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26.01.1979

Ist Cobol die Programmiersprache der Zukunft?

Programmiersprachen versteht heute im Unternehmen zumeist nur ein kleiner Kreis von Mitarbeitern: der Programmierer, der Systemanalytiker und vielleicht noch der RZ-Leiter. Was aber, wenn der Manager, die Fachabteilung schnellen Zugriff auf Informationen fordern? Was geschieht mit dem Benutzer, wenn der Trend zum "Distributed Processing" konsequent weitergeht? Um diese Lücke zu füllen, experimentieren Experten in den USA bereits mit sogenannten "Data-Base-Sprachen": Im Institute of Technology, San José, wurde zum Beispiel die Dialogsprache "Rendezvous" entwickelt, mit der in natürlicher Sprache über Terminal im Jumbo-Rechner (370/168) vollständige Programme "zusammengebaut" werden. CW wollte wissen, ob diese "Zukunftsvision" bereits in das Bewußtsein der für die deutsche EDV-Szene Verantwortlichen gedrungen ist. Es antworteten zwei EDV-Leiter und zwei Software-Experten. hö

Hans-Peter Baer,

Leiter Organisation und Datenverarbeitung, Bopp & Reuther GmbH, Mannheim-Waldhof

Für die nächsten fünf Jahre: bleibt Cobol meiner Ansicht nach ganz sicher die vorherrschende Programmiersprache. Danach werden Programmiersprachen wie etwa Basic stärker in den Vordergrund treten. Das bedeutet, daß uns wohl in Zukunft eine Makroprogrammierung ins Haus stehen wird - bedingt vor allem auch durch bessere Betriebssystemsoftware, durch die wir mehr und mehr zu einer interaktiven Programmierung gelangen.

Wir selbst haben im Haus neben dem Siemens-Zentralrechner noch einen Dietz-Minicomputer, bei dem wir ausschließlich interaktiv mit Basic programmieren. Die IBM-Alternative, APL, zeigt, daß nach fünf Jahren in einer noch höheren Sprache programmiert wird.

Die tatsächliche Verwendung einer natürlichen Programmiersprache erscheint mir mehr als Science Fiction. Sollten dennoch neue Programmiersprachen als Ersatz für Cobol entwickelt werden, so werden die jeweiligen Hardware- oder Software-Anbieter entsprechende Compiler anbieten.

Ein Trend, der sich jetzt abzeichnet und der sich nach meiner Ansicht in Zukunft wesentlich verstärken wird: Neue Programmiermethoden, wie etwa Entscheidungstabellen-Generatoren., NPG oder das von der IBM propagierte HIPO, müssen verstärkt in die Datenverarbeitung einbezogen werden. Denn mit diesen Werkzeugen kann in der Programmierung eine Leistungssteigerung und größere Transparenz erreicht werden.

Mittelfristig wird sich dann auch ein "ingenieurmäßiges" Programmieren bei uns durchsetzen.

Dr. Horst Strunz,

Fachbereichsleiter Standard-Systeme und Training des mbp, Mathematischer Beratungs- und Programmierungsdienst GmbH, Dortmund

Cobol ist die Programmiersprache für kommerzielle Anwendungen der Gegenwart. Selbst der IBM ist es nicht gelungen, die Position von Cobol mit PL/1 ernstlich zu gefährden.

Viele Millionen Cobol-Programme existieren weltweit und müssen laufend gepflegt werden.

Es ist bei dieser Situation undenkbar und unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten unvertretbar in den nächsten Jahren eine Umstellung dieser Programme auf eine andere Sprache durchzuführen.

Cobol hat zudem den Vorteil, mit der Codasyl durch eine Institution laufend weiterentwickelt zu werden, in der die Interessen von Anwendern und Herstellern gleichermaßen vertreten sind. Bald wird Cobol über Sprachelemente verfügen, die die Anwendung der Strukturierten Programmierung unterstützen. Cobol wird die Zeichenketten-Verarbeitung ermöglichen, durch spezielle Statements den Verkehr mit Datenbanken verbessern, transaktionsorientierte Datenverarbeitung besser unterstützen und vieles mehr.

Cobol ist - aufbauend auf den Arbeiten der Codasyl - vom American National Standards Institute standardisiert worden und dieser Standard wird laufend gepflegt.

Der Prozeß der Sprachverbesserung mag manchem nicht schnell genug gehen, er ist aber von vielen Interessengruppen getragen und funktioniert. Auch wenn Cobol manchem Sprachpuristen ein Greuel ist, diese Programmiersprache wird in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren nichts an ihrer Bedeutung für die Praxis verlieren.

Wolfgang Störzinger,

Leiter Organisation und Datenverarbeitung, Südzucker AG, Mannheim

Für mich ist Cobol - zumindest für die nächsten fünf Jahre - die entscheidende Programmiersprache. Das liegt vielleicht daran, daß wir hier im Hause seit Beginn des DV-Einsatzes überwiegend mit Cobol arbeiten. Unsere Versuche mit anderen Programmiersprachen, wie etwa Fortran, RPG oder PL/1, waren nicht erfolgreich genug, damit sie neben Cobol bestehen hätten können.

Zwar ist Assembler eine "pfiffigere" Programmiersprache, ähnlich wie PL/1, die dem Programmierer mehr Möglichkeiten bietet - etwa die Bitmanipulation -, dennoch: Beim Vergleich des Für und Wider muß man sich letztlich für Cobol entscheiden.

Cobol zeichnet sich meiner Ansicht nach dadurch aus, daß diese Programmiersprache einen außerordentlich hohen Verarbeitungsgrad aufweist. Cobol gilt zudem als Sprache, die eine außergewöhnlich günstige Portabilität aufweist. Das bedeutet konkret, daß der Anwender leichter an einen Herstellerwechsel denken kann, wenn er alle Programme in Cobol geschrieben hat. Bei einer Assembler-Programmierung ist dies nahezu ausgeschlossen.

Cobol gibt es bereits über 20 Jahre. Zwangsläufig resultiert hieraus eine relativ geringere Fehlerrate im Compiler. Neuere Programmiersprachen humpeln diesem Entwicklungsstand hinterher. Demnach können Cobol-Benutzer mit einer höheren, Zuverlässigkeit ihrer Programmierung rechnen.

Für mich ist vor allem wichtig, wie transparent eine Programmiersprache ist, wie leicht ich erkennen kann, welches Problem gerade programmiert wird. Von einer Programmiersprache erwarte ich demzufolge eine gewisse "Laienverständlichkeit", die einem externen Revisor oder auch der Fachabteilung einen Einblick in die Materie verschafft - ohne daß die Beteiligten perfekte Programmierkenntnisse haben.

Wenn ich heute der Fachabteilung ein gut aufbereitetes Cobol-Programm vorlege, kann diese zumindest grob erkennen, welche Probleme sich hier auftun. Wichtig ist dieser Faktor auch für die Dokumentation: Mit Cobol ist es möglich, die EDV- und Anwenderdokumentation "unter einen Hut" zu bringen, mit dem Erfolg, daß der gesamte Dokumentationsaufwand erheblich reduziert werden kann.

Zur Sprache selbst ist noch zu sagen: Bei den Standardbefehlen kommt der Cobol-Programmierer mit einer erstaunlich geringen Anzahl von Befehlen aus, gemessen an den anderen gängigen Programmiersprachen. Cobol ist also leicht erlernbar. Nach meinen Erfahrungen stellt Cobol eine relativ große "Eleganz" bei den Ein-/Ausgabebefehlen zur Verfügung: Man kann sehr schöne Listen oder Satzausgaben produzieren, was mit Fortran oder Algol doch einige Schwierigkeiten bereitet.

Der Cobol-Anwender, der Programmierer also, hat zudem den beträchtlichen Vorteil, daß er sich überhaupt nicht darum zu kümmern braucht, für welchen Rechner er programmiert und welches Betriebssystem dahinter steht.

Wichtig erscheint mir auch für die Zukunft, daß bei Cobol relativ wenig Hauptspeicher belastet wird. Vorteile - zum Beispiel gegenüber PL/1 - gibt es auch bei Compiler- und Ablaufgeschwindigkeiten.

Cobol hat zudem den Vorteil, daß diese Programmiersprache dem Programmierer abnimmt darüber nachzudenken, wie er ein Stand-alone-Sortierprogramm zum Laufen bringt. Hierzu gibt es im Cobol-Programm Syntax-Checker, die vorprüfen und so Leichtsinnsfehler korrigieren helfen.

Integriert ist auch eine Debugging-Hilfe und - last not least - ein Report-Generator.

Der letzte wichtige Grund, warum Cobol auch in Zukunft als Programmiersprache nicht wegzudenken ist: Cobol läuft auf großen und kleinen Rechnern - ein wesentlicher Pluspunkt, denkt man an den fortschreitenden Einsatz des Distributed Processing.

Dr. Thilo Thielemann,

Projektleiter am BIFOA, Köln

Die Zukunft von Cobol kann sicher nicht allein auf der Basis eines Vergleiches mit anderen generellen Programmiersprachen beurteilt werden. Zusätzlich muß man den erreichten Anwendungsstand und die Entwicklung der DV-technischen Rahmenbedingungen in die Prognose einbeziehen.

Im Sprachvergleich verbucht Cobol eine Reihe von Minuspunkten: Es stammt aus einer alten Sprachgeneration, es verlangt eine unorganische Teilung in Programmblöcke und eignet sich schon von den Übersetzern her wenig für die Dialogprogrammierung. Dennoch weist Cobol enorme Verdienste auf: Durch das Ausbildungsangebot und die Kenntnisse der Programmierer ist es so weit verbreitet, daß viele Firmen über den Arbeitsmarkt zur Cobol-Anwendung gezwungen werden.

Bei dem hohen Wartungsanteil in der Programmierung sorgt auch das Riesenvolumen vorhandener Cobol-Programme zumindest kurzfristig für das Fortbestehen von Cobol. Außerdem gehört Cobol zu den bestgenormten Sprachen. Programmiertechniken wie die Normierte Programmierung (vergleiche DIN 66220) sind auf Cobol bezogen. Last not least stehen Cobol-Übersetzer häufig auch kostenlos zur Verfügung.

Diese Marktposition können andere Sprachen nicht leicht "knacken". Die bisher recht stabilen Marktsegmente der generellen Programmiersprachen werden jedoch aufgeweicht: Verbesserte Standardsoftware und bequemere Sprachen (wie Basic) locken auf Kleinrechnern. In Timesharing-Netzen haben höhere Sprachen die generellen Sprachen bereits eingeholt.

Den Haupteinfluß auf die Cobol-Zukunft hat aber vorläufig sicher die Zunft der Programmierer. Wie Weinberg bestätigte, sträuben sich viele dagegen, eine zweite Programmiersprache zu erlernen. Tun sie es dennoch, so arbeiten sie mit der zweiten Sprache oft auch dann nicht besser, wenn diese der ersten überlegen ist. Daß Veteranen lange leben, bestätigt IBM's Unterschätzung der Lebensdauer alter Sprachgenerationen ebenso wie Datapro's letzte Software-Honor-Roll.

Cobol hat seinen Gipfel schon lange erreicht. Man sieht kaum Gründe, weshalb es weiter aufwärts gehen sollte. Vielmehr steht mittelfristig eine Konsolidierung bevor, die vor allem dann in einen beschleunigten Rückgang von Cobol münden kann, wenn entsprechende Fortschritte in der Ausbildung der Programmierer und der Wirtschaftlichkeitskontrolle der Systementwicklung eintreten.