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15.09.1978

Ist DV-Förderung weiterhin notwendig?

Bis Ende 1979 wird das dritte DV-Förderungsprogramm der Bundesregierung auslaufen. Mehr als 3,5 Milliarden Mark an Steuergeldern werden. Mehr als 3,5 Milliarden Mark an Steurergeldern werden bis dahin in die Förderung der Datenverarbeitung eingeflossen sein.

Die DV-lndustrie der Bundesrepublik konnte - so Bundesforschungsminister Dr. Völker Hauff - im Förderungszeitraum ihren Marktanteil von 4 auf 20 Prozent ausweiten. Hauff gibt nun zu bedenken, daß es möglich sein müsse, in der Datenverarbeitung ohne weitere Hilfsmittel - sprich Fördergelder - auszukommen. Konsequenz: Es wird kein viertes DV-Förderungsprogramm geben. Dennoch sind einige "Betroffene" der Meinung, daß die Datenverarbeitung in der Bundesrepublik weiterhin gefördert werden sollte. Welche Auswirkungen beim Ausbleiben der Förderung befürchtet werden, zeigen die Statements der Befragten. hz

Gemeinschaftsaktion Impuls

Dipl.-Ing. Peter Dietz

Dietz Computer-Systeme, Mülheim/Ruhr

Dipl.-Kfm. Eberhard

Färber

PCS Periphere Computer Systeme, München

Dietrich Jaeschke

PSI Gesellschaft für Prozeßsteurungs- und Informationssysteme mbH, Berlin

1. Die Datenverarbeitung nimmt in allen Gebieten, die zum Beispiel von der Energieversorgung über den Maschinenbau bis zum Umweltschutz, heute und morgen von volkswirtschaftlicher und gesellschaftlicher Bedeutung sind, eine Schlüsselrolle ein. Außerdem gehen gerade auch von ihr die erwarten und notwendigen innovativen Impulse für die Förderung der Gesamtwirtschaft aus, derer sie dringend bedarf.

2. Um diesen Zielen gerecht zu werden, wird die DV-Industrie auch künftig hohe Aufwendungen haben. Angesichts der massiven staatlichen Unterstützung der DV-Industrie in anderen Ländern erscheint es angebracht, über die Frage des öffentlichen Engagements - in welcher Form immer - auch weiterhin nachzudenken.

3. Wie es auch das amerikanische Beispiel zeigt, gehen wesentliche Impulse der Innovation in der Datenverarbeitung von kleinen und mittelländischen Unternehmen aus. Gerade diesen Unternehmen fällt es schwerer, die relativ großen Entwicklungsaufwendungen zu erbringen.

4. Nutznießer der bisherigen DV-Programme waren zu einem überwiegenden Teil die Großunternehmen und dies birgt die Gefahr in sich daß Wettbewerbsverzerrungen

staatlicherseits initiiert werden.

5. Selbst wenn es künftig keine direkte DV-Förderung mehr geben sollte, werden - wie bisher auch DV-orientierte Projekte über den Umweg anderer Programme - von der Humanisierung der Arbeitswelt aber die Energieeinsparung bis hin zur Reaktorsicherheit - massive Unterstützung erfahren. Allerdings ist zu befürchten, daß die mittleren und kleineres DV-Unternehmen davon, wie die bisherige Erfahrung zeigt, kaum profitieren werden. Dies könnte auf eine strukturpolitisch sehr bedenkliche Entwicklung hinauslaufen.

6. Es sollte daher künftig eine Politik verfolgt werden, die gerade kleinere Unternehmen in die Lage versetzt, in stark innovativen Bereichen wie der Datenverarbeitung auf Dauer erfolgreich zu sein. Dies würde den von Bundesforschungsminister Hauff in letzter Zeit selbst immer wieder geäußerten Forderungen entsprechen, wenn den Worten nun entsprechende Taten folgen.

Dr. Gerhard Heldmann

Softlab GmbH, München

Ziel der ersten beiden DV-Programme war es, die technologische Lücke der 60er Jahre zwischen den USA und Europa bei mittleren und großen Systemen zu schließen. Die Fortschritte der deutschen Groß-EDV-Industrie auf dem Gebiet der Magnetplattenspeicher, der Drucker, der Zentraleinheiten und der Halbleiter-Technologie beweisen Nutzen und Notwendigkeit dieser Förderung (Siemens und AEG-Telefunken erhielten 1975 bis 77 insgesamt 314 Millionen Mark DV-Förderungsmaterial) .

Im dritten DV-Programm steht nun die dezentrale Informationsverarbeitung im Mittelpunkt, womit eine Verschiebung von der Großtechnologie zu kleinen Systemen, Anwendungsprojekten und der Softwaretechnologie, aber auch zur Strukturverbesserung im Bereich der kleinen und mittleren Unternehmen erfolgte. Technologisch steht hier die Entwicklung (auch in den USA) erst am Anfang. Auf diesem Gebiet ist der deutschen Industrie, insbesondere den mittleren Unternehmen, die Chance geboten Know-how und Verfahrenstechnik auch nach Übersee zu exportieren - wie Softlab dies mit der Einführung des interaktiven Programmiersystems PET in die USA gezeigt hat Gerade die mittleren und kleinen Unternehmen besitzen in der Regel jedoch nicht die erforderliche Finanzkraft der Großunternehmen zur Entwicklung dieses Know-how. Hier sollte die künftige DV-Förderung Platz greifen, dies vor allem auch, um die für erfolgreiche Innovationsforschung und Entwicklung dringend erforderliche Branchen-Strukturverbesserung (analog den USA) zu unterstützen.

Andere mit uns auf dem internationalen DV-Markt konkurrierende Länder (zum Beispiel Japan) betreiben eine konsequente und zielgerichtete DV-Förderungspolitik. Bei einem WegfalI der Förderung der deutschen DV-lndustrie wäre es absehbar, daß die Bundesrepublik auf diesem Markt zu einem Entwicklungsland wird. Die Folgen für die gesamte Volkswirtschaft wären ungleich größer als der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit der optischen Industrie.

Dr. Heinz Janisch

Siemens AG, Geschäftsbereich Datenverarbeitung, München

Wir gehen davon aus, daß nach dem Auslaufen des 3. Förderungsprogramms, das die ihm gesteckten Ziele voll erreicht hat, kein dem 3. Programm entsprechendes 4. DV-Förderungsprogramm folgen wird. Andererseits wird der gesamte Komplex der technischen Kommunikation und Informationstechnik wegen seiner überragenden Zukunftsbedeutung in der künftigen Föderungspolitik der Bundesregierung einen angemessenen Platz finden müssen.

Prof. Dr. Fritz Krückeberg

GMD Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung mbH, St. Augustin

Eine Förderung der Informationsverarbeitung im weit verstandenen Sinne ist künftig sicher notwendig- es wäre von vornherein aber eine zu enge Perspektive, die DV nur für sich zu sehen. Für eine Förderung der Informationsverarbeitung, die allerdings auf keinen Fall als eine bloße Fortsetzung der bisherigen DV-Programme zu verstehen ist, gibt es zwei wesentliche Gründe:

a) Wenn die Bundesrepublik international langfristig konkurrenzfähig bleiben (oder werden) will, so muß sie besonders im Bereich der Schlüssel-Technologien leistungsfähig sein. Dies gilt im Hinblick auf die allgemeine Entwicklungstendenz in Richtung einer Informationsgesellschaft (die DV dringt immer mehr an den Arbeitsplatz und prägt das Berufsleben, sie kommt in immer mehr Bereichen des täglichen Lebens zum Tragen und beeinflußt die Privatsphäre (die Japaner sagen: Jôhôka Shakai) ganz besonders für die Datenverarbeitung welche in den USA und in Japan unter den gegebenen industriellen und regierungsseitigen Konstellationen eine sehr intensive Entwicklung erfährt. Dabei ist die DV in enger Verzahnung zu sehen mit den Informations- und Kommunikationstechnologien und der Textverarbeitung.

b) Es ist wichtig, daß gesellschaftliche Nachteile verhindert werden, die durch einseitig technologisch ausgerichtete Entwicklungen entstehen können. Durch gezielte Förderpolitik, insbesondere durch Förderung von Pilotprojekten, die gesellschaftlich sinnvolle und menschengemäße Lösungen aufzeigen, muß hier etwas getan werden. Man denke etwa an interaktive Systemlösungen, die dazu beitragen, kooperative Arbeitsformen im Produktionsprozeß zu ermöglichen und der Vereinzelung und Passivierung entgegenzuwirken.

Außerdem gibt es bei entsprechender Förderpolitik Chancen zur Steigerung der Leistungsfähigkeit bei mittleren und kleineren Unternehmen (sowohl im Bereich der Anwender als auch der Hersteller von DV-Geräten und von Software). Dies ist also ein strukturpolitischer Aspekt. Dabei sind zahlreiche Ansätze für die Förderung von Anwendergruppen und Anwendungen zu sehen. Zum Beispiel durch Schaffung von Verfahren zur flexiblen und erweiterungsfähigen Implementation dezentraler Informations- und Verarbeitungssysteme mit hohem Wirkungsgrad und erschwinglichem Aufwand.

Hinzukommt, ausgehend von dezentralen Einsatzformen der DV am Arbeitsplatz, ein Vordringen der DV in viele Bereiche der öffentlichen Vollzugsverwaltung und der politischen Planung. Hierfür sind bürgernahe, handhabte und durchschaubare Lösungen zu entwickeln, zu erproben und für eine Einführung aufzubereiten. Ohne intensive Anstrengungen besteht hier die Gefahr, daß Schwerfälligkeit und Eigengesetzlichkeiten der Bürokratie rapide zunehmen. Auch dies muß durch gezielte Förderpolitik intensiv angegangen werden.

Peter Lange-Hellwig

Verband Deutscher Rechenzentren e. V. (VDRZ), Hannover

Bei der derzeitigen Hektik um die Frage der Fortschreibung des 3. DV-Förderungsprogrammes sollte man nicht übersehen, daß es auch weiterhin eine Förderung der Informationsverarbeitung aus Steuergeldern geben wird!

Die Akzente und sicher auch die Größenordnung werden allerdings woanders liegen. Während rund 75 Prozent der bisherigen Fördermittel, und das sind immerhin 3,5 Milliarden Mark, in die Hardware-Industrie flossen, werden künftige Fördermittel der Anwendung der Informationsverarbeitung, also Anwendern und Anwendergruppen, zugute kommen, wobei diverse Medien, wie Kabelfernsehen, Bildschirmtext, offene Datenverarbeitungsnetze (Datenpaketdienste) eingeschlossen sind.

Zieht man ein Fazit über die bisherige Förderungspolitik, so muß man dem Minister recht geben wenn er meint, daß durch erfolgreiche Förderungsmaßnahmen auf dem Hardware-Sektor der Markanteil nationaler Unternehmen in der Bundesrepublik immerhin von 4 auf 20 Prozent gestiegen ist. Ihm scheint der Zeitpunkt gekommen, wo die Verbliebenen (nicht die Verblichenen) sich ohne Fördermaßnahmen am Markt behaupten sollten.

Allerdings konnten die Hardware-Fördermaßnahmen nicht verhindern, daß die Firmen Singer, Xerox, Krantz, Hohner die DV-Geschäftsbereiche aufgaben und Schrem und Anker das Handtuch warfen.

Ohne Schadenfreude kann mit Genugtuung festgestellt werden, daß künftige Fördermaßnahmen offensichtlich nun unter dem Globalaspekt der Erhöhung der bundesrepublikanischen Wettbewerbsfähigkeit schlechthin als dem exportorientierten EG-Land gesehen wird.

Wie auf Anfrage aus dem BMFT verlautet, sind die Vorschläge des Verband Deutscher Rechenzentren (VDRZ) in Bonn deshalb besonders willkommen, weil sie die Ausweitung von DV-Anwendungen für die mittelständische Wirtschaft zum Ziele haben. Es gibt wohl kaum eine Branche mit vergleichbarer gesamtwirtschaftlicher Bedeutung, etwa eine Million Mittel- und Kleinbetriebe arbeiten mit der automatisierten Datenverarbeitung, ohne eigenen Computer.

Die BMFT-Absicht, kein viertes DV-Förderungsprogramm zu veranstalten, ist sicher mancherorts unpopulär; ungerechtfertigt ist sie nicht .

Otto Müller

CTM Computertechnik Müller GmbH, Konstanz

Ich halte es für richtig, daß es das bisherige Förderungsprogramm nicht mehr geben wird. Denn dadurch wurden hauptsächlich die größeren Hersteller auf Kosten der Steuerzahler gefördert. Es sind zu viele Summen aus dem Förderungsprogramm falsch oder wenig nutzbringend angewendet worden. Ich glaube, daß dadurch endlich einmal ehrlichere Marktverhältnisse geschaffen werden.

Wenn keine Förderung mehr bewilligt wird, werden, wie schon gesagt, bessere Marktverhältnisse geschaffen und ich sehe für CTM keine beziehungsweise keinerlei große Auswirkungen, da wir bisher aufgrund der bisherigen Konzeption des DV-Förderungsprogrammes kaum Mittel daraus für die Entwicklung einsetzen konnten.

Helmut Rausch

Nixdorf Computer AG, Paderborn

Eine weitere Förderung der DV ist nötig.

Allerdings sollten dabei andere Prioritäten gelten als bisher. Jahrelang standen "großtechnologische" Projekte im Mittelpunkt der Förderung. Hierdurch sollte ein "technological gap" gegenüber den USA beseitigt werden. Wir haben immer schon gefordert, der Umsetzung vorhandener technischer Lösungen in Anwendungen beim Kunden größere Aufmerksamkeit zu widmen als der mehr oder weniger marktfernen Laborentwicklung.

Diese Meinung hat sich im letzten DV-Programm der Bundesregierung erfreulicherweise stärker durchgesetzt. Wir stehen aber - was die Verlagerung von Computerleistung an den Arbeitsplatz angeht erst am Anfang. Die Möglichkeiten, die DV als Werkzeug für den Sachbearbeiter dezentral einzusetzen, sind noch nicht ausgeschöpft. Auf dem weiteren Weg der Dezentralisierung von Computerleistung müssen nicht nur organisatorische Probleme gelöst, sondern auch technologische Voraussetzungen geschaffen werden.

Diese Schwierigkeiten und Probleme müssen wir in den Griff bekommen und lösen, weil erst mit der Dezentralisierung von DV-Leistung der eigentliche leistungssteigernde Effekt erzielt wird.

Auf diesen Effekt ist unsere Wirtschaft dringend angewiesen, sowohl zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit wie zur Sicherung der Arbeitsplätze.

Da die weitere Entwicklung entsprechender Werkzeuge und dazugehöriger Systemlösungen möglichst schnell erfolgen muß, kann auf eine sinnvolle DV-Förderung aus gesamtwirtschaftlichem Interesse nicht verzichtet werden.

Und noch etwas: Nachdem die DV-Förderung sich zu Anfang nahezu ausschließlich auf sehr große Firmen wie Siemens und AEG konzentrierte, können inzwischen auch kleinere Firmen partizipieren.

Wenn man sich allerdings Programme wie das Bauelemente-Programm oder das neugeplante Programm "Technische Kommunikation" ansieht, kann man nur hoffen, daß hier keine "Naturschutzparks" für "große Tiere" entstehen. Sollte die jetzige DV-Förderung solchen Programmen "geopfert" werden, wäre dies auch aus strukturpolitischen Gründen sehr zu bedauern.

Gerd E. Weers

Triumph/Adler Büromaschinen- und Computergruppe, Nürnberg

Zur Frage der Förderung muß generell festgestellt werden, daß mit den gezielten Programmen und Aktionen des BMFT schon vor Jahren eine positive Entwicklung eingeleitet und im Laufe der Zeit die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen EDV-Hersteller spürbar verbessert und gestärkt wurde.

Ohne die Förderprogramme wäre dieses Ergebnis nie erreicht worden. An dieser Stelle gebührt vor allem dem früheren Ressortminister Matthöfer und seinem damaligen Staatssekretär und heutigen Nachfolger Dr. Hauff ein herzliches Dankeschön für ihr Engagement.

Nachdem in einigen Bereichen vor allem in der MDT, Wettbewerbsnachteile teilweise aufgeholt werden konnten, ist die neue Zielsetzung, 1980 die Förderung auslaufen zu lassen, vom Ansatz her als Herausforderung an die Industrie im Prinzip zu begrüßen. Trotzdem meine ich, daß eine abrupte Einstellung der Förderungsmaßnahmen zu negativen Konsequenzen führen muß.

Den deutschen EDV-Herstellern - vor allem im mittleren und unteren Bereich - ist es bisher nur begrenzt gelungen, sich auf dem für einen wirklichen Erfolg entscheidenden Markt, den USA, zu engagieren, wobei die monetären Ereignisse der letzten zwei Jahre außerhalb der Kontrolle der Industrie und auch der Bundesregierung waren. Gerade diese erschwerten Bedingungen dürften in Zukunft nicht unberücksichtigt bleiben, denn ein Dollarkurs, der um zwei Mark liegt oder darunter, ist und bleibt eine Absatzbremse.

Wenn keine weitere Förderung gewährt wird, besteht Gefahr, daß sich die inzwischen verbesserte Wettbewerbssituation der deutschen EDV-Hersteller erneut verschlechtert, denn eines ist sicher: Der technologische Vorsprung der amerikanischen Elektronik-Industrie ist zwar etwas verkürzt, bei weitem aber noch nicht aufgeholt worden, von der Kapitalkraft ganz zu schweigen.