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12.06.1987 - 

Auch Büroanwendungen erfordern Höchst-Geschwindigkeiten beim Datenaustausch:

ISDN wird lokale Netzwerke nicht verdrängen

Von Erik Pino von Friedenthal *

ESSLINGEN - ISDN ist nicht die einzig seligmachende Läsung für die Bürokommunikation. In Anbetracht des auf diesem Gebiet notwendigen Hochgeschwindigkeits-Informationsaustausches mit Datenbankabfrage und grafischer Datenverarbeitung "geht ein 64-kBit-System in die Knie". Darum wird es auf lange Sicht zu einem Nebeneinander von ISDN und LAN kommen. Gefragt sind besonders solche Lösungen, die einen Anschluß an beide Netze gewährleisten.

Als 1985/86 die digitalen Nebenstellenanlagen aus der Taufe gehoben wurden, fehlte es herstellerseitig nicht an vollmundigen Sprüchen: "In der Bürokommunikation geht alles nun ganz einfach." "Bürokommunikation in Höchstform." "Medienbrüche sind beseitigt." "Kristallisationskern der Bürokommunikation," "Die ideale Basis integrierter Kommunikation." "Informierendes und steuerndes Nervensystem, das alle Unternehmensteile durchzieht."

Die Deutsche Bundespost als Mitanbieter (einer fremdbezogenen Anlage) überschlug sich auch in der Aufzählung von Vorteilen wie Mehrfachausnutzung der Anschlußleitung, Dienstewechsel während einer Verbindung, einheitliche Rufnummer, universelle ISDN-Steckdose, harmonisierte Gebühren und hoher Bedienkomfort, stellte auch die "außerordentliche Beschleunigung" von 64 kBit pro Sekunde ins rechte Licht, betonte aber an anderer Stelle, daß "ein Übermitteln von bewegten Bildern mit dieser Bitrate derzeit noch nicht möglich ist" und drückte sich im Geschäftsbericht 1984 noch eindeutiger mit der Formulierung aus: "Nur Bewegtbildübertragung - also Videokonferenzen, Bildfernsprechen und Verteilen von Fernsehprogrammen - sowie Höchstgeschwindigkeits-Datenaustausch können über das ISDN nicht abgewickelt werden" (gemeint ist das schmalbandige ISDN, das bis 1993 flächendeckend zur Verfügung stehen soll). Aufmerksamen Beobachtern wird die vorsichtige Erklärung zum Breitband-ISDN, das frühestens 1992 möglich sei, aufgefallen sein: "Ob dieser Schritt zu einem Universalfernmeldenetz dann auch tatsächlich vollzogen wird, hängt weitgehend von der zukünftigen Kosten- und Nachfrageentwicklung ab und kann deshalb heute (1985) noch nicht abschließend beurteilt werden."

Aus der Sicht des VTV bringen digitale Nebenstellenanlagen und das ISDN im öffentlichen Bereich ohne Zweifel einen bedeutsamen Fortschritt, sind Meilensteine für die sogenannte Kommunikation (mit standardisierten Protokollen und Schnittstellen). Allerdings sind heute die endgültigen Systemeigenschaften und Spezifizierungen weder verfügbar noch festgelegt und deshalb auch nicht vollständig zu beurteilen.

Selbst wenn - was zu erwarten ist - das ISDN im öffentlichen Bereich (nur Deutschland - nicht unbedingt Europa) zu einer weitgehend einheitlichen Infrastruktur für die Telekommunikation führt (wobei das weit verbreitete Telex außen vor bleibt), so ist dies im innerbetrieblichen Bereich mit ISDN-fähigen Nebenstellenanlagen nur eine KANN-, aber keine MUSS-Konstellation. Nämlich KANN, wenn die Übertragungskapazität von 2x 64 kBit pro Sekunde reicht.

Zuwachs an interaktiver Dialogkommunikation

Denn innerbetrieblich gibt es zukünftig in mittleren und größeren Organisationen bei weitgehender Dezentralisierung nicht nur im EDV-, sondern auch im Bürobereich Hochgeschwindigkeits-Informationsaustausch in großer Häufigkeit, zum Beispiel bei interaktiver Dialogkommunikation. Dies ist der Fall, wenn ganze Dateien mehrfach am Tage zu einer Reihe unterschiedlicher dezentraler Arbeitsplätze transportiert werden und wenn hoffentlich zunehmend aus Datenbanken vollständige Informationsblöcke herangeschafft werden müssen. Hochgeschwindigkeit ist auch gefragt, um komplexe, hochauflösende CAD-Grafiken durchzublättern und im Rahmen der bevorstehenden elektronischen Archivierung nichtcodierte Seiten von einem Zentralsystem zu einer Vielzahl von dezentralen Arbeitsplätzen zu übermitteln. Dies bedeutet eine Explosion an zu übertragenden Bits. Ein 64-kBit-pro-Sekunde-System "geht dabei in die Knie"; endlos langes Warten wäre die Folge.

Bei solchen Anforderungen aus ganz natürlichen Aufgaben der Bürokommunikation - wie sie sich in Zukunft (!) darstellen wird - ist dann auch die beste ISDN-fähige Nebenstellenanlage nicht mehr in "Höchstform" und ist weder "Kristallisationspunkt" noch eine "ideale Basis". Für diese Zwecke braucht der Praktiker LANs mit Geschwindigkeiten von 10 MBit pro Sekunde aufwärts.

Der Verband für Textverarbeitung und Bürokommunikation ist davon überzeugt, daß es innerbetrieblich zu einer Ko-Existenz von ISDN-Anlage und LAN kommen wird. Nicht umsonst haben die namhaften Hersteller digitaler Nebenstellenanlagen auch ein LAN, meist ein leistungsstarkes, in ihrem Angebot.

Anwender, die richtigerweise ein übergreifendes Informations- und Kommunikationssystem für ihr Unternehmen planen und dies zukunftssicher gestalten wollen, können dies weder dem Telekommunikations- noch dem EDV- oder dem Organisationsexperten für Büro und Verwaltung allein übertragen. Es muß ein Team etabliert werden, das im Auftrag und mit klaren Zielen der Unternehmensleitung tätig wird. Da es um die Informatikstrategie für ein ganzes Unternehmen geht, muß die Unternehmensleitung auch die Weichen stellen. Die Realitäten beim Anwender klaffen leider heute und auch noch für die nahe Zukunft von den technischen Möglichkeiten des Herstellerangebotes weit auseinander. Es gilt, dem Schrittmacher "Technik" hart auf den Fersen zu bleiben.

Bei Nebenstellenanlagen geht der Trend eindeutig zu digitalen ISDN-fähigen Anlagen, die voll den CCITT-Empfehlungen entsprechen, die alle wesentlichen Funktionen im Nicht-Sprachbereich erfüllen, an die problemlos eine Reihe leistungsfähiger EDV- und TV-Endgeräte anschließbar sind und über die alle privaten Datenbank- und Mailboxanbieter und auch alle öffentlich-rechtlichen DBP-Dienste erreichbar sind. Auf universelle Gateways zu LANs und zu Rechnernetzen sollte bei der Auswahl ebenso wie auf ein reichhaltiges, leistungsstarkes Serverangebot geachtet werden. Dominieren wird bei diesen Anlagen noch für lange Zeit die Sprachkommunikation mit langsam ansteigender, aber niemals vollständiger Integration der Datenkommunikation. Die Integration von Paketvermittlungsverfahren ist ebenfalls zu erwarten. Ob allerkomfortabelste Bürokommunikation mit Bildfernsprechen und Videokonferenzen auf einen echten, größeren Bedarf treffen werden, wird noch lange ungewiß bleiben. Digitale Nebenstellenanlagen werden sicherlich bearbeitungsintensive Büroanwendungen mit gelegentlichen Kommunikationswünschen und mit relativ kurzen Verbindungszeiten auf sich vereinigen.

Für den Planer hängt vieles von der technischen Attraktivität der Nebenstellenanlage ab. Wie leistungsfähig ist die Betriebssoftware? Wird von der Betriebssoftware viel Bedienkomfort (Prüfen von Zugriffsberechtigung, Klartextkommunikation, Modularität der Betriebstechnik-Software, Benutzeroberfläche durch Ablage der Textgestaltung, Ausbaufähigkeit nach einheitlichem Konzept etc.) geboten? Lassen sich neue Endgeräte ohne Programmänderung anschließen? Sind gängige Personalcomputer für kundenspezifische Anwendungen ohne Einfluß auf das Grundbetriebssystem anschließbar? Was berücksichtigt die Anlage an unterschiedlichen Bedingungen für Erst- und Wiederinbetriebnahme? Wie sieht die sicherheitstechnische Software aus? Schließlich sind die verschiedenartigen Funktionen der Server und ihre Leistungsfähigkeit Indikatoren dafür, was das System in höheren Ausbaustufen wirklich zu leisten imstande ist. Bei Bedienkomfort und Sicherheit sollte und braucht der Anwender keine Kompromisse zu machen. Auch sollte er maximale Flexibilität fur die Belange der eigenen Organisation fordern und erfüllt bekommen.

Integration von Paket- und Durchschaltetechnik

ISDN-fähige Nebenstellenanlagen sind zweifellos ein Fortschritt, der Ausdruck findet in der einheitlichen Kommunikationssteckdose, im problemlosen Wiederaufstellen von Endgeräten nach Umzügen, in der Zusammenfassung von Verarbeitungs- und Kommunikationsfunktionen in multifunktionalen Endgeräten und im Verzicht auf getrennte Vermittlungssysteme für Texte, Daten, Sprach- und Bildinhalte durch die Abwicklung in einem gemeinsamen Vermittlungssystem. Besonders fortschrittliche Systeme weisen heute schon den richtigen Weg, indem sie Arbeitsplätze schrittweise mit Kommunikationsanschlüssen versorgen, die sowohl den Schnittstellen einer digitalen Nebenstellenanlage als auch denen lokaler Netzwerke entsprechen. ISDN- und LAN-Verbindungen lassen sich dann simultan durchführen.

Im zuerst langsam, inzwischen aber schneller wachsenden Bereich lokaler Netzwerke werden sich immer mehr informationsintensive Anwendungen und Aufgaben mit längerer Verbindungsdauer abwickeln. Der Trend geht bei LANs zu höheren Übertragungsgeschwindigkeiten mit Nutzung von Glasfaserübertragungsverfahren, zur Integration von Paket- und Durchschaltevermittlung und zur (teilweisen) Einbeziehung von Sprachkommunikation. Neben bisher an LANs hauptsächlich vorzufindenden (teuren) multifunktionalen Bürosystemen werden nunmehr zunehmend die fast ebenso universellen, preiswerteren PCs und Telekopierer als Endgeräte eingesetzt. PCs werden also nicht länger nur in kleineren und häufig früher als erwartet an die Grenzen stoßenden PC-Netzwerken verwendet. Den noch abwartenden Anwendern wird sicherlich bald bewußt, daß dem LAN-Konzept angesichts des zunehmenden Einsatzes der unterschiedlichsten Computer, Terminals und Telefonsysteme und der fortschreitenden organisatorischen Integration ein hoher Stellenwert zukommt und daß sie bei dem zukünftigen Hochgeschwindigkeits-Informationsaustausch ohne ein leistungsstarkes LAN nicht auskommen, es sei denn, daß sie auf schnelle, zügige Kommunikation, auf mögliche Verkürzung von Bearbeitungs- und Durchlaufzeiten und auf eine ganzheitliche Vorgangsbearbeitung, die erst mit multifunktionalen Systemen Wirklichkeit wird, verzichten.

Es ist noch nicht alles Gold, was in Prospekten glänzend präsentiert wird. Feinheiten und viele Details sind zu beachten. Es gibt jedoch keinen Grund, technische Probleme zu erwarten, die nicht gemeistert werden können, wenn sachkundige Beratung stattgefunden hat. Nutzen, Wert und Notwendigkeit der neuen ISDN-, LAN- und anderen Bürokommunikationstechniken werden in den meisten Unternehmen zwar erkannt, aber man bleibt trotzdem (so Untersuchungen von Pactel und der Universität Karlsruhe) weiterhin abwartend. Man vermutet hohe Einführungskosten und Risiken, man befürchtet erhebliche Änderungen in Aufbau- und Ablauforganisation und man verweist auf zu geringe eigene personelle Ressourcen. Darüber zu klagen, lohnt nicht. Nur mit Vorwärtsorientierung sind Fortschritt und Verbesserungen erreichbar. Die Gründe für das Abwarten sind nur zum kleineren Teil tatsächlich gerechtfertigt.