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23.04.1999

Ist Hewlett-Packard ein Computerunternehmen?

MÜNCHEN (jm) - Bis Compaq sich Tandem und Digital einverleibte, galt Hewlett-Packard nach der IBM als weltweit zweitgrößter Anbieter von Computersystemen. Das war fürs Renommee gut, aber wahrscheinlich auch seinerzeit schon falsch.

Auf der CeBIT ''99 wurde HP-Deutschland-Chef Jörg-Menno Harms gefragt, ob die Ausgliederung der Meßtechnikorganisation aus dem Gesamtkonzern in eine komplett eigenständige, börsennotierte Firma bereits der letzte Schritt der Restrukturierung des HP-Konzerns sei. Die Erkundigung zielte auf eine mögliche Herauslösung auch des Drucker- und Peripheriegeräte-Geschäfts aus dem Stammhaus. Diese Option verneinte Harms seinerzeit mit der etwas lahmen Begründung, für die verschiedenen Hardwareprodukte existiere ja ein gemeinsamer Kundenstamm und ein darauf abgestimmter Vertrieb.

Diese Argumentation ist zu durchsichtig, als daß sie wahr sein könnte. Ein Massenprodukt wie Drucker in diverse Vertriebskanäle zu schwemmen, ist die eine Sache. Ein gänzlich anderes Geschäftsmodell ist für den Verkauf von Hochleistungs-Servern samt der dazugehörigen Dienstleistungen an IT-Zentralen vonnöten.

Daß HP nicht vom Druckergeschäft lassen will, hat deshalb wohl mit einer Tatsache zu tun, die die Firma nicht ins grelle Licht gerückt sehen möchte. Das Unternehmen stellt sich in der Öffentlichkeit bekanntlich gerne als Anbieter eines allumfassenden IT-Portfolios dar. Dieses bediene, so die Werbebotschaft der Kalifornier, alle nur denkbaren Wünsche der DV-Anwender zur Lösung sämtlicher IT-Probleme, sei es am Arbeitsplatz oder im Großrechenzentrum.

Was von dieser Aussage aber zu halten ist, mag sich jeder selbst denken, der den Gesamtumsatz des Unternehmens im Geschäftsjahr 1998 (Ende: 31. Oktober 1998) von 47,89 Milliarden Dollar auf die einzelnen Geschäftsfelder herunterbricht (siehe Grafik Seite 39).

HP ist in die beiden Bereiche Computer- und Meßtechnikorganisation unterteilt. Letztere erzielte 1998 rund 7,8 Milliarden Dollar Umsatz. Sie wird in den kommenden zwölf bis 18 Monaten in die Selbständigkeit entlassen werden.

Die Computerorganisation teilt sich in die vier Geschäftsfelder Hardcopy-Produkte und Peripherie, Computersystems (Workstations und Server), PC und Massenspeicher sowie Services und steht für den restlichen Umsatz von 40,105 Milliarden Dollar.

Allein mit den Hardcopy-Produkten setzte HP 1998 rund 20 Milliarden Dollar um, also 50 Prozent des gesamten Umsatzes der Computerorganisation. In diesen Bereich fallen in erster Linie sämtliche Drucker samt deren lukrative Ersatzteilkomponenten wie Tintenpatronen etc. Auch Scanner sowie die sogenannten All-in-one-Systeme, die also Printer, Scanner und Faxgeräte zu einer Einheit verschmelzen, fallen in diese Geschäftskategorie.

Massenspeicher, also etwa DVD-Laufwerke und CD-ROM-Speichertürme sowie Speicher-Arrays etc., spülten HP 1998 zwei Milliarden Dollar in die Kassen. Services stehen für weitere 6,95 Milliarden Dollar des Gesamtumsatzes der HP Company.

Diese Zahlen entblößen eine ernüchternde Tatsache: Lediglich elf Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaftete Hewlett-Packard mit PCs, Workstations und Servern, mithin dem Kerngeschäft eines DV-Anbieters neben dessen Dienstleistungsangebot.

Auf dem Papier stellt sich HP als umfassender IT-Systeme- und -Dienstleistungs-Lieferant dar. Das imposante Komplettangebot vom Handheld bis zum Supercomputer inklusive IT-Services täuscht dabei ein Unternehmen vor, daß noch vor wenigen Jahren der IBM als IT-Branchenprimus das Wasser reichen wollte.

Tatsächlich aber liegt mittlerweile nicht nur Compaq weit vor HP als IT-Komplettanbieter. Auch eine Firma wie Dell weist wesentlich höhere Umsatzzahlen für seine Computersysteme auf als die Nachfolgeorganisation der Firmengründer Bill Hewlett und Dave Packard. Der Gesamtumsatz für Dells Geschäftsjahr 1998/99 (Ende: 29. Januar 1999) von 18,243 Milliarden Dollar teilt sich auf in das PC-Geschäft (rund 11,6 Milliarden Dollar), Server (rund 2,4 Milliarden Dollar) und Notebooks (rund 4,2 Milliarden Dollar).

Angesichts solcher Zahlen dürfte es interessant sein, wie HP den Anspruch des führenden IT-Rundumanbieters für die DV-Zentren dieser Welt in Zukunft legitimiert. Scott McNealy, Chief Executive Officer (CEO) von Sun Microsystems, hat zumindest für die Firmenkurzbezeichnung von Hewlett-Packard schon eine eigene Deutung: HP, so das Schandmaul der DV-Industrie, stehe für Hospitals and Printers.