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13.01.1978

Ist der MDT-Begriff benutzernützlich?

Drei Dinge hält das Jahr 1978 als verzichtbare Fortsetzungsserie bereit: die Mengenlehre für die Kleinen, die Mehrwertsteuer für die Großen - und die Mittlere Datentechnik für die Halberwachsenen, soweit es sich bei diesen um EDV-Benutzer handelt.

Ob es die letztere Gruppe überhaupt gibt, ist zwar ungewiß, ändert jedoch nichts an der immerwährenden Freude, die sich bei der Definition der drei Buchstaben einstellt. Die Sachwalter der reinen Lehre haben sich zu lange an diesem unscharfen Begriff festgehalten; sie werden deshalb auch bei der kommenden Hannover Messe darüber diskutieren.

Außerhalb der Computer-Gazetten findet der scholastische Kategorienstreit bei Anwendern und Herstellern relativ geringe Resonanz, denn die Alltagsprobleme der maschinellen Organisation dominieren zeitfüllend über die Frage, ob und warum dieses oder jenes EDV-Gerät der MDT zuzurechnen ist oder nicht. Die germanische Wortschöpfung, die sich mit "MDT" abkürzt, isoliert uns ein wenig vom weltweiten EDV-Jargon: Das Wort "Mittlere Datentechnik" kann man in seiner inländischen Bedeutung (plus Mehrdeutung und Hintersinn) schwerlich ins Englische, in die Muttersprache der EDV, übersetzen. Ein Parallelfall dazu ist übrigens der "Datenverarbeitungskaufmann". Ein solcher Mangel an terminologischer Entsprechung schürt den Verdacht, daß es möglicherweise das gar nicht (...)ibt, worüber man gut und gern in He(...)atzungen redet.

Wie kam es zu der anhaltenden semantischen Unsicherheit? Ein kleiner Überblick mag das erläutern:

Seit das Wort Computer in die deutsche Fachsprache Eingang fand und dort eindeutig den Begriff der "speicherprogrammierten, elektronischen Datenverarbeitungsanlage" abdeckt, hat es nicht an Anstrengungen gefehlt, die pluralistische Maschinenwirklichkeit des neuen Organisationsmittels theoretisch zu unterteilen - eine legitime und, angesichts bestehender Sprachverwirrung, notwendige Aufgabe für EDV-Journalisten, Informatik-Dozenten und Orga-Spezialisten.

Doch während sich im Lauf der Zeit allgemeinverbindliche Begriffsnormen für Mikro-, Mini- und Jumbo-Computer ergaben, kommerzielle Rechner und technisch-wissenschaftliche Anlagen ihr logisches Schubfach fanden und sogar über die verteilte Intelligenz der Systeme weitgehende Übereinstimmung herrscht, scheint der Midi-Bereich, das weite und definitorisch recht vage Feld der Mittleren Datentechnik, Schwierigkeiten zu bereiten. Viele MDT-Geräte stehen sozusagen in einer theoretischen Grauzone. Sie widersetzen sich der reinlichen Kategorisierung, weil sich die Einteilungskriteren entweder überschneide(...)er nur partiell anwendbar sind.

Im Blätterwald der reichhaltigen EDV-Periodika kommt es darüber gelegentlich zum Meinungsstreit: Zwar we(...) allgemein die tastaturorientierte Maschine, das selbständige Terminal und die Magnetkonten-Verarbeitungseinheit (die vor allem!) der MDT zugeordnet. Darüber (und darunter) sind die Grenzen jedoch fließend.

MDT-Anlagen, so wird auf "Kienzle komm raus" postuliert, sind zweifellos elektronische Büromaschinen, und aufgrund ihrer freien Programmierbarkeit durch den Anwender können sie mit Festwertspeicher-Geräten (Mikro-, Tisch- und Taschenrechner) kaum verwechselt werden. Auch die MDT-Peripherie für die Ein-/Ausgabe und zur Datenspeicherung bildet ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal in diesem subtilen "Was-bin-ich?"-Spiel.

Die Attribute des Hochcomputers mag man der MDT jedoch nicht konzedieren, denn nach sporadisch vorherrschender Lehrmeinung gehört nur solches Gerät zur Oberklasse, das

- verifizierbar universell ist und nicht primär dem Einsatzziel Abrechnungstechnik dient;

- ausgeprägte, den Hardware-Kostenaufwand übersteigende Software verwendet (mit problemorientierten Programmiersprachen);

- die Eingabetastatur - falls vorhanden - nicht gewohnheitsmäßig zur Datenerfassung mißbraucht.

Hier ist nicht der Rahmen, das Für und Wider solcher Taxierung detailliert zu untersuchen. Den EDV-Anwender braucht es im Grunde nicht zu interessieren, wo die zuweilen recht modisch anmutende Auffassung sein System einreiht, solange er nicht das Gefühl haben muß, ein MDT-Gerät sei eine Art Sozialcomputer für organisatorisch Minderbemittelte.

Auch den EDV-Hersteller muß die Beschwörung der Begriffsnormen nicht berühren: Theoretische Kategorien sind in der Produktions- und Vertriebspraxis ungefähr so relevant wie die Schuhgrößen der Prüftechniker.

Wer, wie Honeywell Bull zum Beispiel, "die ganze Datenverarbeitung" anbietet, stößt am kurzen Ende der Skala, also da, wo das Einzugsgebiet der EDV beginnt, auch einmal an die MDT, falls diese von Fachtheoretikern dort hindefiniert wurde.

Das passierte in der Vergangenheit den Honeywell-Bull-Modellen 53 und 55 (nicht der 58) und dem System 3 von IBM (aber nicht dem Modell 10).

Der kleinen Lochkartenanlage Gamma 10 allerdings, dem Allerweltscomputer mit dem stabilen Käfer-Image, bestritt niemand die Würde der arrivierten EDV, denn dieses System kam ohne Tastatur aus.

Beim heutigen Modell 61/40 der Honeywell-Bull-Serie 60 ist die Eingabe-Klaviatur wieder - vorhanden, der Kreis schließt sich, der Kleincomputer trägt wieder Tasten - aber wird die 61/40 dadurch zum MDT-Gerät?

Gewiß nicht, wenn man die moderne Technologie und die Software-Ausstattung betrachtet. Andererseits vielleicht doch, wenn man die Überschneidung mit den Anwendungsgebieten der klassischen MDT-Rechner bedenkt. Indes: Solche Überlegungen führen nicht weit, denn mit dem gleichen pragmatischen Salto kann man einen Mercedes den Zugmaschinen zuordnen - nur weil er (auch einmal) einen Wohnanhänger schleppt.

Gleichwohl werden die professionellen Branchenbeobachter im neuen Jahr (und später auch noch) mit MDT-Begriffen jonglieren. Solange man sich dabei nicht doktrinär verrennt, schadet das nichts. Immerhin umschreibt der Ausdruck ein Stück Entwicklungsgeschichte der elektronischen Datenverarbeitung, wodurch er zumindest die Vergleichsmaßstäbe bietet, an denen die rapiden Wandlungen in diesem Bereich abgelesen werden können.