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07.07.2005

IT-Experten scheuen den Jobwechsel

Pleiten, Entlassungswellen und Fusionen wirbelten die Karriereplanung von IT-Mitarbeitern durcheinander. Deshalb zögern heute viele, eine ungeliebte gegen eine unwägbare neue Stelle auszutauschen.

Das Jahr 2000 ist als Messgröße ungeeignet; damals reichte es, mit dem Finger zu schnippen, und alle liefen einem hinterher", erzählt der Informatiker Klaus Helling. Auf solche idealen Bedingungen sollten IT-Spezialisten nicht mehr hoffen, wenn sie sich auf Jobsuche begeben. Falls sie das überhaupt tun: So manche IT-Fachkräfte mit einigen Jahren Berufserfahrung sind zurückhaltend geworden, wenn es um eine offensive Karriereplanung geht. Viele beobachten den Arbeitsmarkt genau und überlegen sehr gründlich, ob sie sich um einen neuen Job bewerben. Selbst wenn die Karriereperspektiven im Unternehmen bescheiden oder die Frustration groß sind, fällt die Entscheidung für den Wechsel heute schwerer.

Darunter leiden vor allem kleinere, mittelständische oder am Markt noch wenig bekannte Firmen, die neue Mitarbeiter suchen. "Viele nehmen dauerhaften Ärger oder einen Karriereknick beim jetzigen Arbeitgeber in Kauf, statt nach einer Alternative zu suchen", vermutet Yasmine Limberger, verantwortlich für das Recruiting des Beratungsunternehmens Avanade aus Kronberg im Taunus. Avanade sucht verstärkt IT-Mitarbeiter mit einigen Jahren Berufserfahrung, doch viele scheuen das Risiko eines Jobwechsels. Auch Headhunter müssen mehr telefonieren als früher, um Kandidaten zu überzeugen: "Die Wechselbereitschaft ist nicht mehr so hoch", drückt sich der Personalberater Michael Neumann von Nexecute aus Frankfurt am Main vorsichtig aus.

Oft forcieren drohende Kündigungen oder anstehende Umstrukturierungen die Entscheidung, sich nach einem neuen Job umzusehen. Michael Müller arbeitete nach seinem Informatikstudium an der Fachhochschule zunächst im Microsoft-Umfeld. 1998 ließ er sich von einem Headhunter überzeugen, zu einem New-Economy-Unternehmen zu gehen. "Dort habe ich viel Verantwortung bekommen und bin nach vorne gespült worden, ohne über die nötige Berufserfahrung zu verfügen", erzählt der heute 35-Jährige rückblickend. "Ich habe Einblick in unterschiedliche Themen bekommen; doch als betriebsbedingte Kündigungen anstanden, habe ich mich intensiv nach einen neuen Job umgesehen."

Auf Avanade und die dortigen Karriereperspektiven machten ihn Freunde aufmerksam. Für die Entscheidung ließ sich Müller Zeit, denn er wollte sicher sein, dass Rahmenbedingungen und Aufgaben zu seinen Vorstellungen passen. Inzwischen arbeitet er seit rund dreieinhalb Jahren für das Beratungshaus; die verschiedenen beruflichen Stationen sieht Müller als Bereicherung für seinen Karriereweg: "Nach dem Studium war ich ein Heißsporn; jetzt weiß ich, dass überall nur mit Wasser gekocht wird", beschreibt er seine unterschiedlichen Erfahrungen.

Geduld und intensive Recherche zählen zu den wichtigen Tugenden von Wechselwilligen. Stephan Adler beobachtete den IT-Arbeitsmarkt seit Herbst 2003, bei seinem jetzigen Arbeitgeber Avanade unterschrieb er knapp ein Jahr später den Arbeitsvertrag. "Obwohl ich bundesweit gesucht habe, war es ziemlich schwierig", erzählt er. "Ich habe mich bei Studienkollegen umgehört, Fachzeitschriften gelesen und in Stellenbörsen im Netz gestöbert." Auf das Beratungsunternehmen Avanade stieß der 35-Jährige zufällig: "Ich habe ein Inserat in einer Fachzeitschrift gesehen; zwar passte die Ausschreibung nicht ganz zu meinem Profil, aber ich habe daraufhin eine Online-Bewerbung losgeschickt." Nach zwei Telefoninterviews folgten das Vorstellungsgespräch und der Arbeitsvertrag. Der neue Job in der Beratung war für den Informatiker nach sechseinhalb Jahren als Softwareentwickler für ein mittelständisches Unternehmen eine enorme Umstellung. "Jetzt bin ich viel unterwegs und muss den Kontakt zum Freundeskreis anders organisieren", erläutert er. Doch bereut hat er seinen Schritt nicht: "Im Vorstellungsgespräch habe ich die Punkte, die bei meinem letzten Arbeitgeber nicht so gut liefen, angesprochen und abgeklärt." Zwar sei es schwierig gewesen, eine passende Stelle zu finden, aber da Adler sich aus einer Festanstellung heraus bewarb, war er nicht unter Zugzwang und konnte sich in Ruhe entscheiden.

Auch Klaus Helling beobachtete den IT-Arbeitsmarkt in den vergangenen zwei Jahren genau; ob in Jobbörsen, Fachzeitschriften oder über das persönliche Netzwerk: Für den CRM-Spezialisten gab es wenige Angebote. Doch seit letztem Herbst inserierten Unternehmen wieder häufiger, so die Beobachtung des 39-Jährigen. "Es war, als ob ein Schalter umgelegt worden wäre." Headhunter meldeten sich wieder - ein gutes Indiz für eine Kehrtwende am IT-Arbeitsmarkt. Ein Personalberater überzeugte den Berufserfahrenen, zu dem jungen und mit 75 Mitarbeitern kleinen Beratungshaus Ec4u nach Karlsruhe zu gehen.

Yasmine Limberger versteht zwar die zögerliche Haltung von Berufserfahrenen, macht ihnen aber auch Mut: "Viele Karrieren kommen erst durch einen Jobwechsel in Gang; wer weiterkommen möchte, sollte auch bereit sein, für die eigene Karriere kalkulierbare Risiken einzugehen." Wem das mit einigen Jahren Berufserfahrung in der eigenen Firma nicht gelingt, der sollte sich nach Alternativen umsehen, so die Empfehlung der Personalerin.