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12.01.1979

Ist Distributed Processing wirtschaftlich vertretbar ?

Distributed Processing, das wohl meist diskutierte Schlagwort des Jahres 1978, hat die Anwender überzeugt. Doch das hierzu erforderliche Umdenken, die konzeptionelle Neuorientierung findet (noch) nicht statt. Unsere Frage, inwieweit vor der Verteilung von Intelligenz nach draußen eine Kosten-/Nutzen-Analyse Entscheidungshilfe geben kann, wurde von den drei befragten EDV-Chefs eindeutig beantwortet: Da die dafür notwendige Hardware immer billiger wird und durch den dezentralen Einsatz weiter rationalisiert werden kann, lassen sich die Kosten unterm Strich wirtschaftlich durchaus vertreten. Ein Nutzen wird jedoch nur dann gesehen, wenn die Verantwortung für Distributed Processing auch weiterhin fest in "zentraler Hand" bleibt und somit die bewährte organisatorische Gesamtkonzeption nicht in Frage gestellt wird. hö

Dr. Onno Blumhoff, Direktor der Datenverarbeitung, Klöckner & Co., Duisburg

Als Handelshaus hat Klöckner & Co. in ihren über ganz Deutschland verteilten Niederlassungen zumeist äußerst zeitkritische Anwendungen laufen. Bis vor kurzem waren vor Ort Nixdorf-Terminal-Systeme offline installiert. Nachdem diese Geräte in absehbarer Zeit ausgetauscht werden sollten, tauchte hier im Hause die Frage auf, ob es nicht sinnvoller wäre, künftig in den Außenstellen mehr Intelligenz einzusetzen. Um hier zu einem wirtschaftlichen Ergebnis zu gelangen, rechneten wir zwei mögliche Alternativen durch: Einmal mehr Intelligenz vor Ort, über eine Wählleitung mit unserem Zentralrechner verbunden, zum anderen unintelligente Terminals via Standleitung mit einem - aus Sicherheitsgründen - zu installierenden Duplex-Rechner zu verbinden. Durch diese Kosten-/Nutzen-Analyse konnten wir feststellen, daß zwar sie Aufwendungen für beide Projekte etwa gleich hoch sind, der Nutzen einer intelligenten Lösung jedoch weitaus höher ist. Heute setzen wir vor Ort IBM 3790-Systeme ein. Eine Nachkalkulation ergab anschließend, daß die sogenannten Mehrkosten (Reinvestition Nixdorf altes System gegen Reinvestition der neuen intelligenten Systeme) wirtschaftlich durchaus vertretbar sind.

Obwohl durch die Verlagerung der Intelligenz nach draußen der Zentral-Rechner entlastet wird mußten wir doch kürzlich den Hauptspeicher erweitern) da heute in der Zentrale fakturiert wird und sich daraus eine Mehrbelastung ergab.

Für unser Haus war der Einsatz des Distributed Processing ein Muß, um weiterhin rationalisieren zu können: Im Stahlhandel setzten wir die 3790 für integrierte Lösungen ein, im Bauwesen dienen sie jedoch für eine bessere Datenerfassung. Eine Kosten-/Nutzen-Analyse errechnet sich hierbei über die Anzahl Geräte: Zweieinhalb alte Geräte sind nach unserer Rechnung ebenso teuer wie ein neues Gerät.

Entscheidend für den Einsatz der 3790 war zudem, daß der Preis hierfür in den letzten zwei Jahren um etwa 50 Prozent reduziert wurde. Zudem rechnen wir für die nächste Zeit mit einer Reduzierung der Wählleitungskosten und glauben daher mit dieser Kalkulation des Distributed Processing auf dem richtigen Weg zu sein.

Ein wesentlicher Vorteil der jetzigen Lösung ist auch, daß alle für die Niederlassungen erforderlichen Programme in der Zentrale erstellt und per Leitung nach draußen zum jeweiligen 3790-System geschickt werden.

Vor Ort beschäftigen wir einen sogenannten Hauptbediener

- kaufmännischer Angestellter oder ehemaliger Lieferscheinschreiber

-der kein EDV-Fachmann ist, nach zirka einwöchiger Schulung das System bedienen kann und noch allgemeine Arbeiten durchfuhrt, da er mit der Systembedienung und den Operatordiensten nicht ausgelastet ist.

In den Niederlassungen selbst können keine Programme erstellt werden, da sonst die Gefahr besteht, daß in einem großen Konzern wie wir es sind, die Gesamtkonzeption durcheinander gerät.

In der nächsten Zeit sollen insgesamt 40 dieser intelligenten Vor-Ort-Rechner installiert werden, acht davon werden voraussichtlich die neuen IBM 8100-Kommunikationssysteme sein.

Wilhelm Gausmann, Leiter der Datenverarbeitung, Nestlé-Gruppe Deutschland GmbH, Frankfurt

Bevor in unserem Unternehmen Intelligenz verteilt wird, erarbeiten wir eine gründliche Kosten-/Nutzen-Analyse. Die Berechnungen erstrecken sich über einen Zeitraum von fünf Jahren, wobei festgehalten wird; welche Mehrkosten durch die Einführung eines solchen Rechners entstehen und welche Einsparungen damit auf welchen Gebieten erzielt werden können. Diese Ergebnisse werden in einer Zeitreihe kumuliert und so ersehen wir, wann in etwa mit einem Break-Event-Point zu rechnen ist.

Bei derartigen Analysen kann neben der Kostenseite auch der Nutzen in Mark und Pfennig festgehalten werden, da eine bestehende Organisation nicht geändert wird, wenn nicht in absehbarer Zeit mit wirtschaftlichen Rationalisierungseffekten zu rechnen ist. Ausrechnen kann man zum Beispiel im Bereich, der Lagerhaltung, wenn durch den Einsatz eines intelligenten Systems vor Ort die Läger reduziert werden können, weil eine kurzfristige Standskontrolle möglich wird. Quantifizieren lassen sich auch treffsichere Prognosen in den jeweiligen Fachabteilungen oder Niederlassungen.

Nichtquantifizierbare Aspekte werden bei einer Kosten-/Nutzen-Analyse nicht berücksichtigt.

Nestlé arbeitet seit vier Jahren in sechs Außenlägern mit MAI-Kleinrechnern, die für die Lagerwirtschaft in den Fertiglägern zur Auslieferung, Steuerung, Kommissionierung etc. eingesetzt werden. Gleichzeitig werden mit diesen Geräten Daten für die Verkaufsabrechnung erfaßt. Alle Bewegungs- und Bestandsdaten werden täglich über eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung in den Zentralrechner in Frankfurt übertragen.

Wichtig bei allen Kosten-/Nutzen-Überlegungen ist, daß Distributed Processing nur dann sinnvoll sein kann, wenn eine zentrale 1 Steuerung erfolgt. Damit vor Ort kein "Wildwuchs" entsteht ist es erforderlich, alle organisatorischen Belange von einer Zentrale aus zu regeln. Wir programmieren deshalb grundsätzlich zentral, so daß nur fertige und ausgetestete Programmplatten an die Benutzer draußen weitergegeben werden. In den Außenstellen gibt es also kein EDV-Personal; die MAI-Rechner werden von Sachbearbeitern bedient.

Neben den beschriebenen Lagerrechnern setzten wir in sechs Werken IBM-System /32- und /34- Rechner ein, die alle per Wählleitung t einem Zentralrechner in Frankfurt korrespondieren.

Bernhard Rech, Leiter der Datenverarbeitung, Schenker & Co., Frankfurt

Um die Frage nach den Kosten-/ Nutzen-Betrachtungen beim Ein. Satz des Distributed Processing beantworten zu können, muß zuerst gesagt werden, daß die Speditionsbranche schon immer - und auch künftig - sehr hart kalkulieren mußte und muß. Die Notwendigkeit, Computerintelligenz zu verteilen, ergibt Sich zwangsläufig aus der dezentralen Unternehmensstruktur. Voraussetzung für eine funktionierende Geschäftstätigkeit ist hierbei die zentrale Steuerung und Überwachung des gesamten Informationsflusses.

Unsere Idealvorstellung - mit dem größtmöglichen Nutzen für unser Unternehmen - wäre demnach ein zentral gesteuertes, sternförmig angelegtes Datenverbundnetz: Im Mittelpunkt ein Rechenzentrum mit Großrechner, daran angeschlossen dialogfähige Ein-/Ausgabe-Terminals in den jeweiligen Niederlassungen. Von den Kosten her ist diese Lösung für uns derzeit jedoch nicht tragbar; denkt man allein an die Größe des hierzu erforderlichen Großrechners.

Ein "vereinfachtes" Distributed Processing praktizieren wir bereits in Teilbereichen der Luftfracht: Auf allen Flughäfen haben wir mindestens ein Luftfrachtbüro, das über ein intelligentes Terminal und via Wählleitung mit unserem Rechner kommuniziert. Unsere Kosten-/ Nutzen-Analyse hat gezeigt, daß es derzeit am wirtschaftlichsten ist, vor Ort eigenständige EDV-Systeme - Minicomputer - mit der Möglichkeit der Datenübertragung zum Zentralrechner zu installieren. Obwohl dies immer wieder von seiten der Hersteller negiert wird, sehe ich bei dieser Anwendung die Gefahr, daß plötzlich auch vor Ort zusätzliches Programmier- und EDV-Organisations-Personal beschäftigt werden muß. Eine Mehrbelastung, die wir eigentlich in unseren Konzeptionen immer vermeiden wollten. Allerdings ergaben unserer Berechnungen, daß wir durch weitere Rationalisierung - wie etwa automatisches Schreiben von Speditionsunterlagen, und Fakturierung vor Ort - einen Kostenausgleich schaffen können.

Da wir die verteilte Intelligenz nicht in allen Speditionsbereichen einführen können, werden wir eine sogenannte Mischorganisation schaffen: Zeitkritische Anwendungen - wie etwa die Luftfracht - werden über eine zentrale Online-Verarbeitung durchgeführt. Wir glauben, so zu einer günstigen Kosten-/Nutzen-Relation zu gelangen.