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24.04.1998 - 

Thema der Woche

IT-Abteilungen ordnen sich Unternehmenszielen unter

Das Szenario des weltweiten Wirtschaftens ist gekennzeichnet von einem exponentiellen Wachstum bei gleichzeitig sinkenden Preisen für DV-Equipment und Netzbandbreiten, der schrittweisen Deregulierung der nationalen Telecom-Unternehmen und dem elektronischen Handel. Zugleich sinken die Barrieren für den Markteintritt junger Firmen, die leichter das benötigte Startkapital bekommen und innovative Produkte insbesondere im Dienstleistungsbereich schnell auf den Markt bringen. "Größe ist nicht unbedingt ein Vorteil", konstatiert Dale Kutnick, Chef und oberster Marktforscher der Meta Group. Aufgrund der sinkenden Preise für Technologie und der Möglichkeit, die Distribution über das Internet zu organisieren, könnten viele kleine Firmen schnell einfache Infrastrukturen für ihre Tätigkeiten aufbauen. Große Unternehmen müßten oft erst lernen, ihre Stärke zu nutzen, und sollten ihre Macht nur dort einsetzen, wo es sinnvoll sei: "Think big, but act small. "

DV-Chefs müssen ihr Unternehmen verstehen

Der Aufbau einer flexibleren IT-Infrastruktur, die schon allein wegen der verkürzten Produktlebenszyklen notwendig wird, erfordert ein besseres Verständnis der zukünftigen Informationsbedürfnisse des Unternehmens. Nur dann können die Voraussetzungen für eine problemlose Expansion und Entwicklung, einen Produktmix oder neue Geschäftsbeziehungen geschaffen werden. Der DV-Verantwortliche muß näher an die "Inhalte" seiner Firma heranrücken und für eine Kultur der Zusammenarbeit werben.

Innerhalb der Organisation ergeben sich für die DV-Abteilung darüber hinaus noch andere neue Prinzipien, denen sie nach Meinung der Analysten zu folgen hat. Danach muß sie wie ein eigenständiges (Service-)Unternehmen funktionieren und detaillierte Vereinbarungen über den Grad der von ihr zu erbringenden Dienstleistungen treffen, vergleichbar einem Outsourcing-Abkommen mit einem externen Dienstleister. Es sollte klar sein was von den Datenverarbeitern erwartet wird und inwieweit sie dem entsprechen. Die Service-Orientierung und die dazu notwendigen Fähigkeiten müssen passend zu den Erfordernissen der Fachabteilungen entwickelt werden. Dort sammelt sich immer mehr technisches Know-how an, das durchaus genutzt werden sollte, ohne allerdings auf eine klare Trennung der Kompetenzen zu verzichten. Kutnick: "Gute Zäune machen gute Nachbarn. "Schließlich sollten DV-Chefs immer auch eine Alternative parat haben, wenn es darum geht, Lösungen vorzuschlagen und an die Fachabteilungen zu "verkaufen". Nicht jede Lösung muß selbst programmiert werden, beispielsweise sind integrierte Softwarepakete oder Outsourcing prinzipiell immer möglich.

Die engere Zusammenarbeit mit externen Partnern kann dazu führen, daß diese auf die hauseigenen Anwendungen - über gut definierte Schnittstellen - zugreifen dürfen und beispielsweise die Logistikdaten weiterverarbeiten. Nicht nur in den USA nutzen Unternehmen Transportfirmen wie United Parcel Service (UPS) als Distributionspartner, die für die Kunden Zusatzdienste wie Warenverfolgung anbieten und dem Versendeunternehmen so Arbeit und Kosten sparen. "Die Kommunikation mit dem Geschäftspartner wird wichtiger werden als die mit den Kollegen", so Chef- analyst Kutnick. Natürlich sind die Zugriffsrechte und -möglichkeiten Externer auf die hauseigenen Daten penibel zu planen. Neben Sicherheitsaspekten stellen sich Fragen nach der zusätzlichen Bandbreite, dem Transaktionsvolumen, den Anwendungs-Schnittstellen oder dem Support. Die eigene IT-Infrastruktur hängt somit auch von der des Partnerunternehmens ab.

E-Commerce verantwortlich für Umwälzungen

Dem elektronischen Handel gehört die Zukunft, das prophezeien nicht nur die Analysten der Meta Group. Dabei stehe anders als bisher nicht das Geschäft mit dem Endkunden im Vordergrund, sondern die Beziehungen zwischen Unternehmen. Die Analysten entwarfen in London ein Szenario, in dem sich der Electronic Data Interchange (EDI) zum "Open Buying on the Internet" (OBI) wandelt. Danach werden sich asynchrone Kommunikations-Topologien bis zur Jahrtausendwende zur Echtzeitkommunikation wandeln. Standardbasierte IP-Plattformen, die auf öffentliche Sicherheits- und Directory-Dienste zugreifen, werden dann sowohl Extranet-Applikationen als auch Legacy-Umgebungen beherbergen. Meta Group empfiehlt, in jedem Fall auf Basis des Internet Protocol (IP) zu entwickeln. DV-Verantwortliche müssen sich jedoch mit der Tatsache abfinden, daß nicht ein einziges Softwarepaket oder ein Lösungsanbieter alle Belange des E-Commerce abdecken wird. Zu achten ist auf die Einhaltung von Standards wie Secure Socket Layer (SSL), die einen reibungslosen Datenverkehr zwischen der wachsenden Anzahl von Geschäftspartnern ermöglichen.

Neue Aufgaben für die Programmierer

Der beschworene Wandel trifft auch die Art und Weise, wie zukünftig Anwendungen zu entwickeln sind. "Alles ist veränderbar", postulieren die Meta-Group-Analysten und fordern, Appli- kationen bereitzustellen, die mit dem ständigen Wechsel der Geschäftsbedingungen zurechtkommen. Neuentwicklungen sollten mit dem Gedanken der Wiederverwendbarkeit konzipiert, vorhandene hauseigene Architekturen oder Produkte wenn möglich mehrmals verwendet werden. So sei es besser, eine zu 80 Prozent passende, sofort verfügbare Lösung einzusetzen als eine maßgeschneiderte, die erst in zwei Jahren zur Verfügung steht. Entwicklerteams sollten klein sein, um den Verwaltungsaufwand möglichst gering zu halten und die Bemühungen auf die angepeilte Software zu konzentrieren.

Technik muß sich nach den Anwendern richten

Generell sollten die Bedürfnisse der Anwender die eingesetzte Technik bestimmen und nicht umgekehrt. Dabei spielt der Umfang der Lösung keine Rolle, solange die Funktionalität erbracht wird - und zwar in einer Form, die Änderungen erlaubt. Der Erfolg einer Lösung hängt in hohem Maße davon ab, daß die Benutzer in die Planung einbezogen werden und Änderungswünsche artikulieren können. Noch einmal appellieren die Analysten an den Teamgeist: Eine enge Zusammenarbeit zwischen Teammitgliedern aus verschiedenen Disziplinen gekoppelt mit effektiver Kommunikation sei anzustreben.

Neben den strategischen Aufgaben kämpfen die IT-Chefs mit konkreten Alltagsproblemen wie das Verwalten heterogener Netze und Systeme. Zunehmend geben die Fachabteilungen, die ihre PCs, PC- oder Unix-Server nicht selbst verwalten können oder wollen, diese Aufgabe an die Rechenzentren zurück. Distributed Systems Management (DSM) ist deshalb derzeit ein heißes Eisen und bleibt es für die nahe Zukunft, so die Meta Group.

Nach Angaben der Analysten verlaufen 30 Prozent solcher System-Management-Projekte im Sande, weil entweder die Prozesse, beispielsweise die Softwareverteilung im Unternehmen, nicht berücksichtigt werden oder das Personal nicht ausreichend trainiert wird. "CA-Unicenter oder HP-Openview sind zu komplex, um sie nach einem sechsmonatigen Training vollständig zu beherrschen", erklärte Tom Scholtz, bei Meta Group verantwortlicher Programmdirektor für dieses Thema.

Ob ein Framework zur Lösung der umfangreichen Management-Integrationsaufgabe das geeignete Werkzeug ist, bezweifelt die Meta Group. Trotz Anstrengungen der Hersteller, solche Rahmenwerke weiterzuentwickeln, dürfte der Markt bis ins Jahr 2002 fragmentiert bleiben. Eine Alternative zu Globallösungen stellen Produkte dar, die sich mit Teilaufgaben beschäftigen, rascher implementiert werden können und dadurch entsprechend schneller einsatzbereit sind.

Vom Distributed Systems Management erwarten die Analysten, daß die Lösungen nicht vor dem Jahr 2002 in der Lage sein werden, beispielsweise komplette Applikationen über verschiedene heterogene Plattformen hinweg zu steuern und zu verwalten. Hersteller wie SAP oder Baan werden ihrer Software entsprechende Funktionen einbauen.

Für den Unterbereich der LAN-basierten Applikationen findet eine Konsolidierung des LAN- und Desktop-Managements unter der zentralen DV statt. Unter dem Druck der Diskussionen um die Total Cost of Ownership (TCO) implementieren die Hersteller von Hardware und Betriebssystemen in ihren Produkten Service-Layer (für das Jahr 2000 prognostiziert) und eine Verwaltungs-Infrastruktur (im Jahr 2001), die heutige LAN- und Desktop-Management-Werkzeuge ablösen werden. Trotz der kurzfristig trüben Aussichten sollten IT-Chefs ihr Augenmerk nicht nur auf die Auswahl geeigneter Management-Produkte richten, denn: "der Welt beste Integrationsmaschine ist der Mensch", glaubt die Meta Group.

Neben diesen wichtigen Aufgaben sehen sich DV-Manager derzeit mit einem Problem konfrontiert, das zur Überlebensfrage des Unternehmens wird. Die Datumsumstellung im Jahr 2000 sorgt dafür, daß 75 Prozent der anderen DV-Projekte auf Eis gelegt werden. Die Meta Group schätzt, daß bis jetzt nur 20 Prozent der betroffenen Programmzeilen überprüft und angepaßt wurden. Etwa 70 Prozent der 2000 weltweit größten Unternehmen liegen hinter dem Zeitplan. Zehn Prozent dieser Großunternehmen dürften nach Einschätzung vieler Analysten am 1. Januar 2000 in erhebliche Schwierigkeiten geraten. Und die Geschäftspartner dieser Firmen geraten dadurch ebenfalls in die Bredouille.

Außerdem unterschätzten die Unternehmen 1997 die Kosten für die Umstellung erheblich: "Meistens wurden die Budgets dafür 1998 verdoppelt", erklärte Carl Greiner, Vice-President der Meta Group. Zu gering veranschlagt wird oft auch der Aufwand für die Tests, die mit zwei Drittel der Kosten zu Buche schlagen. Schwierig zu bewerkstelligen seien die Prüfverfahren schon allein deshalb, weil die Programme meist nur in Teilen modifiziert werden. Bei Testläufen verknüpfen Brücken alte und neue Programmteile, was die Ergebnisse verfälscht und Gesamttests am Ende der Umstellung erfordert.

Selbst bei PCs gebe es keine Sicherheit dafür, daß sie den Jahrtausendsprung problemlos bewältigen: Bei PCs mit einem BIOS, das vor 1997 geschrieben wurde, fänden sich in 90 Prozent aller Fälle Fehler, in jüngeren Versionen immerhin noch bei 44 Prozent. Die Aussagen zu den Embedded-Anwendungen betitelte Greiner mit der Überschrift "Blood, Sweat and Testing", da sie bei der ursprünglichen Planung von Umstellungsprojekten oft vergessen werden. Für das Facility-Management sollten diese Systeme, etwa Netzgeräte wie Router, allerdings erste Priorität haben. Die Meta Group empfiehlt, gleich jetzt eine ausgefeilte Testprozedur zu implementieren, die später auch für die Neuentwicklung von Software weitergenutzt wird.

Insbesondere beim Problem 2000 trat ein Mangel zu Tage, der den DV-Abteilungen in Zukunft noch Kopfzerbrechen bereiten wird: der ungedeckte Bedarf an geeignetem Personal. Meta Group schätzt, daß derzeit weltweit vier bis fünf Millionen Arbeitnehmer im Bereich IT fehlen. In Zeiten sinkender Kosten für Mips, Memory, Speicherkapazität und Bandbreiten ist die Arbeit der einzige Faktor, der teurer wird. Anwenderunternehmen sehen sich damit konfrontiert, daß die Hersteller von IT-Produkten bereit sind, höhere Löhne als sie selbst zu zahlen. So spendiert beispielsweise Microsoft Berufsanfängern ein um 50 Prozent höheres Gehalt als sonst üblich. .

Zeitersparnis lautet das oberste Gebot bei der Software-Entwicklung. Programme und softwaregestützte Dienste müssen schneller einsatzbereit sein und rascher implementiert werden. Auch die Ökonomie fordert ihren Tribut:Die Zeitspanne bis zum Break-even-Punkt der Software soll sich verringern. Quelle:Meta Group

Gravierende Umwälzungen in der Datenverarbeitung, die vom elektronischen Handel zwischen Firmen initiiert werden, erwarten die Analysten der Meta Group für die Zukunft. Der IT-Chef hat hauptsächlich dafür zu sorgen, daß die benötigte Infrastruktur rechtzeitig bereitsteht. Dazu rückt er näher an das Kerngeschäft des Unternehmens heran, denn er muß darüber informiert sein, was die Fachabteilungen planen, um den zukünftigen Bedarf an IT-Equipment decken zu können. Seine Aufgabe liegt darin, die Unternehmens-IT auf den permanenten Wandel vorzubereiten. Neben den "Hausaufgaben" wie System-Management oder Software-Entwicklung sieht er sich derzeit mit zwei zusätzlichen Problemen konfrontiert: dem Problem 2000/Euro sowie der Personalknappheit beim Fachpersonal.