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04.07.2003 - 

Ifo-Institut konstatiert leicht verbessertes Geschäftsklima

IT-Dienstleister schöpfen wieder Hoffnung

MÜNCHEN (CW) - Nach einer langen Talfahrt sehen deutsche IT-Dienstleister wieder Licht am Ende des Tunnels. Das Münchner Ifo-Institut errechnete nach seiner vierteljährlichen Befragung der Player eine leichte Erholung des Geschäftsklima-Index im ersten Quartal.

"Noch beruht die Stimmungsverbesserung in erster Linie auf dem Prinzip Hoffnung", schränkt Ifo-Experte Joachim Gürtler ein. "Die Skepsis in den Geschäftserwartungen wurde lediglich von verhaltenem Optimismus abgelöst." Dennoch gebe es erste Anzeichen für eine Trendumkehr bei den DV-Dienstleistern.

Die aktuelle Erhebung organisierte das Institut im Mai und April 2003. 290 Unternehmen schickten einen auswertbaren Fragebogen zurück, hinzu kamen 161 ausgefüllte Online-Formulare. Mit einem addierten Umsatz von 14,2 Milliarden Euro repräsentierten die Teilnehmer rund ein Drittel des deutschen Marktes für Software und IT-Services. Ifo stützt sich dabei auf Berechnungen des Marktforschungsunternehmens Detecon, das den Gesamtumsatz für dieses Segment im Jahr 2002 mit 43,8 Milliarden Euro angibt.

Im vierten Quartal 2002 hatte der Ifo-Geschäftsklima-Index, das arithmetische Mittel aus Geschäftslage und Geschäftserwartung, einen historischen Tiefststand erreicht. Nun ist ein leichter Aufwärtstrend erkennbar. Die aktuelle Geschäftslage erholte sich bereits zum zweiten Mal geringfügig, von per saldo minus 27 Prozent im dritten Quartal 2002 auf minus 24 Prozent im vierten Quartal und minus 20 Prozent in den ersten drei Monaten 2003. Der Saldo bezeichnet die Differenz aus den Prozentanteilen der positiven und der negativen Firmenmeldungen. Von einem zufrieden stellenden Niveau könne jedoch bei weitem nicht gesprochen werden, kommentieren die Münchner.

"Das erste Quartal 2003 ist für die deutsche Software- und DV-Dienstleistungsbranche alles andere als gut verlaufen", berichtet Gürtler. Zwar fallen die Umsätze in den ersten drei Monaten des Jahres traditionell schwach aus, diesmal aber seien die Ergebnisse noch deutlicher als bisher hinter dem Vorjahreswert zurückgeblieben. Positiv wertet Ifo, dass sich der Abwärtstrend seit den Herbstmonaten nicht weiter beschleunigt habe. Das deute auf eine Bodenbildung hin.

Der Blick auf die Auftragseingänge rechtfertigt den vorsichtigen Optimismus der Serviceanbieter allerdings nicht. Der entsprechende Wert sackte von Januar bis März nochmals deutlich ab. Dennoch macht sich die Branche Mut, beobachten die Konjunkturforscher: Die Umsatzerwartungen für die nahe Zukunft zeigten wieder leicht nach oben. So rechnen 23 Prozent der Befragten mit steigenden Einnahmen, 59 Prozent gehen von einem gleich bleibenden Niveau aus. Demgegenüber befürchten 18 Prozent weitere Einbrüche.

Große Anbieter erwarten Belebung

Aufgeteilt nach Unternehmensgrößen, ergibt sich ein differenziertes Bild. Nach einem Stimmungseinbruch zum Jahresende 2002 beurteilen insbesondere große Dienstleister mit Umsätzen über 50 Millionen Euro die Geschäftslage im ersten Quartal 2003 besser. Zwar gingen Nachfrage, Umsätze und Auftragsreserven noch deutlich zurück. Für die nächste Zukunft rechnen die Unternehmen aber wieder eher mit einer Belebung. Anders bei den kleineren Betrieben: Hier setzte sich der bisherige Trend fort; die Einnahmen bewegten sich überwiegend unter dem Wert des Vorjahresquartals. Die Wissenschaftler erwarten vorerst auch keine Besserung: "Mit weiteren Umsatzeinbußen ist zu rechnen, die Stimmung bleibt trüb."

Besonders enttäuschend verlief die Entwicklung für die ostdeutschen IT-Dienstleister. Fast jedes zweite Unternehmen beklagte eine schlechte Geschäftslage. Die Nachfrage ist im ersten Quartal eingebrochen, Auftragsreserven wurden abgebaut. Trotzdem hoffen die Befragten für die nächsten sechs Monate auf eine Wende zum Besseren, so Ifo, die optimistischen Stimmen gewönnen wieder leicht die Oberhand.

Als Beleg für den Stimmungsumschwung führen die Experten unter anderem einen nachlassenden Investitionsrückgang an. Nachdem die Investitionen deutscher Software- und DV-Dienstleistungsunternehmen 2001 erstmals seit Einführung der Konjunkturumfrage im Jahr 1995 stagnierten, war insbesondere im vergangenen Jahr ein deutlicher Einbruch zu verzeichnen. Die negative Grundtendenz werde im laufenden Jahr anhalten, so Ifo, die befragten Unternehmen rechneten aber damit, dass sich der Rückgang verlangsamt: Per saldo erwartet jeder fünfte Betrieb für 2003 sinkende Investitionen, vor Jahresfrist hatten dies noch 31 Prozent befürchtet.

Stellenabbau verlangsamt sich

Ermutigend stimmt auch die Erkenntnis, dass sich der Arbeitsplatzabbau in der Branche verlangsamt hat. Im ersten Quartal 2003 verringerte sich die Anzahl der Beschäftigten laut der Befragung um 0,75 Prozent, im vierten Quartal des Vorjahres hatte der Wert noch bei 1,5 Prozent gelegen. Mit einem Rückgang um drei Prozent waren dieses Jahr mittelgroße Dienstleister (Umsatz zwischen zehn und 25 Millionen Euro) am stärksten betroffen. Unternehmen aus Ostdeutschland haben unter der Konjunkturflaute besonders zu leiden. Hier fielen im vergangenen Jahr rund 20000 Arbeitsplätze weg.

Zwei von drei deutschen DV-Dienstleistern wollen ihren Beschäftigtenstand in naher Zukunft etwa auf gleichem Niveau halten, 13 Prozent planen Neueinstellungen. Dagegen rechnen 20 Prozent mit einem weiteren Stellenabbau.

Mittel- und langfristig bleiben die Wachstumsperspektiven der IT-Dienstleister günstig, resümiert Ifo, obwohl die Wettbewerbsintensität von der Mehrheit der Teilnehmer noch immer als außerordentlich hoch empfunden werde. Mehr als 60 Prozent bezeichnen den Wettbewerb auf den heimischen Absatzmärkten als "sehr stark", etwa ein Drittel konstatiert auch in anderen Ländern der Europäischen Union einen großen Konkurrenzdruck. Gegenüber dem Vorjahr sei kaum eine Entspannung auszumachen.

Berater verhalten optimistisch

Betrachtet man einzelne Marktsegmente, so sehen erstmals auch die Anbieter von Consulting- und Projektservices wieder einen Silberstreif am Horizont. Sie bilden mit rund 61 Prozent den Löwenanteil des IT-Servicesektors.

Zwar hat sich an der wenig befriedigenden Geschäftslage kaum etwas geändert, bezüglich der Entwicklung im nächsten Halbjahr kommt aber wieder vorsichtiger Optimismus auf.

Erneut aufgehellt hat sich das Geschäftsklima im Bereich System-/Network-Operation, worunter Ifo Anbieter von Outsourcing-Diensten und Facilities-Management versteht. Andererseits wuchs die Unzufriedenheit mit der aktuellen Geschäftslage. Auftragseingänge und Umsätze rutschten ins Minus. Wenig erfreulich entwickelten sich auch die ausbildungs- und schulungsorientierten Dienstleister: Jedes zweite Unternehmen verfehlte die Vorjahresumsätze, die Einnahmen schrumpften noch stärker als bisher. Gleichwohl sei hinsichtlich der Geschäftserwartungen kaum noch Skepsis zum Ausdruck gekommen, berichten die Konjukturforscher. Unterm Strich scheint sich damit auch bei den Schulungsanbietern ein Trend zu bestätigen: Trotz kaum verändert schlechter Lage keimt Hoffnung auf. (wh)

Abb: Geschäftserwartungen deutscher Software- und Serviceunternehmen

Die befragten IT-Dienstleister rechnen für die nächsten sechs Monate mit leicht verbesserten Einnahmen. Quelle: Ifo Institut