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12.09.2003 - 

Forrester untersuchte Status quo und Zukunftspläne deutscher IT-Abteilungen

IT-Budgets erholen sich langsam

MÜNCHEN (qua) - 2004 werden die hiesigen Anwender durchschnittlich 5,9 Prozent mehr Geld für ihre IT ausgeben als im laufenden Jahr. Das klingt gut, täuscht jedoch ein wenig: Die mittleren und größeren Unternehmen wollen ihre Budgets erst 2005 wieder aufstocken. Dies sind nur zwei der Ergebnisse, die sich aus einer aktuellen Studie von Forrester Research Inc. ablesen lassen.

Eine umfassende Bestandsaufnahme der deutschen IT-Abteilungen - mit diesem Ziel befragte das weltweit tätige Marktforschungsunternehmen mehr als 140 IT-Chefs zu ihren Aufgaben, Problemen, Investitionsplänen und Einschätzungen. Breiten Raum innerhalb der Anwenderumfrage nehmen die jeweiligen Investitionspläne ein. Hier zeichnet sich ein schwach bis deutlich ausgeprägter Aufwärtstrend ab: Nachdem die IT-Budgets heuer um durchschnittlich 3,8 Prozent geringer ausfallen als die des vergangenen Jahres, rechnen die IT-Verantwortlichen für 2004 Jahr mit einer 5,9-prozentigen Steigerung und für 2005 mit einer Zunahme um weitere 6,7 Prozent. Bei genauerem Hinsehen erweist sich dieser Durchschnittswert aber als trügerisch: Nur die kleineren und die ganz großen Unternehmen sind auf kurze Distanz zu höheren Investitionen bereit. Die anderen sehen den Aufschwung frühestens im übernächsten Jahr.

Plus für Outsourcer, Minus für Berater

In etwa konstant - bei gemittelten 31 Prozent - bleibt der Budgetanteil, den die Unternehmen nicht für Betrieb und Maintenance bestehender Systeme aufwenden müssen, sondern in neues Equipment und Projekte investieren können. Am wenigsten Spielraum haben offenbar die Unternehmen der Umsatzklasse zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Euro: Nach Einschätzung der IT-Chefs sinkt der verfügbare Teil ihrer Etats innerhalb der nächsten zwölf Monate von mageren 23 auf dürre 18 Prozent. 2004 werden diese Unternehmen also voraussichtlich 82 Prozent ihrer IT-Budgets für den reinen Betrieb aufwenden.

Die Ausgaben für IT-Outsourcing dürften gleichzeitig leicht ansteigen. Betragen sie heuer durchschnittlich 15 Prozent der Budgets, so werden sie im kommenden Jahr eher bei 17 Prozent erwartet. Das gilt proportional auch für die Giganten mit Umsätzen jenseits der Zehn-Milliarden-Euro-Marke. Dabei verteilen sie ohnehin fast ein Drittel ihrer IT-Ausgaben an externe Dienstleister.

Berater und Sytemintegratoren müssen hingegen mit sinkenden Einnahmen rechnen. Der für sie verwendete Teil der Anwenderbudgets sinkt den Umfrageergebnissen zufolge von durchnittlich 9,9 auf 8,5 Prozent. Nur 14 Prozent der Befragten schreiben in ihre nächste Jahresplanung höhere Ausgaben für Consulting-Partner und andere Dienstleister hinein; 42 Prozent wissen bereits, dass sie hier sparen werden. Dabei fällt auf, dass die kleineren Unternehmen ihr Berater- und Dienstleister-Budget mehrheitlich unangetastet lassen, während die Konzerne offensichtlich stärker auf internes Know-how setzen wollen.

Nachdem die Mitarbeiterzahl in vielen IT-Organisationen zum Teil drastisch reduziert wurde, gestaltet sich die Situation für IT-Experten wieder etwas rosiger: Immerhin 32 Prozent der Befragten will neue Informatiker einstellen. Allerdings erklären auch 42 Prozent, sie hätten einen Einstellungsstop, und jeder vierte Betrieb entlässt immer noch IT-Profis. Dabei wird deutlich, dass derzeit eher die kleineren Unternehmen auf der Suche nach Verstärkung für ihre IT-Abteilung sind.

Innovationsfreudiger Mittelstand

Aufschlussreiches förderte die Befragung auch in Bezug auf die Selbsteinschätzung der IT-Chefs zu Tage. Als ihren hauptsächlichen Kompetenzbereich sehen sie offenbar die Evaluierung neuer Technologien hinsichtlich ihrer Eignung für die Geschäftsbedürfnisse. Auf die Frage: "An welchen Entscheidungen sind Sie in Bezug auf IT-Investitionen maßgeblich beteiligt?" kreuzten vier von fünf Teilnehmern diesen Punkt an.

Die Bereitschaft, neue und wenig erprobte Technologie einzusetzen, ist offenbar nur in zwölf von 100 Unternehmen deutlich ausgeprägt; 18 Prozent der Befragten können sie in ihrem Wirkungskreis überhaupt nicht ausmachen. Vergleichsweise hohe Zustimmungswerte erhielt diese These in den kleineren Unternehmen mit Jahreseinnahmen zwischen fünf und zehn Millionen Euro: Auf einer Skala von 1 (Ablehnung) bis 5 (unbedingte Zustimmung) kreuzten vier Fünftel der IT-Verantwortlichen aus dieser Umsatzkategorie eine 4 oder 5 an.

Strategische Bedeutung erkannt

Zwei von fünf der befragten IT-Spezialisten sind sich sicher, dass ihr Unternehmen die IT als eine Möglichkeit zur Geschäftsentwicklung oder -innovation betrachtet. Addiert man diejenigen, die diese These im Grunde - wenn auch mit kleinen Einschränkungen - bejahen (Stufe 4), so steht unter dem Strich die generelle Zustimmung von drei Vierteln der Befragten. Am anderen Ende der Skala gibt es eine Minderheit von drei Prozent, die ihrem Unternehmen offenbar einen solchen strategischen Einsatz der IT völlig absprechen, und neun Prozent, die hier höchstens Ansätze sehen (Stufe 2). Zwischen einer und zehn Millionen Euro Umsatz ist die Zustimmung besonders hoch, um dann mit steigender Umsatzkraft mehr in die "Ja-aber"-Bereiche abzugleiten.

Immerhin ein Viertel der Befragten hegt offenbar berechtigte Zweifel, ob der geschäftsstrategische Aspekt ihrer Arbeit von Seiten des Managements gewürdigt wird. Wie Forrester-Analyst Charles Homs erläutert, spiegeln die Antworten die Tatsache wider, dass in vielen Unternehmen, beispielsweise in der Pharmabranche, die Entwicklung neuer Produkte eine ungleich größere Rolle spiele als die Optimierung der Prozesse durch die IT.

Zu wenig Kontinuität

Neben diesen allgemeinen Einschätzungen sammelten die Forrester-Analysten auch die Ansichten der Umfrageteilnehmer zu häufig auftretenden Problemen der IT-Bereiche. "Ständige Veränderungen in unserer Organisation oder strategische Neuausrichtungen behindern den Erfolg der IT-Gruppe" - Mit dieser Aussage sahen neun Prozent ihr Unternehmen "perfekt" beschrieben. Weitere 14 Prozent stimmen ihr zumindest weitgehend zu.

Fast ein Viertel der Befragten ist demnach der Ansicht, ihr Arbeitgeber zeige hinsichtlich der Organisation und der Strategie zu wenig Kontinuität, um eine optimale Ausrichtung der IT zu erlauben. Besonders hoch ist dieser Anteil erwartungsgemäß in den Großunternehmen jenseits der Umsatzmarke von 100 Millionen Euro. Hier beträgt er im Schnitt mehr als 30 Prozent.

"Abteilungsübergreifende IT-Initiativen werden häufig unter dem Vorsatz des gemeinsamen Handels gestartet, doch kümmert sich am Ende jede Abteilung um ihre eigenen Belange." Diesen Satz können sechs von hundert Befragten vorbehaltlos unterschreiben, ein weiteres Fünftel ist tendenziell dieser Ansicht.

Was IT-Chefs nachts wach hält

Erhellend waren auch die Antworten auf die Frage nach den Prioritäten der IT-Verantwortlichen: So messen mehr als vier Fünftel der Reduktion ihrer Betriebskosten "hohe" oder sogar "höchste" Priorität bei. Noch deutlichere Zustimmungswerte (insgesamt 84 Prozent) konnte die Erhöhung der Mitarbeiterproduktivität verbuchen. Die Produkt- und/oder Prozessqualität zu verbessern liegt sogar 88 Prozent der Befragten am Herzen.

Fast genauso wichtig ist den CIOs und IT-Managern aber das "Vorantreiben neuer Geschäftsinitiativen oder Produktangebote" für ihr Unternehmen: 81 Prozent halten sie für extrem (Stufe 5) oder zumindest sehr wichtig (Stufe 4). Um die Akquisition von Neukunden und die Pflege des Kundenbestands wollen sich immerhin 69 Prozent der IT-Chefs verdient machen.

Ungenutzte Soft- oder Hardwarelizenzen machen den IT-Verantwortlichen offenbar weniger zu schaffen: Für 65 Prozent der Umfrageteilnehmer sind sie kaum ein Thema. Über Applikationen, die installiert wurden, aber nicht genutzt werden, weil sie beispielsweise an den Bedürfnissen der Nutzer vorbeigehen, zerbricht sich auch nur knapp die Hälfte der Befragten den Kopf.

Inkompatible IT-Systeme hingegen halten 62 Prozent der CIOs und Informatikchefs auf Trab. Um ineffizienten Arbeitsabläufen machen sich sogar 74 Prozent große oder größte Sorgen. Auch die mangelhafte Durchschlagskraft von Projekten hält viele - genauer gesagt: vier von fünf - IT-Chefs nachts wach.

Südenbock Berater? - eher nein!

Wenn IT-Projekte scheitern, ist nach Überzeugung der befragten IT-Manager eher selten die eingesetzte Software schuld. Nur zwölf Prozent gaben an, dass dies "oft" oder "fast immer" ein Grund sei. Die Berater müssen auch nicht den Sündenbock spielen; nur 28 Prozent der Umfrageteilnehmer vertraten die Ansicht, dass hier die Wurzel des Übels zu suchen sei. Dem Mangel an erfahrenen Arbeitskräften wollten sie ihre Misserfolge ebenfalls nicht unbedingt in die Schuhe schieben. Hier sieht lediglich ein Drittel den Grund dafür, dass IT-Vorhaben ihr Ziel verfehlen. Als weit problematischer stuften die Befragten die häufig notwendige Änderung der Geschäftsprozesse ein. Wie insgesamt 44 Prozent einräumen, sind die Hindernisse für einen erfolgreichen Projektverlauf mit einiger Wahrscheinlich hier zu suchen. Eine unzureichende Kenntnis der Geschäftsprozesse ist für jeden zweiten ein plausibler Grund dafür, dass ein Projekt in den Sand gesetzt wird.

Die Basis

An der Forrester-Studie nahm IT-Verantwortliche aus 142, bis auf eine Ausnahme in Deutschland ansässigen, Unternehmen teil. Überdurchschnittlich stark repräsentiert waren dabei die Branchen Technologie und Telecom (30 Prozent), Consulting (23 Prozent) und Finanzdienstleister (elf Prozent). Knapp 40 Prozent der Antwortgeber bezeichnen sich selbst als CIO, Vice-President beziehungsweise Direktor im Bereich IT oder Informationssysteme (IS). Knapp 30 Prozent berichten als Manager IT oder IS direkt an einen IT-Direktor oder die Vorstandsebene.

Vom Umsatz her verteilt sich die befragte Basis relativ gleichmäßig: Etwa ein Drittel der Befragten arbeiten in Unternehmen mit weniger als zehn Millionen Euro Jahreseinahmen; jeweils ein knappes Fünftel liegt zwischen zehn und 100 Millionen sowie zwischen 100 Millionen und einer Milliarde Euro; ungefähr 30 Prozent setzen mehr als eine Milliarde um, davon etwa die Hälfte sogar mehr als zehn Milliarden. Ein Drittel der Unternehmen hat weniger als 100 Beschäftigte, etwa ein Viertel zwischen 100 und 1000. Immerhin 44 Prozent schäftigen mehr als 1000 Mitarbeiter, zwei Drittel davon sogar mehr als 5000.

Abb: 2005 investieren fast alle mehr

Mit positiven Vorzeichen starten viele IT-Chefs in das kommende Jahr: Vor allem die kleineren Unternehmen erhöhen die Budgets. Quelle: Forrester Research