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18.06.2004 - 

Henning Kagermann betont eigene Stärke

Ist SAP für Microsoft zu teuer?

MÜNCHEN (ba) - Nach den gescheiterten Übernahmeverhandlungen zwischen SAP und Microsoft bemühen sich die Verantwortlichen um Schadensbegrenzung. Das deutsche Softwarehaus sei stark genug, auch allein im weltweiten Wettbewerb zu bestehen, verlautete aus Walldorf. Analysten sind darüber jedoch geteilter Meinung. Auch über die weitere Strategie Microsofts herrscht Ungewissheit.

Auf Seiten der SAP sind die Verantwortlichen bemüht, die Bedeutung der gescheiterten Übernahmegespräche mit Microsoft herunterzuspielen. "Wir haben eine Option ausgelotet. Mehr war das nicht", sagte SAP-Chef Henning Kagermann der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". In anderen Branchen sei dies an der Tagesordnung. Er gehe nicht davon aus, dass Microsoft weitere Ambitionen in Sachen SAP wie zum Beispiel eine feindliche Übernahme hege.

Ein gewichtiges Wort hätten dabei die SAP-Gründer Dietmar Hopp, Hasso Plattner und Klaus Tschira mitzureden. Sie halten derzeit mit ihren Familien, Stiftungen und Beteiligungsgesellschaften rund 38 Prozent der SAP-Anteile. Hopp räumte gegenüber dem Nachrichtenmagazin "Focus" ein, dass eine Fusion mit Microsoft durchaus ihren Reiz gehabt hätte: "Das wäre ein unschlagbares Gebilde geworden."

SAP hat sich nicht gewehrt

Helmuth Gümbel, Analyst der Unternehmensberatung Strategy Partners aus dem schweizerischen Scuol, ist der Meinung, die SAP-Verantwortlichen seien einem Verkauf des Unternehmens offenbar nicht abgeneigt und wollten Kasse machen, bevor es zu spät sei. In aller Regel wehre sich ein Firmen-Management zunächst gegen eine Übernahme. Unter diesem Aspekt müsse man sich fragen, wie sicher SAP die eigene Zukunft beurteilt.

Von den Möglichkeiten, mit einem Verkauf seiner SAP-Anteile abzukassieren, will Hopp jedoch nichts wissen. Er selbst hätte eine Bezahlung in Aktien bevorzugt, versichert der SAP-Mitbegründer. "Ich hätte kein Interesse daran gehabt, nur Geld zu bekommen und mit der Firma anschließend nichts mehr zu tun zu haben." Mit Microsoft wäre SAP vielleicht 20 Jahre auf der sicheren Seite gewesen. So seien es nur fünf Jahre. Allerdings, so Hopps "Bauchgefühl", hätten beide Seiten die Sache wegen nicht abwägbarer Risiken abgeblasen.

"SAP war Microsoft schlichtweg zu teuer", bilanziert dagegen Gümbel. Ein Käufer würde zirka 20 Jahre warten müssen, bis sich sein Investment gelohnt habe. Darin seien jedoch noch nicht einmal die Aufwendungen eingerechnet, die für die Integration beider Unternehmen nötig seien. "SAP ist zum derzeitigen Börsenkurs kein attraktiver Kauf."

Keine Chance bei Kartellbehörde

"Eine Fusion hätte eine ganze Reihe von positiven Effekten nach sich gezogen", glaubt dagegen Nils Niehörster, Geschäftsführer des Beratungshauses Raad Consult mit Blick auf das Produktportfolio und die Möglichkeiten, Märkte aufzurollen. Die Notwendigkeit einer Übernahme beurteilt der Analyst jedoch skeptisch. Keiner der beiden Player sei derzeit auf einen finanzstarken Partner angewiesen. Inwieweit eine Integration beider Unternehmen funktioniert hätte, darüber will Niehörster nicht spekulieren. In der Vergangenheit habe es in der Softwarebranche jedoch genügend Beispiele für problembehaftete Übernahmen gegeben. Letztendlich bleibe all dies aber Spekulation, weil die Kartellbehörden dieser Fusion niemals zugestimmt hätten.

SAP könne derzeit aus einer Position der Stärke heraus im Markt agieren, analysiert Niehörster. Mit der Überarbeitung seiner Softwarebasis übernähmen die Walldorfer eine Vorreiterrolle in der Branche. Die Aufspaltung in Softwaremodule, mit denen Anwender einzelne Prozesse abbilden können, sowie die Integration mit Hilfe der Infrastrukturplattform "Netweaver" zeichne einen Marktführer aus.

Strategy-Partners-Analyst Gümbel bezweifelt, dass SAP die Umstellung seiner Software problemlos gelingt. Dazu sei das Projekt zu groß und komplex. SAP habe bereits in der Vergangenheit mit dem Wechsel von R/2 auf R/3 große Schwierigkeiten gehabt, die das Unternehmen bis an seine Grenzen belastet hätten, erinnert sich Gümbel. Auch damals habe SAP am Rande eines Verkaufs gestanden. Allein eine Vorauszahlung von Siemens auf R/3-Lizenzen mit einem Volumen von damals über 100 Millionen Mark habe das Softwarehaus gerettet. "SAP bleibt auch dieses Mal nichts anderes übrig, als kräftig in die Pedale zu steigen."

SAP-Chef Kagermann ist davor offenbar nicht bange: "Wir schaffen es gut allein, weil wir breit aufgestellt sind." Der SAP-Chef sagt dem Markt für Business-Applikationen eine weitere Konsolidierungsphase voraus. Vor allem mittelgroße Anbieter würden über kurz oder lang aus dem Markt verschwinden. SAP selbst sei offener für Akquisitionen als noch vor vier oder fünf Jahren. Allerdings werde man keine Marktanteile kaufen, versichert Kagermann. Vielmehr sei denkbar, dass sich die Walldorfer in technologischer Hinsicht verstärkten oder Firmen übernähmen, um sich den Zugang zu einer Branche oder einem Land zu öffnen.

Konkurrenten bleiben gelassen

In der Vergangenheit habe SAPs Akquisitionspolitik wenig Effekte gezeigt, moniert jedoch Gümbel. Rund eine Milliarde Euro habe die Softwareschmiede aus dem Badischen während der vergangenen Jahre in Akquisitionen und Beteiligungen wie zum Beispiel in Sachen Top Tier, Commerce One oder Kiefer & Veittinger gesteckt, ohne dass etwas Nennenswertes dabei herausgekommen sei.

Kleinere Anbieter reagierten gelassen auf die Übernahmegespräche zwischen SAP und Microsoft. "Das hat uns überhaupt nicht tangiert", versichert Hannes Merten, Vorstandsvorsitzender der Soft M AG in München. Zwar rechnet auch er mit einer weiteren Konzentration der Branche. Der Markt werde aber nicht akzeptieren, dass es nur noch SAP und Microsoft gebe. Die derzeitigen Turbulenzen haben Merten zufolge keinen Einfluss auf das eigene Geschäft. Allerdings stellten die Kunden durchaus Fragen, wie ihr Softwareanbieter derzeit dastehe. "Klein ist gleich unsicher und groß ist gleich sicher, ist aber zu kurz gedacht." Auch die großen Anbieter stellten Entwicklungen ein, wie beispielsweise IBM, die sich vor Jahren aus dem Applikationsgeschäft verabschiedet habe.

Das Vorgehen Microsofts zeige dagegen, dass selbst Unternehmen von SAP-Format keine Garantie für ihren Fortbestand mehr bieten können, warnt Michael Boxberg, Geschäftsführer des Kölner IT-Unternehmens Abracus. Viele Unternehmen bevorzugten große Anbieter, weil diese mehr Sicherheit böten. "Das ist aber eine trügerische Illusion."

Ob das Thema wirklich vom Tisch ist, bleibt abzuwarten. Niehörster von Raad Consult berichtet von einer Begegnung zwischen SAP-Mitbegründer Hasso Plattner und Microsoft-Gründer Bill Gates vor ein paar Jahren. Damals antwortete Gates auf Plattners Bemerkung, im Grunde könnten nur Microsoft und IBM der SAP gefährlich werden: In Bezug auf Microsoft müsse sich die SAP keine Sorgen machen - sie müsse nur schneller rennen.

Weitere Gespräche möglich

Niehörster nimmt an, dass die Gespräche zwischen SAP und Microsoft weitergehen. Gerade die jüngste Ankündigung über die künftige enge technische Kooperation sei ein Beleg dafür. Es sei durchaus vorstellbar, dass es auch Joint Ventures beider Softwareanbieter in bestimmten Bereichen geben werde.

Auch Philip Carnelly, Research Director des Marktforschungsunternehmens Ovum, rechnet damit, dass Microsoft künftig mehr vom Markt für Business-Software will. Firmenchef Steve Ballmer habe angekündigt, in einigen Jahren rund zehn Milliarden Dollar jährlich mit Business-Applikationen umzusetzen. Derzeit sind es deutlich unter einer Milliarde Dollar. Mit den Übernahmegesprächen hätten die Microsoft-Verantwortlichen Carnelly zufolge gezeigt, dass sie bereit seien, groß zu denken und auch einen großen Teil ihrer Barreserven von über 56 Milliarden Dollar zu investieren. "Niemand ist sicher."