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27.07.1990 - 

Unternehmen beschränken sich im TK-Bereich bisher nur auf Sprache

ISDN muß den Nachweis der Integration noch erbringen

Die an die nichtsprachliche Kommunikation gestellten Anforderungen an ISDN müssen konkreter formuliert werden, als dies gegenwärtig durch Hersteller und Anbieter geschieht. Obwohl die Server-Funktionalitäten für den Non-Voice-Bereich definiert sind, existiert überall ein massives ISDN-Planungsdefizit. Im letzten Teil der ISDN-Serie legt der Autor Herbert Pöhls* Kriterien für die Integration fest.

Die durch den Begriff ISDN sehr pauschal beschriebene Integration der Kommunikationsformen Sprache, Texte, Daten und Bilder (Grafiken) ist viel mehr als nur eine Ergänzung im Bereich der postalischen Dienste. Weit über derartige Leistungsmerkmale hinaus sind durch Bereitstellung applikationsbezogener Software die Komfortmerkmale, die erst die Einführung von ISDN rechtfertigen, für einen breiten Einsatz nutzbar zu machen.

Diese Bereitstellung hat einerseits durch Neuentwicklungen zu erfolgen, andererseits durch die Anpassung des unüberschaubaren Angebotes bereits bestehender "alter" Text-, Daten- und Grafikanwendungen an das jetzige ISDN. Keineswegs liegt die Lösung darin, in bestehende Organisationen lediglich neue TK-Anlagen und Endgeräte einzuführen. Im härter werdenden Wettbewerb können sich nur Integrationslösungen behaupten, die sich in das vorhandene Informations- und Kommunikationsumfeld reibungslos einfügen lassen.

Im Inhouse-Betrieb muß sich ISDN noch bewähren

Dabei wird sich erweisen, daß häufig eine vollständige Einbindung von ISDN-Anlagen in eine bestehende Non-Voice-Umgebung nicht zu erzielen ist, denn gegenwärtig gestaltet sich die Kommunikationssituation in den bundesdeutschen Unternehmen so, daß die der TK-Anlage übertragenen Kommunikationsformen auf die sprachliche Kommunikation und den Dienstezugang (Telex, Teletex, Fax, Btx, Mailboxen) beschränkt bleibt.

Den Nachweis für eine weitergehende Integrationsfähigkeit hat ISDN, insbesondere für Inhouse-Anwendungen, noch zu erbringen, wobei die Ausgangslage zur Schaffung einer leistungsfähigen IuK-Infrastruktur sehr branchen- und unternehmensspezifisch ist. Sicher ist aber, daß sich der repräsentative und ISDN-prädestinierte Bereich der Büroautomation wegen seiner erheblichen horizontalen Einsatzbreite insgesamt verstärkt hat und erheblich höhere Vor-Investitionen durch Hersteller und Anbieter als bisher erfordert.

Die beispielsweise im Bürobereich auftretenden Trends sind von den Telecom- und IV-Herstellern jeweils und auf bestimmten Gebieten gemeinsam in einer Produktfindungs-Strategie Management-mäßig zu kanalisieren, wobei für eine erste Markteingrenzung die unten folgende Zusammenstellung gelten kann.

Erst in zweiter Linie ist dann zu beantworten, welche dieser Leistungsanforderungen überhaupt geeignet sind, in ISDN-Lösungen überführt zu werden.

Neue Produkte sollen auf Standards basieren

Eine gleiche Vorgehensweise bietet sich für die weiteren ISDN-relevanten Bereiche, wie zum Beispiel CAD/CAM, Pointof-Sales-Systeme, branchenspezifische Informations- und Expertensysteme und für Substitutionsanwendungen, an. Reale Produktentwicklungen müssen dann die ISDN-Kommunikationsvoraussetzungen von genormten Standardisierungsvorschriften in Verbindung mit Protokollen, Verarbeitungsalgorithmen und leistungsfähigen adaptierten Servern erfüllen.

Als Grundlage für eine zukunftsweisende und innovative Produktfindungs-Strategie kann am Beispiel der integrierten Bürokommunikation unter dem Gesichtspunkt des heute Machbaren und der von den Anwendern geforderten Leistungsmerkmale folgender Anforderungskatalog gelten:

1. Grundfunktion der Dokumentenerstellung, wie elektronische Post und elektronische Ablage, wobei die integrierte Grafik, übersichtliche Darstellung in Dokumenten, Herstellung von Präsentationsunterlagen und Desktop-Publishing eine wesentliche Rolle spielen:

Grafiken kommen zur Visualisierung von Daten und zur Verknüpfung von Texten immer häufiger auch im normalen Berichtswesen zum Einsatz; leistungsfähige Desktop-Publishing-Systeme am Arbeitsplatz des Bearbeiters, aber zunehmend auch im Grafik-Center mit hochauflösenden Ausgabegeräten, sind in das Kommunikationsnetz zu integrieren;

- eine personen-, nicht eine bei Fernschreibern übliche gerätebezogene, elektronische Übermittlung von Dokumenten gemäß der X.400-Norm der OSI (Open Systems Interconnection) zwischen nationalen und internationalen Partnern zum elektronischen Austausch von Handelsdaten (Electronic-Data-Interchange, EDI); EDI wird das Erstellen, Versenden und Empfangen von Handels-Basisdokumenten zwischen den unterschiedlichsten TK- und IV-Anlagen (Hardware) wie auch zwischen völlig unterschiedlichen Anwendungssystemen (Software) ermöglichen;

2. Entlastung der Inhouse-Hosts durch Personal Computer sowie durch spezielle und leistungsfähige Bürokommunikations-Systeme:

Übermittlung von Text und Daten durch das Bürokommunikations-System beziehungsweise PCs über das öffentliche Fernsprechnetz mittels Kommunikationsserver, Modemstrecke und/ oder ISDN-Telecom-Anlage;

direkten Zugang über das BK-System/PC zu den Diensten der Deutschen Bundespost;

eingehende Telexe oder Teletex-Briefe sind zentral auf einen Empfangsplatz und von dort an den Arbeitsplatz des Empfängers zu leiten;

Telefax und Textfax als Basiskommunikations-Medium für vorliegende Dokumente und Text- oder Grafikdokumente im Entwurfsstadium;

3. Sporadischer Abruf von Daten von einem Zentralrechner über unintelligente Terminals;

4. Zugriff auf den Host über BK-System/PC, zum Beispiel mittels einer 3270-Emulation;

5. Vernetzung und Integration von PCs und ihrer leistungsfähigen Software für Textverarbeitung, Datei-Management, Datenbankabfragen und Terminplanung innerhalb der Abteilungen im Local Area Network (zum Beispiel Ethernet-Standard CSMA/CD):

Integration einzelner PCs in das Netz des BK-Systems, um somit Inhouse-Datenaustausch zu ermöglichen;

Vernetzung von PC-Netzen über ISDN, Gateway oder Bridge mit dem Netz des BK-Systems zum Austausch von Dateien, für Textverarbeitung, Datenverwaltung, Grafikerstellung und -bearbeitung;

6. Zugriff vom BK-System und von kommunikationsfähigen PC auf externe Datenbanken über Datex-P sowie Übernahme der Daten in den Datenbestand der Anwendungen;

7. Digitale ISDN-Kommunikationsanlagen zur flächendeckenden Unterstützung der internen und einer wachsenden Anzahl nach außen gerichteter Kommunikationsformen:

ISDN-Schmalband-Dienste Btx, Teletex, Fax;

ISDN-Breitband-Datentransport wegen hoher Datenübertragungsrate besonders für Transport von Rechenzentrums-Leistungen;

Video-Konferenzen über das öffentliche Netz der Deutschen Bundespost Telekom sind bei Multipoint-Verbindungen zu realisieren;

8. Neben dem reinen Integrationseffekt wird die Einführung von ISDN zur Nutzung einer Vielzahl - aber derzeit noch nicht vorhandener Anwendungslösungen - führen, von denen einige wiederum das neue

Leistungsmerkmal "Routing-Optmierung" durch die Kommunikationsanlage erfordern.

Diese exemplarisch aufgeführten Anforderungen an IuK-Systeme sind prinzipiell den Anwendern standardisiert, bei technischer und organisatorischer Eignung auch für ISDN-Anwendungen anzubieten. Anhand der in Teil 2 dieser Serie vorgenommenen Server-Definition und -klassifikation sind sie strukturierbar. Die daraus abzuleitenden Maßnahmen für eine zielgerichtete Umsetzung von Non-Voice-Server-Funktionalitäten sind gemäß der unten vorgelegten Rangfolge in jeder strategischen Herstellerplanung einer Nutzwert- und/oder Kosten-Nutzen-Analyse zu unterziehen. Die Alternativen mit den größten Nutzwerten werden allen anderen vorzuziehen sein.

Benutzerorientierte

Server-Funktionen:

Hier ist die Präferenz für jeden Anwendungsfall gesondert zu prüfen. Vorrang vor neuen Anwendungslösungen hat die Integration bereits vermarkteter Anwendungen (analog, digital); diese haben, sofern vom Markt weiter nachgefragt, grundsätzlich höchste Priorität.

Transportorientierte

Server-Funktionen

Da diese Funktionen eingebettet in die ISDN-Dienste und somit ISDN-immanent sind,

wird ihre Verfügbarkeit vom Anwender und der Deutschen Bundespost Telekom in der Regel als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt; sie haben daher in der Verfügbarkeitsforderung grundsätzlich die höchste Priorität, auch wenn Teilaspekte durchaus die 2. Priorität erhalten könnten.

Anlagenorientierte

Server-Funktionen:

Hier ist ebenfalls die Präferenz für jeden Einzelfall gesondert zu prüfen.

Auch wenn heute bereits in Ausschreibungen nach TK-anlageninternen Server-Lösungen gefragt wird, die Telecom-Hersteller selbst setzen die Präferenz hoch an. Denn im Zusammenhang mit der technischen Notwendigkeit, TK-anlageninterne Leistungen auf adaptierte Server zu verlagern, haben diese Server mit Sicherheit höchste Priorität in der Verfügbarkeit.

So ist beispielsweise ein Management- oder Verwaltungs-Server aus Anwendersicht zwar ein nicht unwesentlicher Maßstab für die Beurteilung der Leistungsfähigkeit eines TK-Herstellers, ein Kaufbedürfnis besteht für den Kunden aber nur bedingt Berücksichtigt man jedoch die herstellerinterne konzeptionelle Richtungsweisung und den innovativen Lerneffekt durch die Realisierung derartigen Non-Voice-Server, so sind auch ihnen die höchste Priorität einzuräumen.

Die Verfügbarkeitspräferenz nach ISDN-Non-Voice-Leistungen beziehungsweise -Produkten ist danach in aller Regel hoch anzusetzen. Würde heute eine plötzlich einsetzende Nachfrage am Markt entstehen, kämen auf Hersteller und Anbieter erhebliche Entwicklungs- und Produktionsanforderungen zu.

Natürlich ist diese den Stand der Technik repräsentierende und den Anspruch auf Allgemeingültigkeit erhebende Zusammenstellung der heute umsetzbaren Kommunikationsanforderungen nicht statisch, sondern im Rahmen eines Gesamtkonzeptes aus Hersteller- und Anbieter-, aber auch aus Anwendersicht, dynamisch zu betrachten.

Dabei wird sich erweisen, daß bei einer schrittweisen Realisierung diejenigen Organisationen auf dem Gebiet der Bürokommunikation am weitesten fortschreiten werden, die gerade das einsetzen, was ohne großes Risiko machbar und in das spezielle Gesamtkonzept des Anwenders integrierbar ist.

Die TK-Anbieter müssen durch qualifizierte Organisationsberatung ihrer potentiellen Kunden in Anlehnung an bestimmte Basiskriterien für jeden einzelnen Unternehmensbereich die Informations- und Kommunikationsbedürfnisse analysieren und gegebenenfalls als zusätzliche Dienstleistung anbieten. Ein widerspruchsfreies Konzept kann dann sukzessive auf dem Vorhandenen aufbauen und gezielt in umfassendere Lösungen umgesetzt werden.

Zwischen zwei Polen bewegt man sich in dem hier besprochenen Bereich: Selbstverständlich haben sich (fast) alle unternehmerischen Herstelleraktivitäten dem Primat des "Verkaufens" unterzuordnen, denn letztendlich entstehen da die Umsätze und die Gewinne von heute; die Gewinner von morgen werden aber bestimmt durch "Strategie und Planung" von Produkten, so daß "Verkaufen" und "Marketing" auf keinen Fall gegensätzlich, sondern harmonisch aufeinander abzustimmen sind. Wenn in der Praxis aufgrund oft hektischer Tagesgeschäfte wegen anderer spezifischer Prioritäten von einer Mittel- bis Langfrist-Strategie im Non-Voice-Bereich temporär abgewichen wird - auch gut.

Es muß nur immer wieder zu einem durch den kleinsten gemeinsamen Nenner geprägten Grundkonsens zwischen "Vertrieb" einerseits und "Entwicklung" andererseits führen. Hier den planvoll steuernden Einfluß auszuüben, obliegt einem offensiven Marketing.