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Mitarbeiteroptionen werden nicht als Kosten verbucht

IT-Firmen schönen ihre Bilanzen

21.06.2002
MÜNCHEN (rs) - In einer aktuellen Studie rechnet die Investmentbank Credit Suisse First Boston (CSFB) vor, wie IT-Firmen höhere Gewinne aufweisen, indem sie die Kosten für Mitarbeiteroptionen verbergen. Diese Praxis scheint vor allem in der Softwarebranche beliebt zu sein.

Für Warren Buffet entbehrt die bisherige Regelung jeglicher Logik: "Wenn Mitarbeiteroptionen keine Vergütung sind, was sind sie dann? Wenn die nicht zu den Kosten zählt, was dann? Wenn Kosten nicht in die Gewinn- und Verlustrechnung miteinfließen, wo tauchen sie dann auf?" fragt der Börsenprofi. Obwohl Optionen als eine Form der Vergütung gelten, müssen sie laut den Bilanzierungsregeln des US-GAAP (General Accepted Acounting Standards) nicht als Kosten ausgewiesen werden. Doch es werden immer mehr Stimmen laut, die diese Praxis in Frage stellen.

Dass die Gewinne durch Berücksichtigung der Optionen zum Teil erheblich von den veröffentlichten Zahlen abweichen, hat die Investmentbank Credit Suisse First Boston in ihrer Studie "How big is the options bite in the software sector" ausgerechnet. Hätten die untersuchten Softwareunternehmen die Kosten für ihre Mitarbeiteroptionen in die Bilanzen miteinbezogen, dann wären die Nettogewinne im Durchschnitt um rund ein Drittel niedriger ausgefallen als veröffentlicht. Zum Vergleich: Für Firmen, die nicht zum Hightech-Segment gehören, korrigiert sich der Profit lediglich um vier Prozent.

Am größten fällt der Unterschied bei dem CRM-Spezialisten Siebel Systems aus. Veröffentlicht hatte die Company im Geschäftsjahr 2001 einen Gewinn je Aktie von 0,56 Dollar. Unter Berücksichtigung der Mitarbeiteroptionen wandelte sich dieser jedoch in einen Verlust von mehr als einem Dollar. Dies dürfte vor allem da-ran liegen, dass Siebel sich bei der Ausgabe von Mitarbeiteroptionen sehr großzügig zeigt. Mehr als die Hälfte der ausgegebenen Aktien fließen hier in die Alternativvergütung der Angestellten.

Weniger dramatisch wirkt sich hingegen im gleichen Berichtszeitraum das Rechenexempel für SAP und Oracle aus. Für die Walldorfer sinkt der Gewinn je Anteilschein um 29 Cent oder 16 Prozent, für Oracle verringert sich das Ergebnis um acht Cent oder 17 Prozent. Grundsätzlich, so die Studie, wird das Instrument der Vergütung durch Aktienoptionen in den USA stärker genutzt als in Europa. Während die US-Softwarefirmen 23 Prozent ihrer Aktien als Mitarbeiteroptionen ausgeben, liegt diese Quote in Europa bei 15 Prozent.

Die Experten der CSFB ziehen daraus die Konsequenz: Es hat für alle Seiten Sinn, Mitarbeiteroptionen in die Gewinn- und Verlustrechnung einfließen zu lassen. So laufen die Firmen nicht Gefahr, die Ausgaben nicht als Kosten ernst zu nehmen. Und last, but not least wird es auch der Markt danken, der wieder Vertrauen in die Bilanzierungsmethoden von Unternehmen gewinnen könnte.

Abb: Kostenfaktor Mitarbeiteroptionen

Je großzügiger Mitarbeiteroptionen ausgegeben wurden, desto mehr ließ sich offenbar im Geschäftsjahr 2001 beim Gewinn vertuschen. Quelle: Company data; CSFB research