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19.09.1975

Ist denn wirklich die Minicomputer-Lösung billiger?

19.09.1975

-Stichwort: Minis im kommerziellen Einsatz. Was ist eigentlich ein "Mini"?

Unter Minicomputer versteht man auf dem heutigen Markt in erster Linie dialogfähige Klein-Systeme, die mit Bändern, Platten oder Floppy Disk ausgerüstet sind.

- Ihre Definition bezieht sich auf die Gesamt-Konfiguration. Gibt es eigentlich in den Zentraleinheiten einen Unterschied zwischen Minicomputern und MDT-Systemen?

Kaum, Unterschiede bestehen lediglich in der bei den Minis höheren Verarbeitungs-Geschwindigkeit.

- Braucht man die wirklich bei kommerziellen Anwendungen. Genügen nicht die Schaltgeschwindigkeiten der MDT-Anlagen, die ja so langsam auch nicht sind?

Eigentlich schon. In der Praxis jedoch sieht es häufig so aus, daß man möglichst schnell und umgehend Daten im Dialogbetrieb auf dem Bildschirm braucht.

- Liegt der Unterschied nicht eher im Preis? Gibt es Minis zu Minipreisen?

Daran gibt es keinen Zweifel. Sie können heute einen sehr leistungsfähigen Minicomputer mit 16 K Speicherkapazität, einem Bildschirm und einem Drucker zum Preis von etwa 50 000 Mark kaufen. Das gibt es in der MDT nicht.

- Rechtfertigt die Verfügbarkeit von Anwendungs-Software nicht den höheren Preis der MDT-Anlagen? Das MDT-Gegenstück zur eben beschriebenen Mini-Konfiguration dürfte etwa 70 000 Mark kosten, - bei freier Software.

Dies ist nur bedingt richtig, denn die sogenannte "freie Software" ist in der Regel nur eine Standardlösung, die nicht auf jeden Betrieb zu übertragen ist.

Die meisten Hersteller von Minicomputern hingegen arbeiten heute mit System-Häusern zusammen, die für den Hersteller die entsprechende Software anfertigen und vermerkten.

- Welche Kosten fallen denn bei Individualprogrammierung allein für den Komplex Lohn- und Gehalt bei einer kleineren Unternehmung an?

Die Entwicklungskosten für dieses Gebiet können wohl kaum unter 25 000 Mark gehalten werden. Diese Preise sind natürlich für einen Abnehmer einer MDT- oder Mini-Anlage nicht tragbar.

- Die MDT-Firmen bieten Standard-Programme an. Welche Lösung haben die Hersteller von Minicomputern, die in den kommerziellen Markt wollen?

Die Mini-Hersteller arbeiten in der Regel mit System-Häusern zusammen, die diese Lösungen erstellen und vermerkten. Dabei muß in der Regel vom System-Haus eine ziemlich hohe Vorab-Investition geleistet werden, die sich erst nach mehrmaligem Verkauf der Programme amortisiert, denn die Lösungen werden am Markt mit zur Zeit etwa 3000 bis 4000 Mark angeboten.

- Das hieße 4000 Mark für Lohn und Gehalt, 4000 Mark für Finanzbuchhaltung, 4000 Mark für Fertigungssteuerung, und so weiter. Auch nicht gerade eine billige Alternative.

Das ist richtig. Wenn man jedoch die Standard-Programme der MDT betrachtet und deren nicht ausreichende Flexibilität, so sind diese Lösungen im Endeffekt auch nicht billiger. Der Kunde muß dies meist mit nachträglichem sehr teuerem Umprogrammieren bezahlen.

- Sie meinen also, der Preisvorteil billiger Hardware für Minis bleibt dem Kunden erhalten?

Meine persönliche Meinung ist, daß man in der Regel - wenn man eine MDT-Konfiguration in der Preisklasse von etwa 70 000 Mark, womöglich sogar noch mit dem längst überholten Magnetkonto vergleicht - am heutigen Minimarkt für höchstens 60 000 Mark eine bessere Lösung erhalten kann, - und zwar inklusive optimaler wie individueller Software.

- Trotzdem haben sich hierzulande Minis im kommerziellen Einsatz nicht durchgesetzt, obwohl das Konzept seit vier Jahren propagiert wird. Alle Minihersteller zusammengenommen, haben vermutlich nicht mehr als jährlich 200 Anlagen für kommerzielle Anwendungen abgesetzt. Hinzu kommt MAI mit etwa jährlich 100 Anlagen, aber die hat MAI auch bei Start vor etwa vier Jahren schon im ersten Jahr verkauft.

Das kommt noch. Parallelen zeigen sich eindeutig auf dem amerikanischen Markt. Heute beträgt der Marktanteil der Minicomputer, die für kommerzielle Lösungen eingesetzt werden, sicherlich noch unter zehn Prozent der gesamten produzierten Einheiten, aber Experten schätzen, daß sich dieser Marktanteil bis 1980 mindestens verdoppeln, wenn nicht verdreifachen wird.

- Kann es in der BRD daran liegen, daß Minicomputer-Hersteller, die sich allein dem Hardware-Geschäft widmen, in die Software nicht investieren wollen, Hardware allein will keiner.

Das stimmt. Aber vielleicht ist gerade die Trennung von Hardware und Software-Entwicklung nicht die schlechteste Lösung. Denn jedes Software-Haus hat ein vitales Interesse daran, durch Referenzkunden -die bekommt man nur durch eine gute Umstellung - neues Interessentenpotential zu erschließen.

- Wie steht es bei Minis um die Betriebssysteme und um die Systemsoftware? Die ist bekanntermaßen für Prozeßanwendungen

vorhanden, reicht das auch für kommerzielle Anwendungen?

Bei den Minicomputern gibt es nur ein Problem der Anwendungs-Software. Die Betriebssysteme sind für den kaufmännischen Bereich vorzüglich geeignet. Auch Klein- oder Mittelbetriebe müssen - nicht zuletzt unter dem Druck der Konkurrenz - schnelle Auskunftssysteme aufbauen. Für solche Anwendungen sind die transaktions-orientierten Betriebssysteme aus der Prozeßrechnerei mit ihren Abwandlungen für den kommerziellen Bereich äußerst leistungsfähig und, wie ich meine, besser geeignet als die bisherigen Lösungen der batch-orientierten MDT. Das spricht sich langsam 'rum.

- Zum Schluß noch ein Ausblick in die Zukunft: Wird der große Durchbruch nicht erst kommen, wenn man Mikro-Computer und Mikroprozessoren im kommerziellen Bereich einsetzen kann?

Wenn Mikroprozessoren individuell programmiert werden sollen, wird sich das Problem kaum ändern, - allein die Hardware-Preise werden, günstiger. Und wenn die Programme auf Read Only-Speichern hardwaremäßig mitgeliefert werden sollen, dann haben wir wieder das alte Problem mangelnder Flexibilität der Anwendungslösung. Zunächst einmal aber werden die Minicomputer sich einen guten Teil des Marktes für Klein- und Mittelbetriebe erobern.

- Man wird sehen!

Klaus Peter Hütten, 34,

Betriebswirt, war sechs Jahre bei der IBM (SE) und ist seit acht Jahren, - mit einer nur kurzen Unterbrechung - selbständig. Vor zwei Jahren gründete er zusammen mit einem Ex-Siemens-Mann die Gesellschaft für Informatik mbH München, mit dem erklärten Ziel, ausschließlich als "Systemhaus" für Prozeßrechner Software für kommerzielle Anwendungen zu entwickeln. Zusammen mit drei festen Mitarbeitern und bis zu zwei Dutzend Freiberuflichen konnte er im OEM-Geschäft für kommerzielle Anwendungen 1975 drei Systeme ausliefern, die Sollvorgabe für 1976 heißt 14 Systeme.

Hüttens Vorgehensweise ist typisch für etwa ein Dutzend kleinerer "Systemhäuser", die meist in enger Bindung mit nur einem Minicomputer-Hersteller diesen Markt aufbereiten.