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07.10.1994

Ist DEC das Opfer einer strukturellen Krise?

Der Sparkurs von Digital Equipment schlaegt sich vor allem in einer restriktiven Personalpolitik nieder. Insgesamt will das US- Unternehmen 20000 Arbeitsplaetze abbauen. Dieser Beschluss hat auch die deutsche Tochter hart getroffen. Hierzulande sollen 2200 der insgesamt 4700 Mitarbeiter entlassen werden. Dabei hatte Digital Deutschland schon zuvor sehr unter den Einsparungsmassnahmen gelitten und einen rapiden Personalabbau hinnehmen muessen. Das Unternehmen, das damals noch seine Produktionsstaette in Kaufbeuren betrieb, beschaeftigte Anfang 1992 rund 8400 Mitarbeiter. Bei Digital-Kienzle in Villingen-Schwenningen belief sich der Personalstand Anfang 1992 noch auf rund 2900 Mitarbeiter. Von Oktober 1993 bis Januar 1994 wechselten 1130 von ihnen zu Digital Equipment. Im Sommer 1994 standen bei Digital-Kienzle laut Informationen des Betriebsrats gerade noch 600 Beschaeftigte auf der Lohn- und Gehaltsliste.

Vor wenigen Wochen verkaufte Digital Deutschland den Mittelstandsbereich Kommunen und Energieversorger, frueher Teil von Digital-Kienzles Abteilung Oeffentliche Verwaltung, an Alldata. Der Digital-Betriebsrat geht davon aus, dass zum Ende dieses Jahres in Villingen-Schwenningen nur noch wenige Servicemitarbeiter taetig sein werden. Das Werk in Kaufbeuren, bei dem Anfang 1992 noch 800 Angestellte unter Vertrag standen, hat die Tore inzwischen endgueltig geschlossen.

Im Sommer 1994 kuendigte die Digital Deutschland den Haustarifvertrag. Die Mitarbeiter waren voellig ueberrascht, war der Vertrag doch erst ein Jahr zuvor mit der Geschaeftsleitung ausgehandelt worden. Damals war der DV-Hersteller noch von einem begrenzten Personalabbau ausgegangen. Da sich nach und nach herausstellte, dass Entlassungen in grossem Stil bevorstanden, wurden Digital die vereinbarten Abfindungen zu teuer.

Gleichzeitig mit der Entlassung von 2200 Mitarbeitern gab es bei Digital Deutschland weitere schlechte Nachrichten. Die deutsche Tochter schrieb im Geschaeftsjahr 1993/94 rote Zahlen.

Nach den Aussagen des DV-Herstellers sind alle Geschaeftsbereiche von der jetzt beschlossenen drastischen Stellenkuerzung betroffen. Dabei ist dem Unternehmen klar, dass mit einer derart reduzierten Mannschaft die bestehenden Kundenverpflichtungen kaum erfuellt werden koennen. Deshalb kursiert die Idee, dass die zu entlassenden Beschaeftigten in eine Art Mitarbeitergesellschaft ueberwechseln. Nach Informationen des Betriebsrats will sich der DV-Konzern im Bedarfsfall die noetigen Arbeitskraefte von ihr zurueckleihen. Innerhalb dieser Auffanggesellschaft koenne es, so Digital- Sprecherin Theresa Wermelskirchen, verschiedene Modelle geben. In Frage kaemen Management-Buyouts, Verkaeufe oder auch Franchise- Loesungen.

Ueber die Modalitaeten der Mitarbeitergesellschaft stehen Geschaeftsleitung und Arbeitnehmervertretung noch in Verhandlungen. "Eine Firma als eine Art Parkplatz vor dem Arbeitsamt koennen wir nicht akzeptieren", erklaert Digital-Betriebsrat Wolfgang Mueller. Diese Bedenken sind verstaendlich, findet die Digital-Sprecherin. "Allerdings klingen sie so, als ob es die Alternative gaebe, bei Digital zu bleiben. Aber die existiert nicht." Momentan ist bei den Gespraechen noch alles offen. Ist eine Einigung in Deutschland gefunden, muss noch die US-Zentrale zustimmen.

Inzwischen hat die deutsche Digital-Dependance ihre Fuehler nach oeffentlichen Geldern ausgestreckt und sich beim Arbeitsamt nach der Moeglichkeit erkundigt, sich als strukturellen Krisenfall einstufen zu lassen. Das waere die Voraussetzung dafuer, Kurzarbeitergeld fuer die Mitarbeitergesellschaft zu erhalten. Eine strukturelle Krise ist allerdings erst dann gegeben, wenn eine "schwerwiegende Verschlechterung" der wirtschaftlichen Situation der gesamten Branche vorliegt, erklaert Josef Herkner, zustaendig fuer Kurzarbeitergeld beim Landesarbeitsamt Suedbayern. Diese Entwicklung muessten die Wirtschaftsverbaende erst bestaetigen. Dies wird Herkners Meinung nach aber nicht geschehen, da es in Deutschland immer noch finanziell solide DV-Betriebe gebe.

Wermelskirchen sieht allerdings immer noch Chancen fuer die Anerkennung als Opfer einer strukturellen Krise. Die Digital- Sprecherin weist aber auch darauf hin, dass die Mitarbeitergesellschaft nicht hauptsaechlich vom Arbeitsamt finanziert werde. Vielmehr werde sie Eigenkapital und auch eigene Einkuenfte haben. Zudem gebe es noch die Moeglichkeit, Mitarbeiter weiterzubilden. Diese Qualifikationsmassnahmen wuerden dann allerdings doch vom Arbeitsamt finanziert.