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29.03.1985 - 

"Löst hier ein Papiertiger den anderen ab?"

ISDN - Herausforderung für LAN-Propheten

1982: Lokale Netze stehen in ihrer vollen Blüte. Marktbeobachter, Kongreßveranstalter und Podiumsdiskutanten übertreffen sich in ihren Prognosen. Im Kabelsalat des Büros von morgen zeichnen sie beeindruckende Perspektiven für lokale Netze (LAN). Indes kümmert dies den Markt nur wenig. Der breite Erfolg beim Anwender blieb aus.

Mittlerweile spricht kaum jemand noch vom LAN, ein neues Schlagwort beherrscht die Szenerie: ISDN. Das Integrated Services Digital Network wird die Kommunikation auf Basis des vorhandenen Fernsprechnetzes ermöglichen und die bislang getrennten Dienste für Sprache Text, Daten und Bild integrieren. Der Zeithorizont ist langfristig ausgelegt. Zwar werden schon im nächsten Jahr die ersten Installationen in Karlsruhe und Stuttgart unternommen. Die eigentliche Startphase liegt jedoch nach derzeitigen Postplänen in 1988.

Mutmaßungen scheinen angebracht. Löst hier wohl ein Papiertiger den anderen ab? Mitnichten. Den LAN-Konzepten der vergangenen Jahre fehlten die Marktstandards. Der mutige Vorstoß einiger Anbieter war bar jeder Rückendeckung. Weder die Deutsche Bundespost im öffentlichen Bereich noch die Weltmarktführer in der Computertechnik waren bereit, durch klare Aussagen einen Trend vorzuzeichnen. Kein Wunder also, daß sich die Anwender zurückhielten. Waren sie doch durch Erfahrungen schlau geworden: Zu oft schon hatten die Ankündigungen einiger Hersteller und Anbieter den tatsächliche Leistungsumfang einer Lösung überspielt. Zu oft blieb der Nutzen hinter den Erwartungen zurück. So blieb die Spielwiese der Innovation im unternehmerischen Inhouse-Bereich bis zuletzt ein unbestelltes Feld.

Heute sieht die Sache mit ISDN ganz anders aus. Mit der Verabschiedung der CCITT-Norm (Internationales Normungsgremium - Comite Consultarif International Telegraphique et Telephonique) für die Teilnehmerschnittstelle im Herbst 1984 fiel der Startschuß. Die Vereinheitlichung gewährleistet, daß Investitionen der Anwender und Hersteller langfristig nutzbar bleiben. Mit ihrem klaren Zeitplan bietet die Bundespost Planungssicherheit - für Anbieter und Anwender von kommunikationstechnischem Gerät ein innovationsfördernder Faktor.

Ankündigungen überschlagen sich

Die Folgen bleiben nicht aus. Die Ankündigungen überschlagen sich: Zumindest einige Hersteller werden zur Hannover-Messe mit ISDN-fähigen Nebenstellenanlagen und Terminals aufwarten. ISDN bietet die Chance, die Benutzerwelt in der Bürolandschaft nachhaltig zu ändern. Darüber hinaus bietet ISDN allen Anwendern immense Vorteile. Die lange propagierte "Open World", die offene Systemlandschaft mit Geräten unterschiedlicher Hersteller in einem Netz, kann zur Realität werden: über die normierte ISDN-Schnittstelle kompatibel und mit der ISDN-Kommunikationsanlage als Zentrum betrieblicher Kommunikation (siehe Grafik).

So kann die Frage nach dem Sinn lokaler Netze kurz beantwortet werden. Die kostenintensive Neuverkabelung in Koax-Technologie ist nur in Spezialbereichen gerechtfertigt- beispielsweise in der Produktionsautomation oder im CAD/CAM-Bereich. Mit 2 x 64-KBit-Nutzkanälen und seinem 16-KBit-Steuerkanal ist ISDN jedoch für alle kommerziellen Büroanwendungen - mit Ausnahme der Bewegtbildübertragung - die wirtschaftliche und zukunftsträchtige Alternative. Zumal durch den Aufbau auf das vorhandene Fernsprechnetz von vornherein die wichtigste Komponente menschlicher Kommunikation integriert ist: die Sprache.

*Bernd Stehle ist bei der Frankfurter Telenorma (bisher Telefonbau und Normalzeit) als Bereichsleiter Datensysteme für die Text- und Datenakivitäten des Unternehmens zuständig.