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04.12.1992 - 

Berliner-Bank-Tochter kooperiert mit russischen Mosstroi-Bank

IT-Ausstattung und Schulung der Beschäftigten gehen Hand in Hand

Den neu gegründeten Privatbanken in den GUS-Staaten fehlt es teilweise nicht nur am bank- und finanzwirtschaftlichen Know-how, sondern auch an DV-Kenntnissen, Die BB-Data GmbH, eine Tochtergesellschaft der Berliner Bank AG, stattet eine Musterfiliale der Mosstroi-Bank in Moskau mit moderner Informationstechnologie aus und schult auch die Mitarbeiter.

Die politischen Umwälzungen innerhalb der GUS haben in den letzten Jahren zur Gründung einer Reihe von privaten Geldinstituten geführt. Zur Zeit sind es zirka 2000 kommerzielle Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken.

Ihre derzeitigen Arbeitsabläufe und ihre technische Ausstattung entsprechen nicht dem Umfang der Aufgaben, die sie in dem volkswirtschaftlich wichtigen Bereich des Bankwesens in Rußland in den nächsten Jahren zu bewältigen haben, um die Grundlage für eine prosperierende Wirtschaft und einen erfolgreichen Außenhandel zu schaffen.

Seminar über modernes Bankwegen

Diese Erkenntnis und die bereits bestehende partielle Ausrichtung der BB-Data-Gruppe auf östliche Märkte veranlaßte uns, Kontakt zu potentiellen Vertragspartner in der GUS zu suchen. Der erste Kontakt zu einem Moskauer Unternehmen, das Beziehungen zu russischen Banken unterhalte wurde der BB-Data GmbH, Berlins größtem Systemhaus, Mitte 1991 von ihrer Muttergesellschaft, der Berliner Bank AG vermittelt. Es handelte sich um die Intechkom, ein russisch-finnisches Joint-venture mit Sitz in Moskau, das Import-Exportgeschäfte betreibt und mit einer eigenen DV-Abteilung bereits seit einigen Jahren für Banken in Rußland tätig ist.

Während erster Gespräche kristallisierte sich eines der Grundprobleme russischer Banken bei der Modernisierung heraus: Ein hohes Wissensdefizit, was die Funktionsweise des westlichen , Bankensystems betrifft. Dies führte zu der Idee Informationsveranstaltungen für das Management russischer Banken in Berlin zu organisieren.

Vom 4. bis 6. Februar 1991 besuchte die erste Delegation aus dreizehn hochrangigen Vertretern verschiedener-russischer Banken ein von der BB-Data-Akademie, einer Tochter der BB-Data GmbH, in Zusammenarbeit mit den russischen Partnern erarbeitetes und gemeinsam mit der Berliner Bank organisiertes Seminar zum Thema "Modernes Bankwesen in Deutschland".

Die Teilnehmer erhielten an den ersten beiden Tagen eine Übersicht über die Aufgaben der Deutschen Bundesbank, die Funktionsweise des Bankwesens in Deutschland und die Anwendungs-. und Automatisierungsmöglichkeiten einer Bank durch den Einsatz von DV.

Konkreten Einblick in die Funktionsabläufe modernen Bankwesens und die dazu gehörende elektronische Datenverarbeitung konnten die Teilnehmer am dritten Tag ihres Aufenthalts nehmen. Sie besuchten eine Filiale, den Devisenhandel und die Hauptkasse, der Berliner Bank.

Die Besichtigung des Rechenzentrums der Berliner Bank, das von der BB-Data betrieben wird rundete den Praxisteil ab.

Unter den Teilnehmern dieses Seminars befanden sich auch Vertreter der Mosstroi-Bank (Moscow Joint Stock Bank of Construction), einer vor zwei Jahren gegründeten kommerziellen Moskauer Bank, deren Schwerpunkt die Finanzierung von Bauvorhaben ist. Die BB-Data GmbH vereinbarte mit dieser Bank ein Pilotprojekt, dessen Inhalt es sein sollte, eine Musterfiliale nach westlichem Standard in Moskau auszustatten. Ein im Januar 1992 unterzeichneter Letter of intent führte nach weiteren Verhandlungen zum Abschluß eines ersten Rahmenvertrages am 22. Mai 1992.

Beide Seiten mußten Flexibilität beweisen

Eine wesentliche Schwierigkeit bei den Verhandlungen, war die Unsicherheit der Auftraggeber darüber, welche DV-Lösungen die ausgewählte Filiale überhaupt benötigte. Das stellte hohe Ansprüche an die Flexibilität im Denken und Handeln beider Seiten. So wurde - normalerweise unüblich, aber von wesentlicher Bedeutung in der Zusammenarbeit mit den russischen Vertragspartnern - der Rahmenvertrag nach dem Abschluß aufgrund weiterer detaillierter Analysen der internen Organisation in der Mosstroi-Bank inhaltlich und konditionell noch modifiziert. Es war zu berücksichtigen, daß die Arbeitsabläufe in russischen Filialen sich von denen des deutschen Systems in einigen Punkten unterscheiden. Ferner sollte die gute DV-Anwendung, mit der die Moskauer bisher gearbeitet hatten, auch in dem neuen Projekt berücksichtigt werden. So mußte die ursprünglich vorgesehene Standard-Filialanwendung gegen eine eigene, abgewandelte Lösung des Berliner-Bank-Konzerns ausgetauscht werden.

Rahmenvertrag mit fünf Punkten

Der Rahmenvertrag beinhaltet heute im wesentlichen fünf Punkte:

- Weitere Schulungen für die russischen Vertragspartner;

- die Ausstattung der neuen Filiale der Mosstroi-Bank mit einem dezentralen Unix-System, das an das vorhandene PC-basierte Buchungs- und Rechnungswesen-System konnektiert wird. Wesentliche Funktionen der Filialanwendung sind der Zahlungsverkehr, das Kassen- und Sortengeschäft sowie die Kreditabwicklung;

- die Lieferung von Informations- und Anzeigesystemen, um über Videotechnik aktuelle Informationen an die Kunden zu vermitteln;

- die Lieferung mehrerer PCs, um die zentralen Abteilungen der Bank zu unterstützen;

- die Installation einer Satellitenverbindung zur Abwicklung des internationalen Zahlungsverkehrs über ein Korrespondenzbank-Konto bei der Berliner Bank AG.

Alle diese Leistungen erbringt die BB-Data GmbH beziehungsweise eine der zur BB-Data-Gruppe gehörenden Firmen. So werden die Schulungen von der BB-Data Akademie veranstaltet, während die Eurodata, ein gemeinsames Unternehmen der BB-Data, der Dasa AG (Deutsche Aerospace) und der Detecon Deutsche Telepost Consulting GmbH, die Satellitenkommunikation bereitstellt. Die Punkte zwei bis vier des Vertrages mit der Mosstroi-Bank erfüllt der Vertriebsbereich Banken und Versicherungen der BB-Data GmbH.

Dieses Prinzip, alle für die Umsetzung eines Projektes wichtigen Leistungen aus einer Hand zu bieten, war ein ausschlaggebendes Kriterium für die Russen, sich für die BB-Data-Gruppe als Vertragspartner zu entscheiden.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Bereitschaft, echten Know-how-Transfer zu bieten. So hat die BB-Data Akademie zwei Ausbildungswege für die russischen Bankiers erarbeitet.

Die erste besteht in einwöchigen Seminaren, während denen Mitarbeiter aus dem oberen und mittleren Management der Mosstroi-Bank die Organisation des deutschen Bankwesens sowie Mittel und Möglichkeiten des DV-Einsatzes in Geldinstituten kennenlernen.

Die zweite Variante setzt sich aus Kursen zusammen, die zum Teil in Berlin und zum Teil in Rußland stattfinden. Der Berliner Teil der Ausbildung legt theoretische und erste praktische Grundlagen für den Umgang mit moderner Banken-DV. Daran anschließend werden die Teilnehmer in Moskau direkt am neu installierten System in der Handhabung der Anwendersoftware, des Betriebssystems und der erforderlichen Programmiersprache geschult.

Ziel dieser Ausbildung ist es immer, den russischen Vertragspartnern soviel Wissen wie möglich mit auf den Weg zu geben, um sie in die Lage zu versetzen das installierte System möglichst selbständig zu betreiben. Dabei konnten die Ausbilder auf die Erfahrungen, die die Berliner Bank bei der Schulung von Mitarbeitern der (Ost-)Berliner Stadtbank gemacht hat, zurückgreifen, als diese in extrem kurzer Zeit mit dem westlichen Bankenniveau vertraut gemacht werden mußten. Fast die Hälfte der Mitarbeiter der Akademie stammt zudem aus Ost-Berlin, was den Umgang mit den Bankern aus dem östlichen Kulturkreis erleichtert

Der Vertriebsbereich Banken und Versicherungen, der für die DV-technische Abwicklung der mit russischen Banken geschlossenen Verträge zuständig ist, hat außerdem russische Mitarbeiter eingestellt, um das Problem der Sprachbarriere zu beseitigen. Dieser sehr schnell vorgenommene Schritt war das Resultat früherer Erfahrungen in Ungarn. Weiterhin ist in Moskau ein Repräsentant der BB-Data GmbH tätig, der die Kommunikation zur Mosstroi-Bank und anderen Banken aufrecht erhält.

Die Eröffnung der Musterfiliale der Mosstroi-Bank in Moskau ist nach Beendigung der Jahresabschlußarbeiten für den 8. Februar 1993 vorgesehen. Bis dahin sind noch einige Hürden zu nehmen. Zur Zeit werden die ersten Komponenten für die neue Filiale nach Moskau geliefert. Aus Sicherheitsgründen findet dieser Transport auf dem Luftweg statt. Die Kosten hierfür liegen nicht wesentlich über denen des Transports zu Lande. Probleme und Aufwand verursachten eher die russischen Zollbestimmungen, die seit der Vertragsunterzeichnung im Mai bereits dreimal geändert wurden.

Keine Probleme mit der Bezahlung

Die in anderen Berichten über die Zusammenarbeit mit russischen Vertragspartnern oft beklagten Zahlungsschwierigkeiten konnten wir nicht feststellen. Die russische Seite hat sich sehr korrekt an die in den Verträgen vereinbarte stufenweise Bezahlung per Akkreditiv oder im voraus gehalten. Sicher hat auch das bei der Berliner Bank AG eingerichtete Korrespondenzbank-Konto den Zahlungsverkehr vereinfacht.

Die Risiken der größeren Projekte, die wir in Zukunft angehen wollen, werden über Hermes oder Bartergeschäfte mit der Finance by Trade (FBT), der Kompensationsgesellschaft der Berliner Bank, abgesichert.

Unsere Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit den Banken der GUS sind insgesamt positiv. Zur Sicherung langfristiger Beziehungen ist aus unserer Sicht eine eigene Gesellschaft in Moskau hilfreich, um vor Ort die Bedürfnisse russischer Banken ermitteln und erfüllen zu können. Diese Bankenservice-Gesellschaft, an der sich unter anderem die Mosstroi-Bank, die Firma Intechkom sowie weitere interessierte Banken beteiligen werden, wird voraussichtlich im 1. Halbjahr 1993 gegründet.

*Jürgen Schutz ist Bereichsleiter Banken und Versicherungen der BB-Data Gesellschaft für Informations- und Kommunikationssysteme mbH, Berlin. Thomas Schumann arbeitet als Geschäftsführer der BB-Data Akademie private Bildungsstätte GmbH.