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25.04.2003 - 

Kolumne

"Ist Linux noch aufzuhalten?"

Christoph Witte Chefredakteur CW

Kennen Sie das auch? Je älter man wird, desto häufiger ereignen sich Déjà-vus. Anfangs ist man darüber noch erstaunt und fühlt sich alt, wenn sich nach 20 oder 30 Jahren Mode zu wiederholen beginnt und wenn Coverversionen von Songs erschallen, die man schon in den 70er Jahren mitgegrölt hat. Aber spätestens mit Mitte 40 sind Wiederholungen ganz normal geworden. Allerdings werden sie nicht mehr als Plagiate eingestuft, sondern als Muster, die in Variationen immer wieder neu gezeichnet werden.

Die Variation eines solchen wichtigen Musters scheint mir das Thema Linux zu sein. Am Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre befand sich Unix in einem ähnlichen Entwicklungsstadium wie das Open-Source-Betriebssystem heute. Alle redeten darüber, viele Unternehmen erprobten damals den Einsatz von Unix im kommerziellen Umfeld (im technisch-wissenschaftlichen Bereich war es schon seit geraumer Zeit führend). Hardware- und Softwareanbieter begannen, das System ernst zu nehmen. Vor allem Hersteller der so genannten mittleren Datentechnik zeichneten plötzlich Migrationspfade auf, um ihre Kunden bei der Stange zu halten.

In den folgenden Jahren - Unix setzte sich trotz vieler unterschiedlicher Derivate auf breiter Front durch - starben die Anbieter der mittleren Datentechnik aus. Selbst die Hersteller IBM-kompatibler Mainframes brachen unter dem Unix-Druck zusammen, verschwanden vom Markt oder orientierten sich komplett um.

Die Preisfrage lautet deshalb: Wiederholt Linux die Unix-Geschichte, oder, anders gefragt, hat Linux das gleiche industrie- und anwendungsverändernde Potenzial? Nein! Dabei scheint das Potenzial von Linux paradoxerweise sogar größer zu sein, weil es bisher nicht in Herstellerdialekte zerfallen ist, die die Entwicklung von Unix stark eingeschränkt haben. Aber die Branche arbeitet heute mit anderen, flexibleren Strukturen als noch vor zehn oder fünfzehn Jahren. Deshalb wird Linux zwar großen Einfluss auf die Preisgestaltung der Hersteller haben, aber nur wenige aus dem Markt drängen oder neu entstehen lassen. Außerdem haben Betriebssysteme heute längst nicht mehr die Bedeutung wie noch Ende der 80er. Damals fußte die Entwicklung von Anwendungssoftware noch mehr oder weniger auf dem Betriebssystem. Heute sorgt clevere Middleware dafür, dass Applikationen Betriebssystem-unabhängiger ablaufen können.

Doch selbst Linux-Skeptiker müssen damit rechnen, dass der Siegeszug des offenen Betriebssystems nicht aufzuhalten ist. Anbieter, die ihre Produkte eng an ein bestimmtes Betriebssystem koppeln, werden auf Linux eine Antwort finden müssen. Denn auch das lehrt uns die (ökonomische) Geschichte: In der Regel setzt sich die preiswertere Technik durch.