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Nach den Terroranschlägen benötigen die Märkte neues Vertrauen


28.09.2001 - 

IT-Firmen in den USA kaufen eigene Aktien zurück

MÜNCHEN (CW) - Um die drohende Panik an den Aktienmärkten zu vermeiden, lockerte die US-Börsenaufsicht SEC die Regeln für den Rückkauf eigener Aktien von Unternehmen.

Zehn Tage nach Wiedereröffnung der New Yorker Börsen dürfen die dort notierten Unternehmen auch in den ersten 30 Handelsminuten nach Handelsbeginn sowie vor Handelsschluss eigene Aktien zurückkaufen. Ihnen wurde erlaubt, bis zu 100 Prozent des durchschnittlichen Tagesumsatzes zu erwerben. Hintergrund dieses SEC-Beschlusses dürfte in erster Linie der psychologische Effekt sein, der hinter einem Aktienrückkauf steht. Durch den Erwerb eigener Aktien vermittelt das Unternehmen - neben bilanztechnischen Wirkungen - vor allem Vertrauen in das eigene Geschäft, aber auch in die Wirtschaft insgesamt. Dieses war bereits vor den Attentaten angeschlagen und drohte danach vollends verloren zu gehen. Doch nicht amerikanische Kosumenten sollen Zuversicht gewinnen, auch die internationalen Investoren brauchen positive Signale. Immerhin waren nach den Terroranschlägen zunehmend Stimmen zu hören, die dem US-Markt den Nimbus des "save harbour" absprachen. Für den größten Kapitalimporteur der Welt wäre der Rückzug von Investoren fatal.

Allen voran meldete sich der Netzwerkriese Cisco und kündigte bereits vor der Eröffnung der Nasdaq für die nächsten zwei Jahre ein umfangreiches Rückkaufprogramm im Volumen von drei Milliarden Dollar an. Innerhalb weniger Tage folgten andere Branchengrößen. Intel gab bekannt, seine bereits laufenden Rückkäufe um 300 Millionen Anteile zu erweitern. Ähnliches war von Peoplesoft zu hören. Der Anbieter von Standardsoftware will den im Oktober vergangenen Jahres gestarteten Erwerb eigener Aktien fortführen und erhöhte das Volumen um 85 Millionen Dollar. Auch Hardwarehersteller Compaq, der aufgrund der Fusionsverhandlungen mit HP seinen Aktienrückkauf ausgesetzt hatte, will das Programm nun im ursprünglich geplanten Ausmaß fortsetzen. Noch ständen Käufe in Höhe von 550 Millionen Dollar aus, bis die beschlossene Milliarde erreicht sei. Das Management von HP zeigte ebenfalls Flagge und beschloss in der vergangenen Woche, eigene Anteilsscheine für 1,8 Milliarden Dollar zu erhandeln. "Wir setzen ein hohes Vertrauen in die US-Wirtschaft und glauben an die langfristige Stärke des Technologie-Sektors", begründete HP-Chefin Carleton Fiorina den Beschluss.

Aktienrückkauf hat Tradition

Doch dass viele Firmen nun das Angebot der SEC nutzten, dürfte neben dem psychologischen Effekt auch damit zusammenhängen, dass die Kurse derzeit günstig stehen. Immerhin hatte ein Gutteil der Unternehmen bereits vor dem 11. Rückkaufprogramme beschlossen.

Im Gegensatz zu Deutschland wird in den USA der Erwerb eigener Aktien schon lange als vielseitiges Instrument genutzt. Das häufigste Motiv dürfte die Kurspflege sein. Der Aktienkurs wird durch die Reduzierung des Streubesitzes weniger anfällig, außerdem hebt sich - bei konstanter Ertragslage - der Gewinn je Aktie. Zudem benötigen die Unternehmen die Aktien oft, um Vergütungs- oder Beteiligungsmodelle für Beschäftigte erfüllen zu können. Nicht zuletzt hat sich gerade in den vergangenen Jahren die Aktie als Akquisitionswährung durchgesetzt, wegen steuerlicher Vorteile werden beispielsweise immer mehr Firmenkäufe ganz oder teilweise mit Anteilscheinen beglichen. Der Rückkauf kann auch als politisches Instrument ausgespielt werden. Zieht das Unternehmen nach dem Erwerb die Papiere ein, verändern sich die Machtverhältnisse: Ein Hauptaktionär kann Mehrheitseigner werden.

Reaktionen auf den SEC-Beschluss

- Oracle, 3Com und Yahoo bekräftigten ihre Absicht eigene Aktien zurückzukaufen, bezifferten allerdings das geplante Volumen nicht.

- Advanced Digital Information: Der Aufsichtsrat genehmigt den Erwerb von bis zu fünf Prozent des Streubesitzes.

- Bea Systems: kauft für 100 Millionen Dollar.

- Cisco: will in den nächsten zwei Jahren Aktien im Wert von bis zu drei Milliarden Dollar erwerben.

- Diebold: erwirbt bis zu 1,6 Millionen Anteile.

- First Data: gibt 700 Millionen Dollar für einen Rückkauf aus.

- Intel: steigert sein Rückkaufprogramm um 300 Millionen Anteile.

- Peoplesoft: erweiterte sein laufendes Programm um 85 Millionen Dollar.

- Siebel Systems: investiert 500 Millionen Dollar in eigene Anteilscheine.

- Verity: plant den Aktienkauf für 50 Millionen Dollar.

- Vignette: beschließt ein Rückkaufprogramm in Höhe von 50 Millionen Dollar.

- Akamai Tech: kauft innerhalb der nächsten sechs Monate Papiere in Höhe von 20 Millionen Dollar.

- HP: beschließt, eigene Aktien für 1,8 Milliarden Dollar zurückzukaufen.

- Compaq: setzt sein Programm, wonach noch Käufe für 550 Millionen Dollar aussstehen, fort.

- Borland: erwirbt Aktien für 30 Millionen Dollar.

- Double Click: will im Laufe der nächsten zwölf Monate für 100 Millionen Dollar eigene Anteilscheine zurückkaufen

- Red Hat: beschließt den Rückkauf von 17 Millionen Aktien.