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08.06.2009

IT-Controller brauchen Mut und Durchsetzungskraft

Sie müssen Kosten transparent machen, Fehler erkennen und im Notfall Projekte stoppen. IT-Controller sind gefragte Spezialisten, das Angebot an entsprechenden Jobs ist aber begrenzt.

Die Lufthansa AG gehört zu den Unternehmen, die ein eigenes IT-Controlling haben, und das aus gutem Grund. Eine reibungslos funktionierende IT ist Voraussetzung für einen termingerechten und sicheren Flugbetrieb, der an einem normalen Tag folgende Anforderungen zu verkraften hat: 2250 Starts und Landungen, gut 190.000 Passagiere, über 5200 Tonnen Fracht und 27.400 Anrufe im Service-Center. Die Investitionen in die IT sind entsprechend hoch. Dass das Geld auch richtig ausgegeben wird, dafür sorgen IT-Controller. Laut Oliver Köhler, Leiter IT-Strategie und Steuerung, hat die Lufthansa in allen großen Geschäftsfeldern mit eigenen IT-Bereichen IT-Controller im Einsatz, insgesamt etwa 30 Mitarbeiter.

Die Lufthansa unterscheidet zwischen strategischem und operativem Controlling. "Während das strategische IT-Controlling die IT ganzheitlich beleuchtet, hat das operative Controlling das Tagesgeschäft im Blick", beschreibt Köhler die interne Organisation. Ein IT-Controller brauche Kenntnisse aus Informatik und Betriebswirtschaft: "Diese Kombination ermöglicht den zielgerichteten, wirtschaftlichen Einsatz von IT." Mit einem Studium der Wirtschaftsinformatik ist Köhler dafür bestens gerüstet.

IT-Controller kümmern sich darum, die Leistungsfähigkeit der IT sicherzustellen, zu überwachen und zu steigern. Sie gestalten mit der IT-Abteilung und den Fachabteilungen die IT-Strategie, filtern die sinnvollsten Aktivitäten im Rahmen des vorhandenen Budgets heraus, fördern die Projekte und brechen sie im Notfall ab. "Dazu ist eine ordentliche Portion an Mut und Durchsetzungsvermögen notwendig. Ich bezeichne IT-Controller deshalb in meinen Vorlesungen gern als Effizienz- und Leistungs-Manager für die IT", sagt Andreas Gadatsch, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg und IT-Controlling-Experte. Weil Wirtschaftsinformatiker im Studium kaufmännisch und technisch ausgebildet werden, sieht er sie als Idealbesetzung für den Job. Aber auch reine Betriebswirte oder Informatiker mit Kenntnissen der jeweils anderen Seite hätten gute Chancen.

Eine Disziplin für Spezialisten

"Alle drei Berufsgruppen werden im Studium auf das IT-Controlling vorbereitet", schildert Gadatsch. Gut ein Drittel aller Hochschulen böten in Betriebswirtschaft, Informatik und Wirtschaftsinformatik Lehrveranstaltungen über IT-Controlling oder IT-Management an. Nach Schätzungen des Professors gibt es in Deutschland ungefähr 3000 bis 5000 IT-Controller. Die Tendenz ist zwar steigend, allerdings in begrenztem Umfang. "IT-Controlling wird sich kaum zu einer Disziplin entwickeln, die massenweise Jobs schafft, sondern eine Spezialistentätigkeit bleiben", prognostiziert Gadatsch. Den Unternehmen geht es darum, zu wissen, welchen Beitrag die IT zum Unternehmenserfolg leistet.

Das herauszufinden ist auch die Aufgabe von Michael Fahn, IT-Controller bei der Lufthansa und Mitarbeiter von Oliver Köhler. Fahn hat Informatik studiert und im Desktop- und Netzbereich bei der Lufthansa angefangen, bevor er sich mit Einführung und Betrieb von SAP-Systemen beschäftigte: "Mit IT-Controlling bin ich bei der Budgetplanung eher zufällig in Berührung gekommen, habe so mein Interesse an dem Thema entdeckt und mich dann in diese Richtung beruflich weiterentwickelt." Jetzt ist Fahn für das operative und strategische IT-Controlling des Konzern-Informations-Managements der Lufthansa zuständig. Zum operativen Teil gehören die Budgetplanung und -verfolgung sowie das Berichtswesen, etwa zur Ermittlung der Kosten. Beim strategischen IT-Controlling geht es um die ganzheitliche Konzernperspektive. "Hier stelle ich mit den Konzerngesellschaften Informationen bereit, die die Grundlage für strategische Entscheidungen bilden." Dazu gehören Trendthemen wie neue IT-Sourcing-Modelle, etwa Software as a Service, oder Architekturkonzepte wie SOA: Im IT-Controlling werden diese Trends adaptiert, gleichzeitig aber die Vergleichbarkeit mit bestehenden IT-Modellen aufrechterhalten.

"Für das IT-Controlling sind Kenntnisse aus Informatik und Betriebswirtschaft nötig", sagt auch Fahn. Der studierte Informatiker musste sich den kaufmännischen Teil des Jobs durch Kurse und Training-on-the-Job aneignen. Als wichtige Skills nennt er Freude am Umgang mit Zahlen, ein gutes Gedächtnis und die Fähigkeit, Verbindungen zwischen Sachverhalten herzustellen. Nicht zuletzt profitiere man von einem guten Moderations- und Verhandlungsgeschick. (hk)

IT-Controllerin: Brücken bauen und Konflikte aushalten

Silvana Hutterer, 28, baut in der Zentrale der Fraunhofer-Gesellschaft in München das IT-Controlling auf. Eine Aufgabe an der Schnittstelle zwischen Management und IT.

CW: Was reizt Sie am IT-Controlling?

HUTTERER: Ich habe mit sehr unterschiedlichen Menschen zu tun und kann mitgestalten. In der Fraunhofer-Gesellschaft gibt es in der IT fast keine Standards. Wir halten die Systeme bewusst heterogen, um den Instituten den notwendigen Freiraum zu lassen. Dies erschwert natürlich Investitionsentscheidungen, macht den IT-Controller-Job aber wahnsinnig interessant.

CW: Welchem Zweck dient das IT-Controlling?

HUTTERER: Es geht uns dabei um mehr Kostentransparenz in der IT. Zudem stehen wir den Entscheidungsträgern als Berater zur Verfügung und geben Empfehlungen zur Optimierung der IT-Dienstleistungen der Zentrale ab.

CW: Woran arbeiten Sie derzeit?

HUTTERER: Ich beschäftige mich mit einem Konzept zur Einführung eines standardisierten Berichtswesens für unterschiedliche Zielgruppen. Dadurch erhalten die Entscheider einen besseren Gesamtüberblick, bevor sie eine neue IT-Investition genehmigen. Über dieses Berichtswesen kann sich der Entscheider beispielsweise informieren, wie hoch der Betriebsanteil beim Dokumenten-Management-System ist.

CW: Welche Rolle spielen Sie im IT-Controlling?

HUTTERER: Eine Mittler- und Beraterrolle zwischen IT und Management. Dazu gehört das Grundverständnis für beide Seiten, um Brücken bauen zu können. IT-Controlling ist bei uns eine klassische Dienstleistung für unterschiedliche Zielgruppen.

CW: Wie haben Sie sich das notwendige Fachwissen für beide Seiten angeeignet?

HUTTERER: Durch mein BWL-Studium hatte ich bereits theoretisches Wissen. Das vertiefe ich nun in der Praxis durch Mitarbeit in IT-Projekten, enge Zusammenarbeit mit der Controlling-Abteilung sowie als Mitglied der Fachgruppe "IT-Controlling" der Gesellschaft für Informatik.

CW: Welche Eigenschaften brauchen IT-Controller über das Fachliche hinaus?

HUTTERER: Eine gewisse Sensibilität im Umgang mit Menschen, da man ja Dingen auf den Grund gehen muss. Zudem Engagement und Ausdauer, ein sicheres Auftreten und Konfliktfähigkeit, um Meinungsverschiedenheiten konstruktiv auszutragen.

Seminare zum IT-Controlling

  • Die Controller Akademie veranstaltet Fachseminare zum IT-Controlling. Ein Thema ist das Controlling der IT-Kosten. www.controllerakademie.de.

  • Integrata nennt sein Zwei-Tages-Programm "IT Controlling/IT Value". Es wird in mehreren Orten Deutschlands angeboten und kostet rund 1000 Euro. www.integrata.de.

  • Ende Mai und Ende Juni betreibt die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg das Seminar "IT-Projektkosten aktiv managen – trotz Krise". www.hochschule-bonn-rhein-sieg.de.