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02.07.1976

Ist das Magnetkonto noch ernst zu nehmen?

Wenn man dem Urteil vieler Fachspezialisten folgen will, dann ist das Magnetkonto tot - toter geht's nicht. Analogie zur Lochkarte: Dort dauert's bereits seine Zeit. Tatsache ist jedoch, daß Magnetkonten-Computer geradezu eine Renaissance erleben. Denn die Kostendegression in der gesamten EDV hat dazu geführt, daß man heute eine MKC-Anlage für unter 40 000 Mark bekommt, womit dieser MDT-Klassiker für eine Anwendergruppe interessant wird, die bisher noch nicht für den Rechner-Einsatz erschlossen war. So nutzen heute vorwiegend Kleinbetriebe ab 10 Beschäftigten den Vorteil des Magnetkontos, nämlich gleichzeitig visuell und maschinell lesbar zu sein. Unbestritten jedoch, daß Magnetband, Floppy und Wechselplatte über kurz oder lang das Magnetkonto substituieren werden.

Professor Dr. L. J. Heinrich Direktor des ifbi-Instituts für Fertigungswirtschaft und Betriebsinformatik der Universität zu Linz

Um die Antwort gleich vorwegzunehmen: Ja. Wir befinden uns heute in einer Phase des Umbruchs der Technologie tastaturorientierter Kleinrechner-Systeme. Diese wird vor allem durch den Übergang von Einzelplatzsystemen zu Mehrplatzsystemen, von manuell bedienbaren und unmittelbar visuell verarbeitbaren externen Speichern (vor allem Magnetkonten) zu Plattenspeichern und von maschinenorientierten zu problemorientierten Programmiersystemen gekennzeichnet. Dabei handelt es sich in der Tat um eine Übergangsphase, also um einen noch nicht abgeschlossenen Prozeß. Was hier nun die Speicherorientierung der Kleinrechner-Systeme, insbesondere der in Europa weit verbreiteten Computer der Mittleren Datentechnik angeht, sind vor allem zwei Ursachen des Charakters dieses Übergangs in dieser Phase festzustellen: Zum einen die leider noch immer unausgereifte Technologie - einschließlich der notwendigen System- und Anwendersoftware -, zum andern aber die bei den Anwendern vorherrschende Einsatz-Philosophie, die vor allem dadurch gekennzeichnet ist, Computer für Buchungs- und Abrechnungsaufgaben einzusetzen. Wenig Interesse besteht zur Zeit für Anwendungsaufgaben, die eher den Charakter von Planungs- und Dispositionsaufgaben haben. Gerade solche Aufgaben sind dadurch gekennzeichnet, daß logisch zahlreiche Dateien mit einem nennenswert großen Datenmengen-Gerüst zu verwalten sind. Natürlich bedingen sich beide Ursachen gegenseitig: Solange sich die vorherrschende Einsatz-Philosophie nicht ändert, wird kein Druck auf die Beschleunigung der Technologie-Entwicklung bei den Herstellern ausgeübt. Solange dort die Entwicklung zu bequem handhabbaren, plattenorientierten Systemen nur schleppend verläuft, wird auch kein Nachfrage-Sog bei den Anwendern ausgelöst werden. Sicherlich gehört dem Magnetkonto nicht die Zukunft. So wie die Lochkarte in der Datenerfassung, wird es aber als Speichermedium mit maschineller und visueller Verarbeitbarkeit noch lange ernst zu nehmen sein.

Professor Dr. Johann Löhn Fachbereich allgemeine Informatik, Fachhochschule Furtwangen

Meine Antwort beginnt mit zwei Fragen:

1. Wie ist die Tendenz der Anwender, Magnetkonten noch anzuschaffen?

2. Gibt es Vorteile des Magnetkontos?

Zu 1: Im Frühjahr 75 hatten die in Deutschland produzierenden MDT-Hersteller rund 25 Prozent Zuwachs gegenüber dem Vorjahr bei der Auslieferung von MDT-Computer- und -Terminal-Systemen zu verzeichnen Etwa zwei Drittel der arbeitsplatzorientierten Computersysteme, sind mit maschinell und visuell lesbaren Magnetkonten ausgestattet.

Zu 2: Vorteile:

a) Eine gute Brücke zur Heranführung einer konventionellen Konten-Organisation an die EDV.

b) Der Buchhalter im Klein- und Mittelbetrieb behält ein jederzeit visuell lesbares Konto.

c) Magnetkonten-Computer lassen sich mit einer umfangreichen Peripherie ausstatten, so daß synchron mit dem Kontenbuchen andere Datenträger erstellt werden können, die im Rechenzentrum weiterverarbeitet werden können.

d) Bei optimaler Kontenzuführung läßt sich ein mehrfacher Sortierprozeß verbinden. Eine einzige Bedienungskraft kann häufig gleichzeitig buchen, fakturieren und die Lagerabrechnung durchführen.

Meine Schlußfolgerung lautet: Nach der ersten Antwort nehmen offenbar sehr viele Anwender das Magnetkonto noch ernst. Sicher ist, daß nicht alle Vorteile der zweiten Antwort spezifisch für das Magnetkonto sind, und daraus folgt die Prognose: Das Magnetkonto wird Punkte abgeben müssen gegenüber den genannten Konkurrenten, dabei wird auch das Preis-/Leistungsverhältnis eine Rolle spielen. Aber wer so viele Punkte hat, kann welche abgeben, ohne gleich tot zu sein.

Dipl.-Kfm. Helmut Weber Projektleiter am Betriebswirtschaftlichen Institut für Organisation und Automation an der Universität zu Köln (BIFOA)

Die Magnetkontokarte ist sicherlich der "klassische" Datenträger der sogenannten Mittleren Datentechnik. Schließlich hat sie einer bestimmten Teilklasse dieser Systeme, dem "Magnetkonten-Computer", ihren Namen gegeben.

Ihre sinnvolle Doppelfunktion ist es, einen automationsgerechten, wirtschaftlichen Externspeicher darzustellen und zugleich für den Menschen lesbar zu sein, das heißt, ihre ursprüngliche Funktion als ein den Geschäftsverlauf zeigendes Konto beizubehalten. Damit hat sie sich in Tausenden von Installationen bewährt. Unter diesen Aspekten kann das "Display in Kontenform" auch 1976 als ein prädestiniertes "Einstiegsmedium" in die EDV, vor allem für die vielen Klein- und Mittelbetriebe gelten, wenn sich der geforderte Komfort (Integration, Handling usw.) in Grenzen hält, die zu führenden Dateien nicht zu groß sind und ein schrittweiser Übergang von traditioneller zu automatisierter Datenverarbeitung gewünscht wird. Verstärkte Anwendermündigkeit mit den damit verbundenen gesteigerten Komfortwünschen, aber auch plausible organisatorische Kriterien und Wirtschaftlichkeitsaspekte (Preis-/Leistungsverhältnis) zeigen andererseits, daß die Zukunft anderen Lösungen gehören wird. Diese werden auf der Linie liegen: Bildschirm für, Anzeigen- und -Bedienerführung, Steuerung und Verarbeitung durch Mikroprozessoren, Führen von Programm- und Arbeitsdaten auf Halbleiter-Speichern, Disketten und Platten, sequentiell speziell auf Magnetbandkassetten. Für kleinere Bestände ist die Floppy-Disk ausreichend, größere Bestände werden auf Magnetplatten (Wechselplatte, geteilter Stapel) gehalten. Systeme dieser Art, die heute noch primär für "Umsteiger" von Magnetkontencomputern bzw. für nicht zu "kleine", Newcomer in Frage kommen, werden wohl 1980 als Normalfall angesehen werden. Fazit: Im Augenblick ist das Magnetkonto noch recht lebendig und ernst zu nehmen.