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30.01.1987

ISDN Um es einmal ganz deutlich zu sagen!

Hans Lützenkirchen ist wie viele seiner Kollegen über die oberflächliche ISDN-Diskussion verärgert. Er wählte die Form einer Streitschrift und möchte sie auch als solche verstanden wissen.

Die Schlagworte ISDN-Technik, Local Area Networks, Produktspezifische EDV-Netze wie SNA/Transdata und Breitbandverkabelung sind unter dem Begriff Integration von Sprache, Text, Bild und Daten so prägend und einleuchtend, daß man selbst die unsinnigsten und falschen Interpretationen auf den ersten Blick nicht erkennt.

Als Wichtigstes wird vergessen, daß ISDN ein Kommunikationsnetz ist,

- bei dem verschiedenartige Endgeräte wenige Informationen über weite Entfernungen austauschen,

und

LAN und EDV-Netze sind Datentransportnetze,

- bei denen gleichartige Endgeräte viele Informationen über kurze Entfernungen austauschen.

Um es einmal ganz deutlich zu sagen:

Wer morgens mit "log on" eine Verbindung aufbaut und abends mit "log off" wieder aussteigt, der gehört nicht an ein Kommunikationssystem wie ISDN, sondern an ein Datenverarbeitungssystem.

In den 60er Jahren, als IBM mit dem Fernsprechsystem 2750 auf den Markt kam, begann die Argumentation eines Kommunikationssystems für Sprache, Text, Bild und Daten. Die Fernsprechindustrie zog mit den Produkten Siemens-Modacom und SEL-ITT System 710 nach, die als Fernsprechanlagen hervorragend waren, als integrierende Systeme für Kommunikation und Verarbeitung jedoch alle ein Flopp wurden.

Deshalb möchte ich ganz deutlich sagen:

Wir sollten den gleichen Fehler nicht noch einmal begehen, der vielen Beteiligten und Engagierten von damals noch als Schock in den Knochen steckt.

Bei den Datenverarbeitungsnetzen gibt es

- produktneutrale DFÜ-Netze, wie Ethernet und Token-Ring,

und

- produktspezifische DFÜ-Netze wie SNA und Transdata.

Auch produktneutrale DFÜ-Netze sind deshalb keine Konkurrenz zur ISDN-Technik und wer behauptet, SNA und Transdata könnten über ISDN übertragen werden - der lügt! Denn wer Sonderfälle der Übertragungsfähigkeit generalisierend darstellt, will bewußt irreführen.

Um es auch hier ganz deutlich zu sagen:

80 bis 90 Prozent unserer Endgeräte sind SDLC-Anwendungen und diese sind nicht über ISDN transportfähig.

Wir werden uns auf eine Koexistenz der drei Netztypen ISDN, LAN und produktspezifische DFÜ-Netze einrichten müssen:

- ISDN ist außer zum Telefonieren in zweiter Linie für Daten- und Textanwendungen interessant, wo es um Informationsaustausch zwischen Firmen und Verwaltungen oder Firmenhauptsitz und Filialen geht; ferner für Sachgebietsleiter und Abteilungsleiter, die ab und zu in die eigenen Datenbanken hineinschauen wollen.

- Produktspezifische DFÜ-Netze sind Hochleistungsnetze und in der Wirtschaftlichkeit nicht zu überbieten, wenn sie schwerpunktmäßig eingesetzt werden.

- Produktneutrale LAN haben ihre Einsatzberechtigung, wenn die Endgerätepalette vielschichtig und die Netze weiträumig sind.

Um es wieder ganz deutlich zu sagen:

ISDN ist ein Telefonsystem, bei dem man auch Daten-, Text- und Bildkommunikation übertragen kann, in dem aber keine Daten-, Text- und Bildverarbeitung stattfindet. Hier stoßen die ISDN-Server an eine Grenze, die zwar verschwommen, aber vorhanden ist.

Damit wären wir beim Telefonieren.

Auch wenn eine große Firma ein eigenes Verkabelungssystem herausbringt, welches über Spezialkabel und Spezialstecker und Spezialverteiler - zu Spezialpreisen - für Kommunikation und Verarbeitung geeignet ist, und eine weitere große Firma ein ganzes Landtagsgebäude über LAN mit Sprache, Text, Bild und Daten versorgen wollte, bleibe ich bei meiner Befürwortung für die guten alten Telefonleitungen, die Basis für ISDN sind.

Um es ganz deutlich zu sagen:

Die heutigen "Kommunikationsnetze für Sprache" sind

- in der Wirtschaftlichkeit nicht zu überbieten,

- besitzen hochgradig standardisierte Komponenten,

- sind aufwärts- und seitwärtskompatibel,

- waren schon immer multifunktional,

- sind auch später noch produkt- und systemneutral

- und besitzen einen äußerst leistungsfähigen Markt.

Und nun zu einem traurigen Kapitel von ISDN, unter anderem der OSI-Verträglichkeit:

Es gibt nur drei Kommunikationssysteme, welche bis zur OSI-Ebene 7 aufwärtskompatibel sind: Telefax, Teletex und Telebox.

Datex-P hört bei Ebene 3 auf, alles andere liegt darunter oder entspricht nicht OSI.

Während die Datenverarbeitung sich aufmacht, sich über MAP und TOP als offene Systeme darzustellen, streiten die ISDN-Funktionäre noch über die Ebenen 1 und 2, und dann noch nicht einmal auf der OSI-Basis.

Um es einmal ganz deutlich den eigenen Kollegen zu sagen:

Wer sich im wettbewerbsneutralen Bereich des Marktes so verhält, wie derzeit der ZVEI und VDMA, der hat es nicht verdient, daß die Bundespost den Dienstleistungsbereich an ihn abtritt.

Wir Nutzer benötigen ein hohes Intelligenzniveau im Netz. So akzeptieren wir unter anderem keine Server als Reparaturmaschinen mangelnder Kompatibilität. Daten in der Ebene 1 und 2 können wir auch anders über eine Telefonstrippe übertragen, dafür brauchen wir kein ISDN im Inhouse-Bereich.

Schauen Sie sich doch einmal die Verbände für Langlauf-Ski, Surfbretter und Badezimmereinrichtungen an, die machen es richtig.

Zum Schluß ein kritisches Wort zur Breitbandkommunikation:

Bevor Fernsehen Breitband-lSDN-fähig ist, wird sich die jetzige Fernsehnorm, das PAL-Übertragungsverfahren, geändert haben.

Mit digitaler Norm und Quellcodierung ergeben sich neue Perspektiven - mit viel hochauflösenderen Bildern, absolut flimmerfreien Bildschirmen, die man flach wie ein Bild an die Wand hängt und die außerhalb der Fernsehnutzung als Kunstwerk dienen. Dieses hat mit Fernsehen der heutigen Zeit nichts mehr gemeinsam.

Um es hier einmal ganz deutlich zu sagen, auch wenn es dem Bundespostminister nicht gefällt:

Alle Zusammenhänge zwischen ISDN und Breitband-ISDN sind bezogen auf die heutige Nutzung irrelevant und liegen auch in Verbindung mit Lichtwellenleitern außerhalb einer ernsthaften Diskussionsbasis unter Fachleuten.

Mein Plädoyer galt dem ISDN-System, das wie jedes andere Transportsystem seine Möglichkeiten, aber auch seine Grenzen hat - um es einmal in überzeichneter Form "ganz deutlich gesagt" zu haben.

Dipl.-Ing. Hans Lützenkirchen ist im Amt für Informationstechnik der Stadtverwaltung Düsseldorf beschäftigt; darüber hinaus ist er im Arbeitskreis Nachrichtentechnik des Deutschen Städtetages und im Interessenverband der Fernmeldebetriebsleiter tätig.