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15.08.1980

Ist Abfangen feige?

15.08.1980

Dr. Günter Selle Marketingleiter der IBAT-Unternehmensberatung, Essen

Serien von Unfällen in der Zivil- und Militärluftfahrt wurden in der Vergangenheit mehrfach dadurch beendet, daß neue Wartungs- und Managementmethoden eingeführt wurden. Die sogenannte Romantik in der Fliegerei mußte ingenieurmäßigem Vorgehen weichen.

Sind Software- und Hardware-Ausfälle auch Unfälle? Gibt es Mittel, die die immer wieder beschworene Software-Krise beenden und die Kostenlawine bei Erstellung und Wartung von Software zum Halten bringen?

Praktische Erfahrungen in der Software-Entwicklung und der maschinellen Datenverarbeitung selbst liegen mittlerweile in ausreichendem Umfang vor. Es geht nunmehr darum, bereits die Projektabwicklung zu systematisieren, damit frühzeitig mögliche spätere Krisen abgefangen werden können. Systematische Vorgehensweisen, die auf Erfahrungen aus der Praxis basieren, liegen vor.

Es ist unabdingbar, Software-Projekte in phasenweisem Vorgehen abzuarbeiten und parallel dazu formale Beurteilungs- und Genehmigungsschritte durch den Projektausschuß beziehungsweise Auftraggeber - bei externer Vergabe der Arbeiten - einzuschalten. Durch diese Parallelfunktionen können die erarbeiteten Dokumente beurteilt und das weitere Vorgehen festgelegt werden. Wichtig ist dabei, daß das Projekt übersichtlich gegliedert wird und vorher festgelegte Kriterien eine Erfolgsmessung erlauben. Es kann nicht oft genug darauf hingewiesen werden, daß frühzeitiges Erkennen und Abfangen von Schwierigkeiten den gewünschten Fortschritt sichert.

Die wichtigsten Phasen bei Automatisierungsprojekten heißen Beratung, Analyse, Realisierung, Inbetriebnahme und Betrieb.

Für einzelne Phasen stehen Sammlungen von Formblättern und Checklisten sowie rechnergestützte Verfahren zur Verfügung. Hier soll nicht auf den andauernden Streit hinsichtlich der am besten geeigneten Methoden eingegangen werden. Beste Erfolgsaussichten bietet ein Methodenmix, der die gestellten Anforderungen weitgehend erfüllt. Zu den wichtigen maschinellen Komponenten zählen ein Planungs- und Überwachungssystem, ein interaktiver Maskeneditor, ein Editor zur Erstellung von Quellcode- und Textelementen, ein Strukturgenerator, der Nassi-Shneiderman-Diagramme aus dem Pseudo-Code erzeugt, ein System zur begleitenden Projekt- und Programm-Dokumentation, ein Entscheidungstabellengenerator sowie ein interaktives Testsystem.

Im Rahmen von Automatisierungsvorhaben rücken Dialogaufgaben immer mehr in den Vordergrund. Beim Einsatz entsprechender Dialogsysteme gilt es, das oftmals beschriebene Chaos der Dialogprogrammierung von vorneherein zu vermeiden. Der Verarbeitung von Masken muß daher eine wichtige Bedeutung beigemessen werden. Ferner sollte - entsprechend dem aktuellen Stand der Hardware- und Software-Technologie - ein Großteil der Aktivitäten auf Kleinrechner verlagert werden. Das führt zur notwendigen Entlastung der Großrechner.

Die bereits genannten parallel zur eigentlichen Projektarbeit verlaufenden Kontrolltätigkeiten führen zu Entscheidungen wie Freigabe des Projektes für Folgephase, Rückweisung zur Überarbeitung oder gar Projektabbruch. Im Bereich des Software-Designs wird zum Beispiel überprüft, ob die in der Planung gemachten Aussagen bezüglich Realisierbarkeit und Realisierung einerseits und Kosten andererseits signifikante Abweichungen zeigen. Im weiteren Verlauf des Projektes sollte in diesem Zusammenhang vornehmlich abgestimmt und koordiniert werden.

Nehmen wir an, das Software-Projekt, an dessen Verlauf der Leser dieser Ausführungen denkt, sei im Rahmen der geplanten Kosten und Termine beendet worden. Auch sei produktiv gearbeitet worden. Wie bewährt sich das Software-System im täglichen Einsatz? Hat das Projektteam berücksichtigt, daß nicht Reparaturarbeiten durchgeführt, sondern vornehmlich Ersatzteile ausgetauscht werden sollen? Können Erweiterungen in vorhandene Leerraster eingefügt werden? Von Wartungsfreundlichkeit wird man darüber hinaus erst dann sprechen können, wenn die abgeschlossene Dokumentation präzise Vorgaben enthält und für verschiedene Adressaten angelegt worden ist. Denn Wartungsarbeiten werden in der Regel durch verschiedene Adressaten ausgelöst. Wartungskosten lassen sich reduzieren, wenn die Software-Organisation ein maschinelles Auffinden erforderlicher Moduln ermöglicht. Wurde darüber hinaus sichergestellt, daß bei Änderungen alle betroffenen Stellen bedient werden (durch Listen von Querverweisen), so kann auch hier das Prädikat wartungsfreundlich vergeben werden. Effektive Hilfestellungen liefern in diesem Zusammenhang interaktive Arbeitsweisen sowohl bei Prozeßautomatisierung als auch bei kommerziellen Anwendungen.

EDV-Projekte lassen sich übersichtlich strukturieren, und die Vielzahl von Einflußfaktoren kann beherrscht werden, wenn phasenweise und arbeitsteilig vorgegangen wird. Parallele Kontrollmechanismen müssen ablaufen. Dann besteht wirklich die Gewähr dafür, daß Benutzerfreundlichkeit, geringer Wartungsaufwand und effektive Dokumentation keine abstrakten Begriffe bleiben, sondern an präzisen Aufgabenbeschreibungen und Strukturierungen konkret gemessen werden können. Das gleiche gilt für den Abbau von Verständigungsschwierigkeiten zwischen Fachabteilung und EDV-Abteilung sowie für die sinnvolle Einbeziehung des Auftraggebers in die Projektabwicklung.

Die EDV-Branche kann wählen unter den Alternativen Software-Krise und Minimierung des technisch-ökonomischen Risikos.