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20.03.1998 - 

Nahostkrise steht jedoch dem Traum vom Global Player im Weg

Israels IT-Branche scheut den Vergleich mit Kalifornien nicht

Die Zahlen sprechen für sich: Mehr als 3000 neue High-Tech-Unternehmen wurden allein im vergangenen Jahr gegründet, der Unternehmenswert aller Elektronik- und Softwarefirmen des Landes wird auf 8,4 Milliarden Dollar geschätzt. Während Staaten wie Irland, Indien und Ungarn aufgrund ihres großen Potentials an technologisch gut ausgebildeten Arbeitskräften längst zu wichtigen Stützpunkten von US-Computerfirmen avanciert sind, wirft Israel etwas anderes in die Waagschale - eine Gründermentalität, die allenfalls noch mit der Schwungkraft, die auch das kalifornische Silicon Valley auszeichnet, vergleichbar ist.

Bereits heute blickt das Land stolz auf in der IT-Branche längst etablierte Firmen wie Check Point Software Technologies, Vocaltec Communications und RAD Data Communications. Besagte Aufbruchstimmung und ein Heer an (zum Teil allerdings auch militärisch) hochqualifizierten Ingenieuren zieht Risikokapitalgeber aus der ganzen Welt an. Auf 10000 Einwohner des Staates kommen jüngsten Statistiken zufolge 135 Ingenieure - eine Quote, die den vergleichbaren Wert der Vereinigten Staaten (85 ausgebildete Ingenieure pro 10000 Einwohner) deutlich in den Schatten stellt. Überdies strömt seit Jahren noch eine andere Elite ins Land: russische Wissenschaftler und Ingenieure.

Als flankierende Maßnahmen gelten daneben die zahlreichen Wirtschaftsförderprogramme des Staates, mit denen man versucht, ausländische Investoren anzulocken. Denn das Ziel, das sich Israels High-Tech-Branche selbst gesteckt hat, ist alles andere als bescheiden: Man möchte nicht nur eigene Visionen realisieren und damit vor allem kein "reines Fertigungsland" der US-Konzerne sein, sondern die im Bereich Technologieentwicklung zweitwichtigste Nation der Erde werden, erklärte RAD-Chairman Zohar Zisapel unlängst.

Trotz dieser ehrgeizigen Vorgabe und den geschilderten günstigen Rahmenbedingungen ist aber vielen israelischen Start-ups alles andere als eine rosige Zukunft beschieden - sei es aufgrund der kleinen Größe des Landes, seiner geografischen Entfernung von den USA und Europa oder seiner konfliktbeladenen Geschichte beziehungsweise der aktuellen Krisensituation in Nahost.

Oft kommen, wenn man so will, auch noch handwerkliche Fehler hinzu. Viele Entrepreneure geraten bereits in der Startphase ins Straucheln. Beispielsweise sind Entwicklung, Marketing oder Vertrieb oft einseitig ausgerichtet oder unkoordiniert. Ein guter Ingenieur oder Entwickler ist eben noch lange kein fähiger Verkäufer und Geschäftsführer - ein Problem, das man auch in den USA und Europa kennt. Zudem hat man es aufgrund der vielen Firmenneugründungen mit einem ganz speziellen Arbeitsmarktproblem zu tun: Fachkräfte sind Mangelware. Ein Grund hierfür ist auch die Tatsache, daß viele DV-Spezialisten Israel in Richtung Silicon Valley verlassen, sobald sie ihr Examen in der Tasche haben. Und das, obwohl israelische Firmen bei Gehältern und sonstigen materiellen Anreizen im internationalen Vergleich durchaus mithalten können.

Um dem Problem der Abwanderung und dem Mangel an Fachkräften wirkungsvoll zu Leibe zu rücken, sind nun auch verstärkt Bildungseinrichtungen auf den Plan getreten. Erste Zeichen hat die Ben-Gurion-Universität in Tel Aviv unter ihrem Präsidenten Avishay Braverman gesetzt. So sollen binnen der nächsten zehn Jahre doppelt so viele Studenten wie bisher die High-Tech-Kaderschmiede durchlaufen. Außerdem gibt es bereits erste Ansätze einer Zusammenarbeit mit hiesigen IT-Unternehmen - eine Kooperation, wie sie an den einschlägig bekannten US-amerikanischen Universitäten längst gängige Praxis ist. "Wir möchten, daß Ben Gurion zur Stanford University Israels avanciert", hofft Braverman. Daß alle Erfolge jedoch noch von einem ganz anderen Faktor abhängen, weiß auch der Hochschul-Verantwortliche: "Israels größte Herausforderung ist der nicht enden wollende Kampf um den Frieden. "Nur mit der Schaffung "stabiler Verhältnisse" könne es, so Braverman, gelingen, den akademischen Nachwuchs im Land zu halten und weitere Investoren anzulocken.