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20.12.1991

Ist SNI noch zu helfen?

Frank-Michael Fischer Unternehmensberater und Publizist, Gauting

SNI hat sich offene Produkte auf die Fahne geschrieben; das Sinix- und das Targon-Erbe sollen Synergie schaffen. Bedenkt man, daß SNI doch wohl beträchtliche Überschüsse aus dem proprietären Sektor - insbesondere aus dem BS2000-Geschäft - erzielen dürfte, so übersteigen die unlängst publizierten Verluste so. gar das großzügige Maß, das reinen Anbietern offener Systeme aufgrund des verschärften Wettbewerbs zugestanden werden könnte.

Unternehmensstrategisch sind Verluste dann zu verschmerzen, wenn sie gezielt und erfolgreich zur Ausweitung von Marktanteilen eingesetzt werden. Aus den veröffentlichten Geschäftszahlen wird klar, daß der Umsatzanteil der SNI nicht nur auf den ausländischen Märkten, sondern sogar in Deutschland zurückgeht. Fazit: Ein Unternehmen kann schwerlich schlechter dastehen als SNI nicht zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Ist die Firma noch zu retten?

Für eine Rettung spricht die ungebrochene Finanzkraft der Siemens-Mutter ebenso wie eine festverdrahtete installierte BS2000-Basis, von der sich viele Kunden nur schwer lösen können. Dafür spricht auch eine gewisse Präferenz der Politik für den Erhalt deutscher Arbeitsplätze.

Die Ironie der Marktwirtschaft bringt es jedoch mit sich, daß bei näherem Hinsehen dieselben Gründe gegen ein Überleben der SNI sprechen. War es denn nicht gerade die Finanzkraft der Holding, zusammen mit einer, sagen wir, etwas untransparenten Strukturierung des gesamten Siemenskonzerns, die bisher verhinderte, die wahre Position von Siemens am DV-Markt allzu offenbar werden zu lassen? Eine Zeitlang wurden Kommunikations- und DV-Bereich zusammengezählt, um gut auszusehen. Als dann die Zeit für unternehmerische Selbständigkeit überreif wurde, dotierte man eigene Verluste schlicht mit Nixdorf-Miesen, so daß wieder unklar blieb, wer eigentlich für die Misere verantwortlich war.

Wurde diese Verschleierung nicht auch noch durch die direkte und indirekte Förderung der öffentlichen Hand verstärkt? Ganz abgesehen davon, daß die bedenkliche Praxis, öffentliche Ausschreibungen von vornherein Siemens-freundlich zu gestalten weitaus potentere Anbieter (etwa NCR oder DEC) in diesem Marktsegment in Schwierigkeiten brachte, was sich gewiß ebenfalls negativ auf deutsche Arbeitsplätze auswirkte. Es wäre für die richtige Positionierung von SNI in Deutschland ohnehin wichtig, wenn die PR-Abteilung des Hauses einmal sichtbar machen könnte, wie viele Arbeitsplätze bei Zulieferern in den USA (zum Beispiel Pyramid) und Japan (zum Beispiel Fujitsu) auf einen Arbeitsplatz bei SNI kommen und welcher Trend sich dabei in den letzten Jahren herauskristallisiert hat.

Natürlich plädiere ich uneingeschränkt für eine internationale Arbeitsteilung. Möge SNI durchaus zur Entwicklung des Weit-Arbeitsmarktes beitragen. Dann aber geht es nicht an, daß dieses Unternehmen im Öffentlichen Marktsegment besser gestellt wird als andere internationale Anbieter. Hier zeigt sich wieder einmal, wozu es führt, wenn Politiker das Feld der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verlassen und mittels Beschaffungsmacht Marktverzerrung betreiben. Dann haben nämlich Firmen wie SNI gar keine Chance, sich am Markt zu bewähren, zu behaupten und damit unter ungeschützten Bedingungen überlebensfähig zu werden.

Die größte Hürde auf dem Weg zur Gesundung des größten deutschen Systemanbieters liegt jedoch in einem ganz anderen Bereich: Die nach außen gepredigte Offenheit bei den Produkten steht in krassem Gegensatz zur inneren Geschlossenheit beim Personal und damit unübersehbar auch bei den Ideen. Sicher übernahm Siemens

jahrelang einen Großteil deutscher Hochschulabgänger aus Informatik und verwandten Bereichen. Doch wurde damit der Arbeitsmarkt befruchtet? Reißen sich Personalberatungen um Siemens-Führungskader, wenn es gilt, die Chefsesel deutscher Dependancen internationaler Anbieter zu besetzen? Wohl kaum! Hat Siemens die Gelegenheit der Nixdorf-Übernahme genutzt, SNI einen Vorstand zu verpassen, der aus Persönlichkeiten besteht, die am DV-Weltmarkt bewiesen haben, daß sie wissen, worauf es ankommt? Ebenfalls Fehlanzeige? Statt dessen wurden wieder einmal Siemens-Laufbahnen gekrönt, teilweise auch die Interessen derjenigen Nixdorfer berücksichtigt, die es vorzogen, sich nicht dem freien Arbeitsmarkt zu stellen.

Solange Siemens nicht sichtbar dokumentiert, SNI durch Erneuerung von außen sanieren zu wollen, wird die SNI-Kundschaft gut daran tun, Alternativen noch gründlicher als bisher zu prüfen. Denn dann stellt sich die Frage, ob Siemens langfristig am Überleben von SNI Oberhaupt interessiert ist oder nicht doch lieber den Profit, mit weniger Mühe und mehr Erfahrung erzielen möchte, nämlich durch Versilbern und Geldanlegen.