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Neue Produkte sollen Aufträge von Großunternehmen sichern

Ist Loudcloud gerüstet zum Höhenflug?

11.05.2001
MÜNCHEN (CW) - Loudcloud, die neueste Gründung von Netscape-Vater Marc Andreessen, will sich als Application-Management-Provider etablieren. Das Unternehmen übt sich damit im Spagat zwischen kritischen Investoren und großen Konkurrenten IBM Global Services und EDS.

Bis vor kurzem war dies noch der Stoff, aus dem Legenden entstehen: Vier kreative Köpfe der IT-Branche identifizieren ein grundlegendes Problem, in diesem Fall das des Geschäftserfolges im Internet, erfinden dafür eine innovative Lösung, gründen ein Unternehmen und gehen an die Börse. So geschehen im Fall von Loudcloud, dem jüngsten Ziehkind des Netscape-Gründers Marc Andreessen.

Doch anders als bei vielen Vorgängern der IT-Branche ist der Ausgang der Geschichte noch offen, sind die Erwartungen aufgrund der speziellen Umstände höher als bei anderen Newcomern. Die Beteiligten sind nämlich keine Unbekannten: Andreessen, Erfinder des ersten Mosaic-Browsers, sein Partner Ben Horowitz, Tim Howes, Entwickler des Leightweight Directory Access Protocol (LDAP) und Sik Rhee, Entwickler des Kiva Application Servers.

Hinter ihrem Geschäftsmodell steckt die Idee, als Dienstleister die Web-Seiten anderer Firmen zu hosten. Jedoch bleibt die Leistung nicht auf das Hosting beschränkt, denn mit der Produktreihe "Integration Smart Cloud" bietet das Unternehmen die Infrastruktur zum Betrieb einer Website mitsamt Datenbanken, Sicherheitstechnik und Applikations-Server an.

"Opsware 2i" heißt die jüngst vorgestellte, noch in den Testläufen befindliche Software, die die Verwaltung von Web-Anwendungen automatisieren soll. Sie wird in das Datenzentrum eines Kunden integriert, so dass die für das Internet relevanten Abläufe dann extern durch Loudcloud verwaltet werden können. Damit bleibt den Firmen ein Großteil der Investitionen in Hardware, Software und Outsourcing ihrer Internet-Anwendungen erspart.

Die Ankündigung der neuen Software demonstriert Loudclouds geplante Neuorientierung weg von der Konzentration auf Startups hin zu den Großfirmen, nicht zuletzt deshalb, weil die Zahl der Newcomer nach der Nasdaq-Flaute dramatisch abgenommen hat. Internet-Wunderkind Loudcloud ist dabei noch gut weggekommen, wurde es doch nur sieben Monate vor dem Börseneinbruch vom März 2000 gegründet, und schaffte vor zwei Monaten als einer der wenigen Kandidaten das Going Public. Jedoch nicht ohne Federn zu lassen: Der Einführungspreis betrug lediglich sechs Dollar pro Aktie, erzielt wurden insgesamt rund 150 Millionen Dollar, die der aufstrebende Internet-Star zur Erweiterung seiner Geschäfte auf Großkunden dringend benötigte.

Trotz ambitionierter Pläne und der Tatsache, dass Loudcloud nach zwei Jahren 550 Mitarbeiter beschäftigt, zeigen sich die Investoren bisher sehr reserviert. Auch dass das Unternehmen bereits jetzt Verträge für die nächsten zwei Jahre im Wert von rund 120 Millionen Dollar abgeschlossen hat - unter anderem mit Nike, Ford und Blockbuster - beruhigt die Geldgeber nicht. Zu schwer wiegt die Tatsache, dass das Unternehmen in seinen ersten 15 Monaten 200 Millionen Dollar ausgegeben, jedoch nur 15 Millionen Dollar Umsatz erzielt hat. Ebenfalls wenig Freude macht die jüngste Meldung, dass Loudcloud die Entlassung von 19 Prozent seiner Gesamtbelegschaft bekannt gab. Auch heizt ein Detail aus der Vergangenheit, nämlich dass die von Andreessen geführte Firma Netscape einst als Highflyer an der Nasdaq Einzug hielt, bevor sie als unprofitabler Loser von AOL aufgekauft wurde, nicht gerade die Begeisterung für Loudcloud an. Gemunkelt wird, dass Andreessen, der zwei Millionen Dollar seines Privatvermögens in sein neuestes Projekt investierte, den IPO zusammen mit zwei weiteren Investoren durch Aktienkäufe beflügelte - dies drückt ebenfalls die Stimmung.

Es bleibt abzuwarten, ob Großkunden, die einiges in den Aufbau ihrer Internet-Infrastruktur investiert haben, sich von Loudcloud überzeugen lassen werden, dass deren Outsourcing-Anwendungen Kosten vermeiden helfen. Auch werden die Internet-Innovatoren beweisen müssen, dass sie mit einer im Vergleich zu den Wettbewerbern IBM und EDS kleinen Mannschaft die gleiche Effizienz liefern können. Laut David Boulanger, Research Director bei AMR, ist das Management von Applikationen und Geschäftsprozessen ein hartes Geschäft, das fundierte Kenntnisse über die Integration und vertikale Prozesse verlangt.

Einfache Lösung fürs MessagingLoudcloud zeigt sich jedoch gelassen und verweist darauf, dass die Software "Intergration Smart Cloud" eine einfache Lösung liefert. Sie basiert auf der Message-Qeuing-Technology, mit der Daten in "Echtzeit" zwischen verschiedenen Computersystemen ausgetauscht werden können. "Das Tool verbindet Abläufe im Internet mit Ihrer ERP und dem Mainframe, indem es Daten aus dem einen System zieht und in das andere einspeist", so Cheftechnologe Horowitz.

Ob Loudcloud demnächst tatsächlich profitabel wirtschaften und seiner Aura als Internet-Highflyer gerecht werden kann, bleibt abzuwarten. Im vergangenen Jahr hat die Branche der Hosting-Provider Millionen Dollar verloren. Trotzdem gibt sich Horowitz zuversichtlich. Die Erfolgsbasis des Geschäfts habe Bestand: "Hosts bleiben weiter wichtig, denn niemand wird 2001 noch seine eigene Infrastruktur errichten wollen." Bewahrheitete sich diese kühne Behauptung, könnte Loudcloud vielleicht doch der Durchbruch gelingen.