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29.02.2008

Israel - die Oase für Hightech-Gründer

Dank eingewanderter Akademiker, Risikofreude und gezielter staatlicher Förderung wuchs in den 90er Jahren im "Silicon Wadi" die Basis für eine üppig gedeihende Startup-Szene heran.

Nicht wenige Besucher der ersten Gründerkonferenz DEMO Germany im Oktober 2007 waren darüber überrascht, dass Israel mit elf Teilnehmern die Mehrheit der Demonstrators bei dem Event stellte - und mit Fring auch noch den Preis für die beste Präsentation ("Demo-God") ergatterte. Dabei ist die blühende Startup-Szene ein wichtiger Faktor für den aktuellen und künftigen Wohlstand des Landes, die darauf basierende Hightech-Branche stellt den wichtigsten Industriezweig Israels dar. Wie aus offiziellen Statistiken hervorgeht, erwirtschaftete allein der ITK-Sektor, in dem mehr als 170 000 Menschen beschäftigt sind, im Jahr 2005 gut 14 Milliarden Dollar Umsatz, das entspricht etwa 16 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Angesichts des kleinen Binnenmarkts ist die ITK-Industrie der bedeutendste Exportzweig.

Die Anfänge der Hightech-Industrie reichen bis in die Gründungsjahre Israels zurück. So richteten die Israel Defense Forces (IDF) bereits 1948 den Bereich Science Corps ein, der neben Waffen und Munition auch eine Vielfalt von elektrischen und elektronischen Geräten für den militärischen Bedarf entwickelte. Zur gleichen Zeit wurden einige wichtige Bildungs- und Forschungsinstitute ins Leben gerufen. Die gute Ausbildung, verbunden mit einer attraktiven staatlichen Förderung, lockte ausländische Firmen wie Intel, IBM, Microsoft, Cisco oder Motorola an, einen Teil ihrer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten nach Israel auszulagern. So ist es wenig überraschend, dass zahlreiche wegweisende Entwicklungen ihren Ursprung in Israel haben. Dazu zählt die von Intel Israel hervorgebrachte Pentium-Technik - ebenso wie einheimische Innovationen, etwa der Flash-Speicher von M-Systems (inzwischen von Sandisk übernommen) oder Instant Messaging von ICQ (von AOL gekauft). Bei vielen Entwicklungen handelte es sich um ehemalige Militärtechnik, die später für zivile Zwecke umfunktioniert wurde.

Regierung stellt die Weichen

Seit Anfang der 90er Jahre stellt die israelische Regierung die Weichen für eine florierende Startup- und Venture-Capital-Szene. Auslöser war eine immense Immigrationswelle aus Russland nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, die Israels Bevölkerung innerhalb eines Jahrzehnts um 20 Prozent wachsen ließ. Das Besondere daran: 40 Prozent der Einwanderer waren Akademiker, darunter viele Wissenschaftler von Weltrang. Um dieses Potenzial auszunutzen, rief die israelische Regierung 1993 das Yozma-Programm ins Leben. In dessen Rahmen stellte die Regierung einen Grundstock von 100 Millionen Dollar bereit um anschließend in Zusammenarbeit mit führenden ausländischen Investoren zehn VC-Fonds mit je 20 bis 25 Millionen Dollar aufzulegen. Als besonderes Incentive hatten die ausländischen Risikokapitalgeber dabei die Option, innerhalb von fünf Jahren den 40-Prozent-Anteil der Regierung für einen zuvor festgelegten Betrag zu übernehmen. Zusätzlich durfte die Yozma-Gruppe einen Teil ihres Kapitals auch direkt in Unternehmen investieren.

Brutkästen für junge Firmen

Um das Engagement in technisch orientierten Firmen und Projekten weiter zu fördern, gab es Steuererleichterungen. Das Büro des leitenden Wissenschaftlers (Office of the Chief Scientist) stellte Fördermittel bereit und ordnete die Schaffung von technischen Inkubatoren an. In diesen insgesamt knapp 30 "Brutkästen" erhalten qualifizierte Startups Räumlichkeiten, Finanzmittel, professionelle Unterstützung und Amtshilfe - im Gegenzug wird das OCS an künftigen Lizenzerlösen beteiligt.

Yozma wurde ein voller Erfolg und bildete letztendlich die Grundlage für eine unabhängige VC-Industrie mit knapp 80 Fonds und über zehn Milliarden Dollar verwaltetem Kapital.

Fokus auf schnelle Exits

Bei allen Erfolgen wird die Entwicklung jedoch nicht unkritisch gesehen. So wird die israelische Startup- und VC-Branche in der Anfangsphase vorwiegend durch Premieren bestimmt: Entrepreneure, die das erste Unternehmen in die Welt setzten, sowie Fonds, die erstmals aufgelegt wurden. Dieser Umstand und der Fokus auf einen schnellen Exit führten dazu, dass viele Firmen unter Wert verkauft wurden oder zu früh an die Börse gingen. Vielen gelang es daher nicht, ihr wahres Potenzial zu entfalten. Einige von ihnen erlitten nach dem Börsengang einen raschen Einbruch, andere mussten ihr Geschäftsmodell ändern, und manche waren gezwungen, zu schließen oder ihr Geschäft ins Ausland zu verlagern. Nur wenige einheimische Companies wie Checkpoint, Amdocs oder Comverse schafften es, zu Global Playern aufzusteigen und diese Position beizubehalten. Hätten Gründer, Manager und Venture Capitalists mehr Geduld bewiesen und Zugang zu mehr Fördermitteln gehabt, so Kritiker, wäre es möglich gewesen, das Potenzial stärker auszureizen.

Dank der inzwischen vorhandenen Serial Entrepreneurs und der gereiften VC-Industrie hat sich das Bild mittlerweile etwas geändert: Wenngleich sich die Menge der Top-ITK-Konzerne seit 1998 nicht merklich erhöht hat, vergeht heute durchschnittlich rund 25 Prozent mehr Zeit zwischen der Gründung und dem ersten Exit eines Unternehmens. Wegen des Ziels, eine höhere Produkt- und Marktreife zu erzielen, erhalten israelisches Startups im Schnitt außerdem wesentlich mehr Finanzierung als früher. Das im Schnitt bezogene Kapital hat sich im Vergleich zu vor zehn Jahren von drei Millionen Dollar auf 16 Millionen Dollar mehr als verfünffacht.

Dollar-Schwäche belastet

Doch es gibt neue Probleme: Wegen des sinkenden Dollar-Kurses - dieser ist im vergangenen Jahr um fast 20 Prozent gegenüber dem israelischen Schekel gefallen - steigen nicht nur die Kosten für US-Unternehmen, die einen Teil ihrer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in Israel betreiben. Die Inflation betrifft auch einheimische Startups, da sie ihr Venture Capital in Dollar beziehen. Hatte ihnen dieser Umstand in früheren Zeiten noch in die Hände gespielt, müssen sie nun lernen, mit weniger Geld auszukommen, oder frisches Kapital auftreiben.

(mb)