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06.07.1990 - 

Digitales Netz wird an Spezialdiensten der Datenverarbeitung gemessen

ISDN: Nutzer und Anbieter sitzen die Entwicklung aus

ISDN eröffnet Perspektiven für Hersteller und Anwender gleichermaßen. Aber trotz großer Anstrengungen von seiten der Bundespost und der EG ist vorerst kein Durchbruch in Sicht. Grund: TK-Hersteller und potentielle Anwender üben sich in gegenseitigem Abwarten. Herbert Pöhls* analysiert im ersten Teil seiner ISDN-Serie die Probleme und sucht nach Lösungen.

Beim gegenwärtig im Aufbau befindlichen öffentlichen und privaten ISDN mit digitaler Informationsübertragung wird technisch nicht mehr zwischen Sprache und Nicht-Sprache unterschieden. Diese Technik der Informationsübermittlung unter Einsatz von Mikroprozessoren eröffnet den TK-Herstellern große Wachstumsperspektiven, wenn es ihnen gelingt, durch einen Generationenwechsel ihrer TK-Anlagen und -Endgeräte den Nutzungsdurchbruch für ISDN zu schaffen.

Gegenwärtig herrscht am Markt jedoch eine sogenannte Umkehrsituation vor, denn die geringe ISDN-Akzeptanz der Anwender hält die Hersteller von Neuentwicklungen ab. Fehlende Produkte wiederum, vorzugsweise im Non-Voice-Bereich, blockieren ihrerseits den breiten ISDN-Nutzungsdurchbruch. Zwar hat 1986 die EG-Kommission die frühzeitige und flächendeckende Einführung des digitalen Netzes innerhalb der Gemeinschaft als eine der wichtigsten Infrastruktur-Aufgaben zur Realisierung des Binnenmarktes empfohlen, von einem ISDN-Aufschwung kann aber trotz des immensen politischen Aufwandes bis heute keine Rede sein.

Die Hauptziele der Bundesregierung zur Einführung von ISDN, nämlich

- die Einführung der Schnittstellen S, und S2M, um die Voraussetzung für einen einheitlichen Endgerätemarkt am Basisanschluß zu schaffen,

- die zeitliche Koordinierung des ISDN-Ausbaus,

- die Vereinheitlichung der Strategie in bezug auf das Nutzerpotential (Kundengruppen) von ISDN und die zeitlichen Reihenfolge der Einführung sowie

- der angebotsorientierte, möglichst flächendeckende Netzausbau

wurden in der Bundesrepublik in der neuen Telekommunikationsordnung festgeschrieben.

Investitionsvolumen: eine Billion Mark im Jahr

Auch neuesten Schätzungen zufolge wird weltweit das zu erwartende Investitionsvolumen der Informationstechnik bei rund einer Billion Mark pro Jahr liegen, wobei der größte Anteil mit 40 Prozent des Marktes auf Informationsverarbeitung entfällt, gefolgt von rund 23 Prozent für die TK-Technik.

Die bundesdeutsche Telecom- Industrie kann an diesem Wachstumspotential aber nur dann partizipieren, wenn zusätzlich zu den politischen Grundlagen für die Träger-, Tele- und Zusatzdienste des Netzbetreibers Deutsche Bundespost Telekom Hersteller, Systemhäuser, Beratungsunternehmen sowie Benutzer Anwendungslösungen schaffen.

Die beschriebene strukturelle Situation erfordert eine Telecom-Neuorientierung unter besonderer Berücksichtigung der Interdependenzen zwischen dem Produktangebot der Systemanbieter und den Bedürfnissen der Systemanwender. Grund: Die neuen IUK-Techniken sowie integrierte Dienste liefern nur zusammen mit Anwendungslösungen den Nutzern neue Marktchancen, wobei der Schwerpunkt nicht unbedingt in der Rationalisierung der Verwaltungs- und Organisationsvorgänge, sondern in erster Linie im

- Nutzen durch besser Wettbewerbsfähigkeit,

- höhere Personalproduktivität und Management-Effektivität sowie

- verbessertem Kundendienst liegt.

Zu diesem Ergebnis kommt das "Betriebswirtschaftliche Institut für Organisation und Automation" an der Universität Köln, das zu diesem Thema eine Untersuchung betrieben hat. Dabei haben die Nutzen-Erwartungen im Vergleich zu früheren Jahren bezüglich der Wettbewerbsfaktoren viel stärker zugenommen als im Hinblick auf Produktivität und Wirtschaftlichkeit. Das zwingt alle IuK-bezogenen Unternehmen zu einer Umorientierung ihrer strategischen Unternehmensplanung.

Als wichtigste Entwicklung im Bereich der luK-Technik sehen 68 Prozent der 165 befragten deutschen Großunternehmen die Büroautomation sowie die branchenspezifischen Techniken CAD/CAM und Point-of-Sales-Systeme. Es folgen dann

- Informationssysteme für Führungsentscheidungen,

- Expertensysteme und der

- Ersatz veralteter Systeme und Programme.

Es überrascht nicht, daß der integrierten Bürokommunikation positive Wachstumsaussichten prophezeit werden. Im Widerspruch dazu steht jedoch die gegenwärtig fehlende Anwenderdynamik bei der Planung, dem Ausbau und der Einführung von ISDN. Einer Infratest-Umfrage bei kleineren und mittleren Unternehmen in der Bundesrepublik zufolge beabsichtigen nur 25 Prozent der Befragten, ihre Bürokommunikation auf ISDN abzustimmen. Ausschlaggebend hierfür ist die Unsicherheit der künftigen Bürokommunikations-Infrastruktur in den Unternehmen. Leistungsfähigkeit und Kosten von ISDN müssen sich immer wieder dem Vergleich mit bestehenden Spezialdiensten im Datenverkehr stellen.

Ferner hat die tatsächliche Nutzungskenntnis und Wirtschaftlichkeit von ISDN einen wesentlichen Einfluß auf die Planung des Anwenders. Ob die Nachfrage nach ISDN-Systemen weiterhin gebremst bleibt oder nicht, hängt neben der Flächendeckung und der Markteinführung von ISDN-Endgeräten vor allem davon ab, ob mit den neuen TK-Systemen dem professionellen Nutzer

- klare Konzepte und

- praktikable Einführungsstrategien

wirtschaftlich und zukunftssicher angeboten werden, das heißt, daß sich getätigte Investitionen für den Anwender amortisieren müssen. Um ISDN zum Durchbruch zu verhelfen, sind deshalb neben dem öffentlichen Netzträger Deutsche Bundespost Telekom die Systemanbieter sowie -anwender selbst und gemeinschaftlich gefordert.

Auch wenn die TK-Hersteller ihre Umsätze heute überwiegend mit Voice-Systemen erzielen, ist die zu beobachtende thematische Vernachlässigung der Non-Voice-Kommunikation nicht akzeptabel.

Dabei haben sich Hersteller, deren derzeitige Entwicklungs- und Vertriebsstruktur eine klare, aber konventionelle Trennung zwischen TK und IV aufweist, den neuen ISDN-immanenten Herausforderungen besonders zu stellen. (wird fortgesetzt)