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12.04.2005

IT-Berater müssen sich umstellen

Tobias Ortwein
Die Stimmung in der Consulting-Branche hat sich spürbar gebessert. Vom Wandel der Marktverhältnisse profitieren aber nur die großen Anbieter.

Minus - von diesem Vorzeichen waren die vergangenen drei Jahre in der IT-Beraterbranche geprägt. Heute steht sie vor einem Vorzeichenwechsel. Die Stimmung in der Branche ist wieder optimistisch, und die meisten renommierten Anbieter von IT-Beratungsleistungen gehen für 2005 von einem leichten Wachstum aus.

Betrachtet man die Ergebnisse, die die großen Anbieter von Projektservices (IT-Beratung, Softwareentwicklung und -implementierung, Integration und IT-Training) 2004 erzielt haben, scheint das Schlimmste überstanden. Unternehmen wie T-Systems oder SBS konnten ihre Projektservices-Umsätze im Vergleich zum Vorjahr stabilisieren oder sogar leicht steigern. Die deutsche Landesgesellschaft von Capgemini (Consulting und sd&m) will 2005 sogar mehrere hundert Consultants neu einstellen. Auch der Projektservices-Zweig von IBM, Business Consulting Services (BCS), schaffte 2004 unter der Führung von Martin Jetter einen beeindruckenden Turnaround und rechnet für 2005 wieder mit einem moderaten, aber soliden Wachstum. Die mittlerweile wieder relativ guten Auslastungsraten zeigen, dass die großen Restrukturierungen abgeschlossen und die Kapazitäten an die Markterfordernisse angepasst wurden. Entsprechend stellen sich wieder Gewinne ein. Seit Mitte 2004 stabilisieren sich die Honorarsätze für Onsite-Projektservices. Die Offshore/Nearshore-Alternative wird allerdings auch in Zukunft einen latenten Preisdruck auf Softwareentwicklung und -betreuung ausüben. Im Gegensatz dazu stiegen die Honorarsätze für IT-Consulting-Leistungen teilweise sogar wieder leicht an.

Mit dem Jahr 2004 sollte der Markt für Projektservices die viel zitierte "Talsohle" also durchschritten haben. Erholt er sich aber auch? Bei einem jährlichen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 2,0 Prozent ab 2005 wird sich der Anteil der IT-Ausgaben auch in Zukunft um die fünf Prozent bewegen. Hier ist also kein spürbarer Impuls wie während der Hype-Phase von 1996 bis 2000 zu erwarten, die von der Datumsumstellung Y2K, der Euro-Einführung, zahlreichen SAP-Projekten und dem Wechsel auf Client-Server-Architekturen geprägt war. Davon hatte besonders der Markt für Projektservices profitiert. Für die kommenden fünf Jahre rechnet PAC zwar mit einem deutlichen Anstieg des Anteils der externen Services an den IT-Ausgaben, der aber im Wesentlichen von IT-Auslagerungen getragen sein wird. Für Outsourcing werden die Anwender in den nächsten Jahren erstmals mehr ausgeben als für Projektservices.

Outsourcing überflügelt Projektgeschäft

Outsourcing-Spielarten, die die Anwendungsseite einschließen (Business-Process-Outsourcing, Application-Outsourcing oder Komplett-Outsourcing) machen dem klassischen Projektgeschäft in der Form von Application-Management ernsthafte Konkurrenz. Für die etablierten IT-Dienstleister, die ein entsprechendes Application-Management-Angebot in ihr Portfolio integriert haben, ändert sich dadurch in der Summe zwar wenig, doch verteilen sich die Umsätze innerhalb des Unternehmens neu. Ein gutes Beispiel hierfür ist CSC Ploenzke. Das Unternehmen konnte in Deutschland mit der neu geschaffenen Organisationseinheit GTS (Global Transformation Outsourcing) in den vergangenen beiden Jahren aus dem Bestandskundengeschäft heraus beachtliche Erfolge im Bereich Application-Management erzielen, während der für das Projektgeschäft zuständige Bereich Consulting & Systems Integration (C&SI) erhebliche Umsatzeinbußen hinnehmen musste.

Das gewachsene Interesse der Anwender, die Betreuung ihrer Anwendungen langfristig zu festen, transparenten Kosten an einen Partner zu vergeben, hat hauptsächlich zwei Gründe: zum einen den Kostendruck und zum anderen die Tatsache, dass sich viele Unternehmen nicht mehr in einer Implementierungs-, sondern in einer Betreuungsphase befinden. Diesem Umstand tragen die etablierten Anbieter von Projektservices mit ausgefeilten Application-Management-Angeboten Rechnung. Darunter leiden viele Freiberufler oder kleinere Systemintegratoren, die in Summe von den großen Anwendern ebenfalls ein ordentliches Stück vom "IT-Kuchen" abbekommen hatten. Die viel engere vertragliche Bindung, die durch professionelles Application-Management zwischen Kunde und Lieferant besteht, drängt die kleineren Kontraktoren langsam, aber sicher aus dem Geschäft. Von dem Outsourcing-Trend profitieren also die Großen, während er die kleineren Anbieter von Projektservices in arge Nöte bringt.

Mittlerweile ist es aber nicht mehr mit der reinen Betreuung von Anwendungen getan. Die Kunden erwarten von ihrem Lieferanten häufig, dass er ihnen Innovationspotenziale aufzeigt. Hier kommen wieder die klassischen Projektservices-Bereiche ins Spiel. Während also in der Vergangenheit die Outsourcing-Bereiche sehr stark vom Kundenzugang der Projektservices profitierten, verhält es sich heute zunehmend umgekehrt.

Die Anforderungen an das klassische Projektgeschäft verändern sich auch dadurch, dass große Anwender ihre IT konsequenter auf die Unternehmensstrategie ausrichten. Ähnlich wie in der Automobilbranche in den 90er Jahren, werden die IT-Lieferanten zunehmend zu Systemlieferanten und damit zu strategischen Partnern ihrer Kunden, wodurch sich die Anforderungen an das Projektgeschäft ebenfalls stark wandeln. Der Anbieter muss die Geschäftsbedürfnisse seiner Kunden wesentlich besser verstehen als früher, während die Beherrschung der Technik zunehmend Commodity wird. Entsprechend versuchen viele Anbieter von Projektservices, sich in Richtung Strategie- und Unternehmensberatung zu orientieren. Dieser Trend hat bei den ganz Großen der Branche (beispielsweise EDS mit A.T. Kearney, IBM mit Pricewaterhouse-Coopers Consulting (PWCC) und Capgemini mit Ernst & Young) angefangen und erreicht mittlerweile auch die kleineren Anbieter, wie die Softlab-Übernahme von Axentiv zeigt. Allerdings mit unterschiedlichem Erfolg: Während die Integration von PWCC bei IBM mittlerweile gut funktioniert, überlegt EDS, sich von A.T. Kearney aufgrund mangelnder Synergieeffekte wieder zu trennen.

Deutsche bleiben gegenüber Offshore-Angeboten vorsichtig

Die "Kommoditisierung" der Projektservices spiegelt sich auch in der wachsenden Akzeptanz von Offshore/Nearshore-Services wider. Trotzdem gibt es in Deutschland deutliche Unterschiede zu den USA oder Großbritannien. Während man dort relativ vorbehaltslos mit Offshore-Anbietern direkt zusammenarbeitet, bevorzugen es die Anwender hierzulande, Offshore-Services indirekt über einen "abendländischen" Anbieter zu beziehen. Noch beliebter sind Aufträge an Nearshore-Anbieter aus den osteuropäischen Ländern.

Der Markt für Projektservices scheint also mit dem Jahr 2004 das Schlimmste überstanden zu haben. 2005 verspricht wieder ein leichtes Wachstum von zirka 3,5 Prozent, nachdem der Markt im Vorjahr "nur" noch um etwas über drei Prozent zurückgegangen ist. Durch die immer engere Zusammenarbeit zwischen IT-Service-Anbieter und Anwender wird es aber immer schwerer, Neukunden zu gewinnen. Ein signifikantes Wachstum im Projektgeschäft wird also nur durch Verdrängung möglich sein. Will man keine Marktanteile verlieren, muss man den Kunden in Form von strategischen Partnerschaften noch enger an sich binden als in der Vergangenheit. B- und C-Lieferanten werden auch in der IT immer austauschbarer, während die A-Lieferanten zunehmend zu strategischen Partnern und "Systemlieferanten" werden. Der Markt ist also "aufgeteilter" als je zuvor. (rg)