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14.04.1989 - 

Anwender und Industrie erteilen S, im Nebenstellenbereich überwiegend eine Absage

ISDN: Optionen sichern die Schnittstellen-Zukunft

"Der Anwender sollte heute ungestört auf der gegebenen Basis planen", empfiehlt Otto Schröter, selbständiger Berater für Kommunikationstechnik. Schröter hat recht, wenn er zum Weg des geringsten Widerstandes rät, denn die Rede ist vom heillosen Durcheinander bei ISDN-Schnittstellen im Bereich von TK-Anlagen und Endgeräten. Seit Jahren steht für Unternehmen mit TK-Systemen nur eines fest: Sie sind an die spezifischen und Protokolle der Hersteller gebunden . Ansonsten haben Streit und Verwirrung die Szene bestimmt. In den Haaren lagen sich die Bundespost mit dem ZWEI und der Deutschen Telecom. Die hatten der Bundespost einen Strich durch ihre S(o)-Rechnung gemacht. Folge: Die S(o) muß die Schnittstellen U(po) und U(ko) neben sich dulden. Im Wettstreit mit den Herstellernormen buhlen diese Schnittstellen nun um die Gunst des Anwenders. Der darf die Protokolle nicht vergessen, legt er Wert auf Kompatibilität. insgesamt eine Situation, die den Ruf nach Standardisierung laut werden läßt.

"Ich möchte mich endlich einmal frei auf dem Endgerätemarkt bewegen können", äußert Eberhard Zübner seinen Wunsch mit Blick auf die hausinterne ISDN-Anlage. Zübner, bei den Berliner Wasserbetrieben für den Bereich Nachrichtentechnik zuständig, wird sich mindestens noch bis Ende des Jahres gedulden müssen, obwohl er den Wunsch schon seit 1986 hegt. Damals hatten die Wasserbetriebe ihre TK-Anlage installiert, weil es, so Zübner, "keinen Sinn hatte, auf die Normierung zu warten." Heute, fast Mitte 1989, harrt der ISDN-Experte nach wie vor der Schnittstelle, die ihn bei der Endgeräteauswahl aus der Abhängigkeit vorn Hersteller der TK-Anlage entläßt.

Die Berliner Wasserbetriebe sind kein Einzelfall. Sie repräsentieren zahlreiche Betreiber ISDN-fähiger TK-Anlagen, die derzeit auf Gedeih und Verderb den spezifischen Schnittstellen der Hersteller ausgeliefert sind. "Wer gute Zentraleinheiten baut, muß aber nicht automatisch der beste Hersteller ergonomischer, funktionell guter und schöner Endgeräte sein," sagt Dietmar Kuschel, bei der Lufthansa AG in der Abteilung Planung Informationstechnik für digitale Nebenstellenanlagen verantwortlich.

Hoffnung, in absehbarer Zeit auf der Basis einer vernünftig standardisierten Schnittstelle fremde Endgeräte mit umfangreichen Leistungsmerkmalen an die TK-Anlage anschließen zu können, hat Kuschel nicht. Der Planer: "Ich habe den Eindruck, daß die Standardisierungsgremien von den Standards heute weiter entfernt sind als sie es jemals waren." Mit der Chance, einen "Hersteller-Mix" zu betreiben, rechnet Kuschel gar erst Mitte der 90er Jahre.

Darf man den Worten der Hersteller Glauben schenken, gibt es für Pessimismus Ó la Lufthansa kein Grund. Spätestens Mitte nächsten Jahres, so tönt es aus der Herstellerecke, wird für den Nebenstellenbereich die Lösung, schlechthin kommen. Sie heißt U(po), ist eine zweidrähtige Punkt-Punkt-Verbindung mit ISDN-Kanalstruktur und wurde von der Herstellervereinigung ZVEI (Zentralverband Elektrotechnik- und Elektroindustrie) in zähem Kampf gegen die Bundespost durchgeboxt.

Einige Hersteller versprechen die U(po) mit systemübergreifendem Protokoll schon für Ende dieses Jahres. Wie dem auch sei, in der U(po) sehen die Produzenten für den Nebenstellenbereich den Kontrapunkt zur ungeliebten "Post-Schnittstelle" S(o). Diese hat bisher in der Diskussion für den meisten Wirbel gesorgt. Hatte doch der gelbe Riese bis Herbst letzten Jahres gegen den erbitterten Widerstand der Hersteller und Anwender versucht, die S, als allein verbindliche, standardisierte Schnittstelle von der TK-Anlage zu den Endgeräten vorzuschreiben.

Ganz unberechtigt war der Widerstand des ZVEI und der Deutschen Telecom, einer Vereinigung von Anwendern der geschäftlichen Telekommunikation, gegen die S(o) nicht. Sie hat in deren Augen als Schnittstelle im ISDN-Nebenstellenbereich zwei entscheidende Nachteile: Ersten ist die S(o) vierdrähtig und zweitens von geringer Reichweite In der Tat überbrückt die S(o) als Bus mit acht Endgeräten Angaben von Experten zufolge nur eine Entfernung von maximal 150 Meter, als Punkt-zu-Punk-Verbindung bis zu 600 Meter.

Dagegen reicht die U(po), au die sich die Hersteller im ZVEI verständigt haben, je nach Leitungsqualität drei bis vier Kilometer weit. Ein weiterer Vorteil der U(po): Sie ist eine Zweidraht-Schnittstelle, die den Verkabelungsaufwand des Anwenders, so ihre Befürworte im Gegensatz zur S(o) in Grenzen hält. Hinter der U(po) verbirgt sich aber auch ein wesentlicher Nutzen für die Produzenten. Sie ist leichter und billiger zu produzieren als die ungeliebte S(o).

Aus Sicht der Planer in großen Unternehmen weist der Trend im Bereich der Nebenstellenanlagen klar in Richtung Zweidraht-Schnittstelle. Dafür sprechen zwei Gründe: Zum einen die großen Entfernungen, zum anderen die Tatsache, daß im Nebenstellen reich ein S(o)-Bus mit acht Endgeräten kaum nötig ist. Dazu Berater Schröter: "Im Bereich der Nebenstellen, wo Büroarbeitsplätze die Regel sind, reichen in etwa 90 Prozent Fälle zwei Geräte völlig aus. Eines zum Telefonieren, das andere für Texte und Daten."

Für Horst Schäfers, Referatsleiter Kommunikationstechnik, bei der Westdeutschen Landesbank und Vorsitzender der Deutschen Telecom, hat die S(o) dort Sinn, wo auf begrenztem Raum mehrere Endgeräte angeschlossen werden müssen. "In einem Großunternehmen", so Schäfer, "kann man damit aber nichts anfangen. Dort müßte die Entfernung bis zum S(o)-Bus mit einer U-Schnittstelle überbrückt werden. Die Hersteller bauen deshalb in ihre Endgeräte jetzt schon eine U(po)-Schnittstelle ein, um weitere Endgeräte einfach an diesem Apparat anzuschließen."

Verärgert ist der Telecom-Vorsitzende auch darüber, daß die Post mit zweierlei Maß mißt. Sie überbrückt ihre Strecken mit der an Reichweite stärksten U-Schnittstelle, der U(ko), verlangt aber bei Festverbindungen im Nebenstellenbereich den Übergabepunkt S(o). Unternehmen müßten deshalb, so Schäfers, bei der Anbindung außenliegender Nebenstellen mehrfach eine Konvertierung Schnittstelle vornehmen und dafür auch noch teuer bezahlen.

Den Schwarzen Peter für derzeitig verworrene Situation bei Schnittstellen im ISDN-Nebenstellenbereich sieht der Experte bei der Post. "Hätte sich die Post nicht mit Händen und Füßen gegen die U(po) gewehrt, stünde sie für den Anwender heute längst bereit." Dabei für den User bei U(po), S(o) und herstellerspezifischen Schnittstellen noch nicht Schluß. U-Sektor hat die U(po) noch Konkurrenz durch die U(ko) bekommen. Wegen ihrer Reichweite von acht Kilometern und ihrem Echokompensationsverfahren schielt so mancher Planer hoffnungsvoll nach der U(ko), die einige Hersteller ebenfalls im nächsten Jahr mit dem Protokoll DKZE liefern wollen. Nachteil der U(ko): Sie ist gegenüber der U(po) deutlich teurer weil schwieriger zu produzieren.

Die Zukunft könnte deshalb nach Ansicht von Dieter Bulenz, Berater ISDN im Fachbereich Kommunikationstechnik der SCS Informationstechnik GmbH, mit Blick auf Europa 1992 so aussehen: Im Hauptanschlußmarkt wird die S(o) die europäische Standardschnittstelle sein, im Nebenstellenbereich könnte es die U(po) werden." Das sei jedoch noch Zukunftsmusik, wenn man sich allein im nationalen Bereich die grenzenlose Verwirrung bei den Protokollen vor Augen führe.

"Ohne das zugehörige Protokoll ist jede Schnittstelle ein absoluter Torso", beteuert auch Dieter Steuer, Geschäftsführer der DOK-Systeme GmbH und betont, daß die Schnittstelle lediglich die Schicht 1 festlege, während die Protokolle Schicht 2 und 3 bestimmen. Auf den Layern 2 und 3 werden derzeit fast ausschließlich firmenspezifische Protokolle gefahren. Das wird sich in Kürze ändern. Die Post und der ZVEI haben sich nämlich jüngst national in der FTZ-Richtlinie 12TR7 auf das Protokoll DKZE geeinigt, einer Nachfolgeversion des früheren DKZN 1.

DKZE ist also das Protokoll, auf dem zunächst die Hoffnungen der Anwender ruhen. Die meisten Hersteller werden nämlich, wie bereits erwähnt, zwischen Ende 89 und Mitte 90 die U(po) und U(ko) mit dem Protokoll DKZE auf Schicht 2 und 3 liefern. Die Speichersteuerungen der TK-Anlagen werden dann Schröter zufolge über entsprechende Software-Releases, an denen zur Zeit fieberhaft gearbeitet wird, das Protokoll DKZE realisieren und für die Kompatibilität von Endgeräten verschiedener Hersteller sorgen. Alle Endgeräte, unabhängig davon, welche Physik ihnen zugrunde liegt, werden dann miteinander im Rahmen der in DKZE festgelegten ISDN-Leistungsmerkmale kommunizieren können.

Allerdings favorisieren einige Hersteller bereits das Protokoll DKZN2, weil es, so Steuer, "näher an der erkennbaren internationalen Standardisierung liegt". DKZN2 wird derzeit im ZVEI diskutiert, von der Post aber nicht unterstützt. Es ist auch nicht zu 1 TR6, einer Untermenge von DKZE kompatibel.

Der Anwender wird in Zukunft also die Qual der Wahl zwischen der Schnittstelle und dem Protokoll des Herstellers seiner TK-Anlage und den Schnittstellen U(po), U(ko) sowie S(o) mit dem Protokoll DKZE haben. Er muß dabei eine Entscheidung zwischen Kompatibilität und ISDN-Features treffen, denn momentan stellt sich die Situation in puncto ISDN-Merkmalen bei den Protokollen nach Ansicht des Uni-Assisten Konrad Froitzheim so dar: "Die Post-Protokolle haben auf der Schicht 2 und 3 weniger Leistungsmerkmale als die Protokolle der Hersteller von Nebenstellenanlagen bieten."

Fest steht unterdessen, daß nach dem gescheiterten Alleingang der Post in Sachen S(o) einer Standardisierung der

Schnittstellen für den Bereich von TK-Anlagen zunächst der Riegel vorgeschoben ist. Dabei herrscht bei den von der COMPUTERWOCHE befragten Anwendern fast einhellig der Wunsch nach einer standardisierten Schnittstelle vor. "Wenn es nach den Wünschen des Anwenders geht, ist eine Standardisierung sicher erstrebenswert", meint Dietmar Kuschel, nennt aber im gleichen Atemzug die Nachteile: Die Standardisierung wird immer einen kleinen gemeinsamen Nenner darstellen."

Für eine Normierung an die sich alle Hersteller halten müssen, spricht sich auch Peter Tennert, Leiter der Produktion bei der Datev, aus. Tennert: "Die Hersteller können aber, um sich abzugrenzen, zusätzliche Leistungsmerkmale anbieten, wenn der Kunde das wünscht. Der einzelne Anwender muß sich dann für die spezifische Schnittstelle des Herstellers und gegen die standardisierte Schnittstelle entscheiden."

Nach Ansicht von Gudrun Kohlruss, Sachgebietsleiterin Bereich Informations- und Kommunikationstechnik im Landesarbeitsamt Stuttgart, wird sich im Laufe der Zeit nur eine genormte Schnittstelle behaupten, "denn es ist", so die Expertin, "für den Anwender zu schwierig, auf zu viele Schnittstellen zu reagierend Kohlruss weiter: "ISDN wird sich in der breiten Masse nur durchsetzen, wenn es sowenig Schnittstellen als möglich gibt."

Die Sachgebietsleiterin ist eine der wenigen, Sachen S(o) aus dem Schneider sind. Grund: Im Bereich der Bundesanstalt gelten Planungsrichtlinien, wonach nur mit Vierdraht verkabelt wird. Kohlruss. "Von daher haben wir mit der S(o) keine Probleme". Gar nicht mit der S(o) im Nebenstellenbereich kann sich Telecom-Mann Schäfers anfreunden, wenn von Standar die Rede ist. "Natürlich wollen eine genormte Schnittstelle haben, aber da die S(o) nun mal die drittschlechteste Lösung ist, wollen wir sie nicht, wenn es bessere Schnittstellen gibt."

S(o) hin, U(po) und U(ko) her, für ISDN-Berater Bulenz ist die Schnittstellenproblematik zweitrangig. Zentraler Punkt für den Anwender ist laut Bulenz, seine TK-Anlage auf seine Anwendungen hin zu analysieren und zu bestimmen, was er mit der Anlage kann und machen will.

Wichtig für den Planer ist, an dieser Stelle eine Trennung zwischen dem Voice- und Non-Voice-Bereich im ISDN vorzunehmen. Allgemein geht nämlich der Tenor in die Richtung, daß eine ISDN-fähige TK-Anlage allein für den digitalen Telefonverkehr nicht rentabel ist. Mit anderen Worten: ISDN wird erst durch den Einsatz von Non-Voice-Anwendung interessant.

Dieter Steuer sieht deshalb den Bedarf einer Standardisierung eher im Non-Voice-Sektor. Zweck: Der Einsatz von Adaptoren zur Anpassung von Non-Voice-Endgerätschnittstellen an spezifische Schnittstellen und Protokolle von Herstellern könnte damit umgangen werden, Im Telefonbereich erscheint dem Geschäftsführer dagegen eine Standardisierung weniger notwendig, "weil sich dort im Rahmen herstellerspezifischer Protokoll alles voll ausreizen läßt, was eine Anlage kann."

Bei den Non-Voice-Geräten hingegen zeichnet sich momentan die S(o) als relevante Schnittstelle ab. "Der Durchbruch der S(o) für die Datenübermittlung hängt jedoch nicht von der Post und Fernmeldeindustrie ab", räumt Berater Schröter ein, "sondern ausschließlich von der ED-Industrie." Erst wenn die Network-Control-Programe der EDV-Industrie den D-Kanal auswerten können, ist der S(o) der Weg bereitet. Immerhin wurden auf der CeBIT '89 erste PCs mit S(o)-Karten angeboten, die innerhalb einer TK-Anlage mit adäquaten PCs kommunizierten können. Für die PC-Host-Verbindung reichen diese Karten aber nicht aus.

Non-Voice-Geräte werden also bis auf weiteres über Adaptoren an die Protokolle der TK-Anlage angepaßt werden. Für Wissenschaftler Froitzheim ergeben sich an den "Datenschnittstellen" zeit die größten Probleme für die Planer. Sie sollten sich deshalb "genau anschauen, welche Terminal-Adapter es am Markt gibt und ob sie zu seinem Computer und seiner Software passen." Ansonsten sieht er für den Besitzer von TK-Anlagen keinen dramatischen Entscheidungsbedarf. Froitzheim: "Der Anwender muß sich nicht für oder gegen Kompatibilität entscheiden, sondern seine Anlage später neuen Schnittstellenkarten und Endgeräten ausrüsten."

Eines steht fest: Für Besitzer und Käufer einer TK-Anlage fängt die Schnittstellenzukunft schon heute bei der Vertragsgestaltung mit der Hersteller der TK-Anlage an. Durch die Bank haben sich alle Befragten in ihren Verträgen die Option zur Installation anderer Schnittstellenkarten gesichert.

So auch Dirk Nouvortne und Reiner Pliefke, bei der Gerling AG für Bürokommunikation und Nachrichtentechnik zuständig. Nouvortne: "Weil wir noch gar nicht wissen, welche Schnittstelle sich da in Zukunft durchsetzen wird, haben wir im Vertrag die Option offen, vom Hersteller entsprechende Schnittstellen geliefert zu bekommen. Das kann sich sowohl auf U-Schnittstellen beziehen."