom dringt auf massive Nachbesserungen

ISDN: Großanwender machen Front gegen Post

OVERATH/DÜSSELDORF (cmd) - Mit einer Deutlichkelt, die nichts zu wünschen übrig läßt, gehen die in der Deutschen Telecom e.V. organisierten Großanwender mit der Bundespost ins Gericht: Sie fordern eine grundsätzliche Neuausrichtung der bisherigen ISDN-Strategie, da ansonsten ein noch schlimmerer Flop als bei Bildschirmtext vorprogrammiert sei.

In einem soeben veröffentlichten Positionspapier mit dem Titel "Anwenderforderungen zum Einsatz von ISDN-Anlagen zur Verbesserung der Telekommunikation in der Bundesrepublik Deutschland" präsentiert die Telecom ihre Sicht der ISDN-Dinge. Die darin enthaltenen zwei Empfehlungen und sechs Forderungen (siehe Kasten) bedeuten im Klartext nicht mehr und nicht weniger als eine Erschütterung der Grundfesten bisheriger offizieller ISDN-Politik. "Die Bundespost muß von einigen monopolistischen Gedanken abrücken, denn sonst wird der Markt gegen sie entscheiden", meint Horst Schäfers, Chairman des ISDN-Arbeitskreises der Deutschen Telecom und im Hauptberuf bei der Westdeutschen Landesbank in Düsseldorf verantwortlich für Kommunikation.

Als Forum für ihre Kritik nutzten Schäfers und seine Anwenderkollegen ein Treffen des FTZ-Ausschusses für TK-Anlagen am 22. April, an dem neben der Bundespost auch die Hersteller von ISDN-Equipment teilnahmen .

Unmittelbarer Anlaß waren dabei die geplanten Zulassungsvorschriften für ISDN-Nebenstellenanlagen (siehe CW Nr. 19 vom 6. Mai 1988, Seite 1: "ZVEI kritisiert ISDN-TK-Kriterien"). Hersteller wie Anwender demonstrierten Einigkeit und befanden, daß das, was die Post anbieten will, vor allem aus zwei Gründen völlig am Bedarf des Marktes vorbeigeht: Zum einen ist die Vierdraht-Schnittstelle So technisch unzulänglich und erfordert einen gewaltigen zusätzlichen Verkabelungsaufwand in den Unternehmen, zum anderen ist DKZN1 "ein rein deutscher FTZ-Standard" und kein internationaler, wie das Haus Schwarz-Schilling versucht, glauben zu machen.

Um der Post die geballte Macht der Großanwender-Gemeinde vor Augen zu führen, entwarf Schäfers das folgende Szenario: Die Post berufe sich zwar immer auf die rund 27 Millionen Fernsprechkunden, doch sei die Frage erlaubt, wie viele davon bei den Grundpreisen ISDN tatsächlich haben wollten. Folglich könne man nur Großanwender gewinnen, die den Mehrnutzen von ISDN auch realisieren könnten; wenn diesen nun aber seitens der Post gerade besagter Mehrnutzen, der hauptsächlich im Datenbereich liegt, durch Gebühren oder technische Einschränkungen wieder abgegraben werde, und sie nicht machen könnten, was sie wollten, sei ISDN uninteressant. Dann, so der Telecom-Mann, "wird sich der gesamte ISDN-Nutzen nur noch inhouse abspielen, und die Bundespost ist außen vor: Wir lassen das Telefon, wo es ist, und betreiben die Datenverarbeitung separat - mit der Folge, daß die Post eine doppelte Infrastruktur zur Verfügung stellen muß."

Diese Horrorvision, verbunden mit den Attacken der Hersteller gegen die geplanten Zulassungsvorschriften für ISDN-TK-Anlagen, verfehlte die beabsichtigte Wirkung nicht. Nun wollen sich alle Beteiligten in einem neuen Arbeitskreis nochmals zusammensetzen und versuchen, einen Kompromiß herbeizuführen. Die Liste der Tagesordnungspunkte ist dabei lang: Sie umfaßt die Schnittstellen und Protokolle von TK-Anlagen auf der Teilnehmeranschlußseite (So und/oder Upo sowie DKZN1 versus DKZN2), die Teilung des Referenzpunktes NT in NT1 und NT2 den Anschluß außenliegender Nebenstellen über Upo, die Ausstattung von Datenendgeräten mit der Upo-Schnittstelle, austauschbare beziehungsweise nachladbare NTs für ISDN Endgeräte (ein Vorschlag, den Nixdorf in das Anwendergremium hineingetragen hat und der auf große Zustimmung stieß) sowie, last but not least, günstigere Gebühren für digitale Festanschlüsse.

Alles in allem ist die Deutsche Telecom optimistisch, ihre Forderungen durchzusetzen, zumal sie auch mit politischem Rückenwind rechnen kann. So verweist Schäfers auf ein Papier, in dem der Bundesrat den Bundestag Aber die "Grünbuch"-Initiative der EG-Kommission unterrichtet und dazu auffordert, im Rahmen der weiteren Verhandlungen Standpunkte wie die Deutsche Telecom zu vertreten, beispielsweise in puncto Trennung des NT.

Empfehlungen (E) und Forderungen (F) des Arbeitskreises IDSN der Deutschen Telecom e.V.

E1 Der Deutschen Bundespost wird empfohlen, am Hauptanschluß neben der "So"-Schnittstelle wahlweise auch eine "U"- F3 Schnittstelle für den Teilnehmer zur Verfügung zu stellen. (Reference-Punkt NT1 wahlweise an der Leitung oder im Endgerät zulassen).

E2 Bis zu Beginn der Phase 2 der ISDN-Einführung (ca. 1992) empfehlen wir der Deutschen Bundespost und den Herstellern, sich auf eine einheitliche "U"-Schnittstelle zu einigen. Nur dies kann zu der geforderten Kompatibilität der Endgeräte an Hauptanschlüssen und Nebenstellenanlagen führen (die Teilung des Reference-Punktes "NT" in "NT1" und "NT2" ist erforderlich.

F1 Die Hersteller sollten die von ihnen selbst vorgeschlagene Schnittstelle "Upo" so schnell wie möglich auf dem Markt verfügbar machen.

F2 An außenliegenden Nebenstellen (Festanschlüsse mit digitalem Anschaltepunkt) muß dem Teilnehmer von der Deutschen Bundespost die U-Schnittstelle als Anschaltepunkt zur Verfügung gestellt werden. Dieses ist aus wirtschaftlichen Gründen unumgänglich. (Auch die DBP sollte die "Upo" in der Phase 1 der ISDN-Einführung anbieten.)

F3 Die Hersteller werden aufgefordert, auch an Datenendgeräten die "Upo"-Schnittstelle anzubieten (der Übergabepunkt T muß dabei im Endgerät liegen).

F4 Die Deutsche Bundespost wird aufgefordert, den "NT" entsprechend CCITT in einen "NT1" und "NT2" zu teilen, um wirtschaftliche Lösungen zu ermöglichen. Eine zwangsweise Zusammenlegung von "NT1" und "NT2" schränkt die Möglichkeit der Implementierung neuer Anwendungen und neuer Dienste unnötig ein.

F5 Die Gebühren für digitale Festanschlüsse müssen kostenmäßig den analogen angepaßt werden. Die in der TKO bereits festgelegten vierfachen Gebühren von digitalen Festanschlüssen im Ortsbereich gegenüber analogen werden von den Anwendern als Abschreckungspreis angesehen.

F6 In Endgeräten für das ISDN-Netz sollten durch steckbare Module die jeweils erforderlichen Schnittstollen austauschbar sein.