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08.05.1998

Ist der NC am Ende?

Die Verkaufszahlen von Network Computern (NCs) sind deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Zu dieser Erkenntnis gelangt nicht nur das Marktforschungsunternehmen Dataquest (siehe CW 15/98, Seite 6). Den Berechnungen der Gartner-Group-Tochter zufolge wurden 1997 lediglich 144000 NCs abgesetzt. Dem stehen weltweit rund 90 Millionen verkaufte PC-Systeme gegenüber. Auch die IDC kommt in einer aktuellen Studie zu einem ernüchternden Ergebnis: Gerade einmal 510000 "Thin Clients" könnten die Hersteller in diesem Jahr in den Markt drücken, glauben die Auguren. Der größte Teil davon - 302000 Einheiten - würde aber auf Windows-basierte Systeme entfallen. Von den für das Jahr 2002 prognostizierten 6,8 Millionen Thin Clients würden nach diesen Schätzungen fünf Millionen unter Windows arbeiten.

Für den schwachen Start der von Sun, Oracle und IBM heftig beworbenen NCs haben Branchenbeobachter sowohl ökonomische als auch technische Gründe ausgemacht. Thomas Reuner etwa, Analyst bei der Gartner-Group-Tochter Dataquest, nennt den Preisverfall bei PCs als gravierendes Hindernis für einen Durchbruch der schlanken Rechner. Der harte Konkurrenzkampf im Consumer-Markt, der im kommenden Quartal durch diverse Neuankündigung noch an Schärfe gewinnen werde, drücke letztlich auch im professionellen Bereich die Preise. Das ursprüngliche Argument der NC-Protagonisten verliere damit an Bedeutung. Reuner: "Warum sollte man einen NC mit abgespeckter Funktionalität kaufen, wenn man praktisch für den gleichen Preis einen voll funktionsfähigen PC bekommt?"

Terry Ernest James, Senior Consultant bei IDC in Großbritannien, schätzt die Situation anders ein. Der Preisverfall bei PC-Desktops sei zwar unerwartet schnell gekommen. Dies sei jedoch nicht der Hauptgrund für den schwachen Start der NCs. "Die DV-Abteilungen sind derzeit noch zu stark mit anderen Projekten beschäftigt", meint James. Themen wie das Jahr 2000, die Euro-Umstellung und nicht zuletzt die täglich zu bewältigenden Supportaufgaben beanspruchten die IT-Verantwortlichen ohnehin schon über Gebühr. Selten genug werde daher etwa das Problem PC-Management ernsthaft angegangen. Obwohl es sehr gute Argumente für den NC gebe, sei es schwierig, Unternehmen in dieser Situation davon zu überzeugen, ihre DV-Infrastruktur umzukrempeln.

Für den Dataquest-Mann Reuner hat auch das Argument der einfacheren Verwaltbarkeit der NCs an Überzeugungskraft eingebüßt. Im Zuge der Diskussion, die von seiten der Industrie mit teils übertriebenen PR-Aktionen geschürt worden sei, hätten sich etliche Management-Funktionen im professionellen Desktop-PC-Bereich als Standard etabliert. Intels Wake-on-LAN-Technik sei dafür ein Beispiel. Reuner: "Das heißt, man braucht für diese Funktionen eigentlich keine NCs mehr." Derlei Features stünden außerdem zu extrem günstigen Preisen zur Verfügung.

Mit einer effizienteren Verwaltung von Client-Rechnern versprechen die Hersteller vor allem auch eine Senkung der gesamten Betriebskosten (Total Cost of Ownerschip = TCO) - ein Argument, das bei Anwendern anzukommen schien. Eine aktuelle Umfrage der IDC unter 270 IT-Anwendern hat ergeben, daß 80 Prozent der Unternehmen, die NCs installiert haben oder dies planen, sich eine Reduzierung der TCO versprechen. Allerdings zeigt auch dieses Argument Abnutzungserscheinungen. Wie mehrfach berichtet, unterscheiden sich die Kostenmodelle von Analysten, Marktforschern und sonstigen Experten erheblich. Nun ist die Meta Group mit einer weiteren Variante an die Öffentlichkeit getreten. In einer Untersuchung mit dem vielsagenden Namen "Real Cost of Ownership" kommen die Meta-Auguren zu einem Ergebnis, das die NC-Verfechter kaum freuen dürfte. Im Gegensatz zu bisher verfügbaren Berechnungen, die von Betriebskosten bis zu 12000 Dollar pro Jahr und Desktop-PC ausgehen, errechnen die Analysten einen Betrag von lediglich 2802 Dollar je PC (siehe Grafik Seite 47). Eine reine NC-Umgebung verursacht in diesem Modell Aufwendungen von 2080 Dollar pro Gerät. Mit einer gut verwalteten PC-Landschaft könnten Unternehmen jedoch die PC-Betriebskosten auf 2400 Dollar drücken.