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29.08.2006

ISS-Kauf stärkt IBMs Security-Geschäft

Big Blue lässt sich Internet Security Systems (ISS) 1,3 Milliarden Dollar kosten - ein teurer Türöffner für den Sicherheitsmarkt, meinen Marktbeobachter.

Die Konsolidierung im IT-Sicherheitsmarkt setzt sich fort: Für 1,3 Milliarden Dollar oder 28 Dollar pro Aktie geht der Anbieter Internet Security Systems an IBM. Durch die Transaktion schwingt sich Big Blue zum größten Anbieter von Security-Services auf. Die Übernahme soll vorbehaltlich der Zustimmung der ISS-Aktionäre und der Aufsichtsbehörden im vierten Quartal abgeschlossen werden.

ISS bietet Sicherheitssysteme in Form von Software und Hardwarelösungen an. Seit einigen Jahren hat der Anbieter sein Produktgeschäft um eine Servicesparte ergänzt. Aufbauend auf den Appliances seiner "Proventia"-Reihe verwaltet ISS im Kundenauftrag deren Sicherheitsinfrastruktur oder testet die installierten Schutzmaßnahmen.

Die IBM-Spitze macht keinen Hehl daraus, dass es vor allem die Serviceaktivitäten waren, die den Ausschlag für die Übernahme gegeben haben. Die Akquisition stärke die Position im Bereich Managed Security Services (MSS), betont Val Rahmani, General Manager Infrastructure Management Services bei IBM Global Services.

Filetstück X-Force

ISS soll künftig als eine Geschäftseinheit innerhalb der Sicherheitsabteilung von IBMs Dienstleistungssparte agieren. Die rund 400 im Bereich Service tätigen ISS-Mitarbeiter - insgesamt beschäftigt das Unternehmen knapp 1300 Personen - werden dort die etwa 3500 Security-Consultants der IBM ergänzen. Diese erbringen weltweit Beratungs-, Implementierungs- und Managed-Security-Services.

Zu den Filetstücken von ISS zählt die Forschungsabteilung "X-Force", deren Spezialisten laufend auf der Suche nach Schwachstellen und neuen Bedrohungen sind. Daneben verfügt ISS über ein weltweites Netz von Security Operations Centers (SOCs), unter anderem in Atlanta, Brisbane, Brüssel, Detroit und Tokio. Diese sollen in den Verbund von IBMs eigenen SOCs eingegliedert werden. Für IBM ebenfalls von Bedeutung ist die von ISS entwickelte Security-Software: Neben Sicherheitsscannern hat sich das Unternehmen mit Intrusion-Detection- und Intrusion-Prevention-Lösungen einen Namen gemacht. Seit einigen Jahren bietet der Hersteller eigene Appliances an, in denen diese Software zum Einsatz kommt.

Spannend ist aus Anwendersicht vor allem die Frage, was mit diesen Produkten jetzt geschehen wird. IBM verfügt bislang über keine hardwaregestützten Security-Lösungen. Im Bereich Software deckt der Hersteller mit Produkten aus dem Tivoli-Umfeld Themen wie Zugangskontrolle, Identity-Management, Risiko-Management oder das Verwalten von Sicherheitslösungen ab. Die ISS-Tools könnten hier eine sinnvolle Ergänzung darstellen. Fortsetzung auf Seite 4

Nach Aussagen von Michael Kiess, IBM Development & Research Communications, soll ISS "als Ganzes in den Bereich Global Technology Services integriert" werden. Gleichzeitig will Big Blue "Prozesse und Strukturen in Richtung IBM Software Group etablieren, um Entwicklung und die Go-to-market-Modelle mit Tivoli Software abzugleichen".

Greg Stierle, Systemanalyst im Bankwesen und Betreiber des Blogs "IBM Eye", bezeichnet die Übernahme indes als IBMs "erste schlechte Akquisition des Jahres". Der Spezialist hält den Preis für zu hoch: Die IBM habe "den Verstand verloren", wenn sie 1,3 Milliarden Dollar für ein Unternehmen zahle, das im Jahr 40 Millionen Dollar Gewinn erwirtschaffte. Auch wenn ISS ein Türöffner in das Security-Geschäft sei, befürchtet Stierle, dass der Hersteller "in zu viele Richtungen gleichzeitig geht". Sein Fazit: "Dieser Deal kann kaum von Nutzen sein."

Auch für Gartner-Mann John Pescatore erschließt sich der Sinn des Zukaufs nicht völlig. Zwar sei die Übernahme des Servicegeschäfts nachvollziehbar, weil sie ins blaue Dienstleistungsportfolio passe.

Neue Konkurrenten für IBM

Anders sehe es mit dem Produktgeschäft von ISS aus: Damit begebe sich IBM plötzlich in Konkurrenz zu etablierten Playern wie Cisco, Enterasys oder Juniper - "das ergibt für IBM keinen Sinn". Wesentlich besser beurteilt Paul Stamp von Forrester Research die Übernahme. Der Analyst glaubt, dass IBM nunmehr über die "breiteste Palette an Security-Lösungen" unter allen Herstellern verfüge. Die ISS-Kunden wurden per E-Mail über die Akquisition informiert, wie Torsten Gesang, Leiter Security & Web Based Systems der ProSiebenSat.1 Produktion, bestätigt. Hinsichtlich der weiteren Zusammenarbeit auf operativer Ebene erwartet er durch die IBM-Übernahme "keine gravierenden Veränderungen". Diese Einschätzung teilt ein anderer Anwender, der jedoch nicht genannt werden möchte.

ISS war bereits IBMs vierter Kauf im August 2006. Der Konzern hatte zuvor den SOA-Anbieter Webify für einen nicht genannten Preis, den Enterprise-Content-Management-Spezialisten Filenet für 1,6 Milliarden Dollar sowie die Asset-Management-Company MRO Software für 740 Millionen Dollar geschluckt. (ave)