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07.04.1995

IT-Foerdertoepfe sollen einen starken Mittelstand bringen

Seitdem die IuK-Branche von den Politikern zu "einem der progressivsten Technologiefelder der Zukunft" erklaert wurde mit weltweit einem Volumen von etwa 400 bis 700 Milliarden Dollar, scheint es in deutschen Landen an Foerderinitiativen nicht zu mangeln. Ausser in Berlin, das mit einem neuen Fuenfjahresprogramm der IuK-Branche mehr Leben einhauchen will, gibt es auch in den fuenf ostdeutschen Laendern diverse Help-Papiere fuer den Ausbau der Wirtschaft.

Wie viele Foerderprogramme es in der Bundesrepublik gibt, weiss niemand so recht. Gemunkelt wird von etwa 700 groesseren Initiativen einschliesslich der Massnahmen der Europaeischen Union. Bekannt hingegen sind die Mittel, die aus dem Bundestopf fuer die "Gemeinschaftsaufgabe der Verbesserung der regionalen Strukturen" (GA) in diesem Jahr in die alten und neuen Laender fliessen: So sollen nach Ostdeutschland - je nach wirtschaftlicher Belastung der Region - etwa 3,5 Milliarden Mark gehen. Die westlichen Laender erhalten 250 Millionen Mark.

Neben diesem Batzen fuer die Regionalpolitik, von dem auch innovative Firmen etwas abbekommen, wenn sie ueber ihren Standort hinaus agieren und damit neue Arbeitsplaetze schaffen, werden weitere Millionen aus dem Staatssaeckel dafuer verwendet, um die nach der Wende im Osten aufgeloesten Forschungspotentiale wieder zu aktivieren. Etwa 440 Millionen Mark sollen laut Helmut Kohn, Leiter fuer Forschung und Technologiepolitik neue Bundeslaender beim Bundesministerium fuer Wirtschaft, im laufenden Jahr dafuer zur Verfuegung stehen (1994: 300 Millionen Mark).

Den Schluessel zum wirtschaftlichen Erfolg sehen nun auch deutsche Politiker in einer starken IuK-Szene: Schwerpunkt Telekommunikation, Informatik und Mikrosystemtechnik.

"Bereits jetzt", heisst es im Foerderkonzept Informationstechnik des Bundesministeriums fuer Forschung und Technik, "haengen ueber 50 Prozent aller Arbeitsplaetze in den Industriestaaten von der Informations- und Kommunikationstechnologie ab." Allein der Umsatz von Hard- und Software werde im Jahr 2000 etwa sieben Prozent des Bruttosozialprodukts ausmachen; der derzeitige Anteil liege etwa bei 2,5 Prozent.

Diese Prognosen und der aufzuholende Rueckstand Deutschlands in der Informationstechnik scheinen die Landesverwaltungen zu mobilisieren. So hat die Berliner Senatsverwaltung fuer Wirtschaft und Technologie ein neues "Programm zur Foerderung des Wirtschaftsstandorts Berlin im Bereich der IuK" beschlossen.

Fuer den Aufbau der bundeshauptstaedtischen High-Tech sind in den naechsten zwei Jahren erst einmal 28,5 Millionen Mark geplant. Davon kommen aus der Landeskasse jaehrlich 7,3 Millionen Mark, aus dem Europaeischen Regionalfonds (EFRE) im gleichen Zeitraum 6,3 Millionen Mark.

Wolfgang Both von der Senatsverwaltung fuer Wirtschaft und Technologie dazu: "Vor allem den kleineren und mittleren Firmen soll die Initiative zugute kommen, die ueber keine eigenen Forschungs- und Entwicklungskapazitaeten verfuegen." Und: Man will endlich "buerokratische Huerden" beiseite raeumen.

Ein Hoffnungsschimmer auch fuer Knut Loeschke, Geschaeftsfuehrer der PC-Ware Leipzig GmbH. Dem Informatiker ist der "wahnsinnige Aufwand" noch gut in Erinnerung, als er 1991 mit seinen Antragsformularen zwischen Sachsen und Berlin hin und her pendelte, um seine Ideen gefoerdert zu bekommen. Mit DV-Konzepten, erinnert er sich, habe sich damals kaum eine oeffentliche Hand ihre Finger verbrennen wollen.

Auch heute scheint so mancher Entscheider trotz anfeuernder Worte der Landesvaeter damit seine Probleme zu haben. Abgesehen davon, dass sich Antragsteller bis dato "die Finger wundschreiben muessen" und auf der Suche nach den fuer sie geeigneten Foerderungen eher im Papierdschungel ersticken, haenge einem Softwerker noch immer der "Makel der Nur-Programmierung" an, behauptet Jochen Kramer, Marketingchef der Berliner Asci Systemhaus GmbH. Der innovative Prozess bei der Software-Entwicklung werde oft noch uebersehen.

Die neue IT-Aera ist nun in Planung

Um Irrfahrten kuenftig zu vermeiden, hatte im Maerz der Berliner Senat gemeinsam mit Kreditanstalten und Handelskammern eine "Foerderoffensive '95" gestartet. An vier Tagen konnten sich Mittelstaendler aller Branchen ueber moegliche Finanzierungshilfen und deren Beantragung informieren.

Neben den kleinen duerfen sich auch grosse Unternehmen - in Berlin in der Minderheit - und Forschungshaeuser an der Initiative beteiligen. Schliesslich sei der kuenftige "gemeinsame Wirtschaftsraum Berlin-Brandenburg" nicht von einigen wenigen aufzubauen, so Both. Das Berliner Foerderpaket soll eine "Ergaenzung der Aktivitaeten von Bund und EU" sein, heisst es. "Streng landesbezogen", doch unter Beruecksichtigung der Massnahmen beim Brandenburger Nachbarn.

Schwerpunkt sind die Telekommunikation, Informatik und Mikrosystemtechnik. Begriffe wie "Information-Highway" und "Virtuelle Haupstadt Berlin-Bonn" sollen auf das neue IT-Zeitalter vorbereiten.

Trotz des grossen Potentials - neben den Instituten, Forschungsgesellschaften etc. gibt es ueber eintausend Softwarefirmen in der Bundeshauptstadt - geht der Aufschwung eher bedaechtig vor sich. Dabei mangelt es nicht an Plaenen und strategischen Papieren, wie der Laenderinitiative "Telekommunikation 2001 Berlin-Brandenburg", mit der technologische Defizite abgebaut werden sollen. Der Bedarf ist offensichtlich: Laut einer Studie des Ministeriums fuer Wirtschaft Mecklenburg-Vorpommern nutzen beispielsweise im Bereich Fremdenverkehr nur etwa 54 Prozent aller Unternehmen PCs - als bessere Schreibmaschine. Touristik-Software sowie Datenbankloesungen seien bei etwa 60 Prozent der befragten Firmen unbekannt.

Fuer das "Top-Niveau" der Region Berlin-Brandenburg will der juengst privatisierte Postriese mit seinen Kapazitaeten sorgen. Mit dem Projekt "Metropole" sollen die zur Zeit noch bestehenden Maengel im Telekommunikationsangebot "zuegig ausgeglichen werden". Etwa acht Milliarden Mark sollen in den naechsten Jahren dafuer investiert werden. Ueber Turnkey-Vorhaben wie Opal (Glasfasersysteme mit passivem optischen Anschluss), IN (Intelligentes Netz), SDH (Synchrone Digitale Hiercharchie) sowie ATM koenne den "Wuenschen der Kunden nach mehr Leistung und Service" entsprochen werden, heisst es.

Seit zwei Jahren baut das Landesamt fuer Informationstechnik (LIT) an dem Hochgeschwindigkeitsnetz (HGN) der Berliner Verwaltung und Wissenschaft. Ueber das mit 20 Millionen Mark aus Landesmitteln finanzierte "Projekt MAN" - fuer den weiteren Ausbau werden derzeit EU-Foerdermoeglichkeiten geprueft - sollen einmal rund 40 000 PC- Arbeitsplaetze miteinander kooperieren koennen. Im ersten Halbjahr 1996 sei das Netz auf der Basis von FDDI realisiert, meint der En twickler.

Auf die Frage, ob spaeter an eine Vermarktung des HGN gedacht sei, erklaert Norbert Manthey, Projektleiter im LIT: "Wir wollen mit dem Service keine dicken Millionen einstreichen. Viel wichtiger sind uns kostenguenstige Breitbandstrukturen und Arbeitsplaetze."

Die Vision von einem multimedialen Territorium erfordert einen gesunden Mittelstand. Immerhin schaffe dieser mit seiner Flexibilitaet und Naehe zum Markt Arbeitsplaetze, heisst es im IuK- Foerderkonzept des Senats. Allerdings sind die geringen FuE- Kapazitaeten der kleineren Firmen auch ein Hemmnis: Mit der knappen Kapitaldecke gelingt es ihnen kaum, rechtzeitig auf neue Technologien zu reagieren. Hier will man nun "gezielt Foerderung einsetzen".

Eine Aufgabe, die auch in den anderen ostdeutschen Regionen zu loesen ist. Dafuer strecke man sich, heisst es ueberzeugt aus dem Freistaat Thueringen - und zwar mit Erfolg. Immerhin hat das Land mit 11,6 Prozent im vergangenen Jahr das groesste wirtschaftliche Wachstum in der Bundesrepublik aufzuweisen; gefolgt von Sachsen mit 10,5 Prozent - Ostberlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern schwanken um die sieben Prozent.

Etwa 13 500 Beschaeftigte zaehlt die Thueringer Elektrotechnik- und Elektronik-Branche. 1995 will das heimische Ministerium fuer Wirtschaft und Infrastruktur etwa 100 Millionen Mark fuer die "einzelbetriebliche Innovationsfoerderung" zur Verfuegung stellen. Weitere 70 Millionen Mark gibt das Ministerium fuer Wissenschaft, Forschung und Kultur aus, um die Kooperation zwischen Wissenschaft und Industrie anzukurbeln (Projekt "Stift").

Jeder soll die Chance erhalten

Stefan Feuerstein von der Thueringer Landes- und Wirtschaftsfoerderungs-Gesellschaft dazu: "Unser Schwerpunkt sind die High-Tech-Unternehmen. Dabei differenzieren wir nicht nach Firmengroesse." Kleinere Gruendungen unterstuetze man "vom Start weg". Die mittelstaendische Industrie erhalte genauso ihre Chance wie die groesseren Projekte. Beispiele neuer Know-how-Basen seien der Soemmerdaer Hardwarebauer Aquarius sowie der Erfurter Halbleiterproduzent Thesys.

Fuer den Aufbau einer modernen IuK-Branche hat man auch im Norden Ostdeutschlands ein offenes Ohr. Mecklenburg-Vorpommern habe bisher ueber vierzig Projekte mit etwa sieben Millionen Mark unterstuetzt, erklaert Theda Minthe, Leiterin fuer Koordination und Recht der Wirtschaftsfoerderung bei der Landesregierung. Fuer 1995 stehe ein Hilfe-Etat mit 800 Millionen Mark zur Verfuegung, an dem alle Branchen im Lande partizipieren koennten.

Ein Ergebnis der Mecklenburger IuK-Initiativen sei unter anderem die Gruendung von fuenf Technologiezentren - "Pools, wo das Know-how des Landes zusammenkommt", so die Schwerinerin.

Seit Ende letzten Jahres wollen die Sachsen-Anhalter unter anderem mit dem Programm "Impuls 2000" fuer eine starke IuK sorgen. Mittel dafuer kommen laut Helmut Starauschek, Pressesprecher beim Wirtschaftsministerium, aus dem 37,5 Millionen-Mark-Topf fuer Forschung und Entwicklung. Auch mittelstaendischen Firmen, die mit mangelnder Liquiditaet zu kaempfen haben, soll damit geholfen werden. Neue Ideen habe man 1994 zum ersten Mal mit einem Innovationspreis gewuerdigt. Sieger mit 50 000 Mark wurde der Entwickler eines nach eigenen Angaben "unschlagbaren Antiviren- Programms".

Von 1991 bis Ende 1994 hat man im 4,9 Millionen Einwohner zaehlenden Sachsen, der ehemaligen Hard- und Softwarehochburg der DDR, etwa 271 Millionen Mark zur Foerderung neuer Technologien ausgegeben. 1994 war das ein Fonds von 61 Millionen Mark, von dem 28 Prozent fuer den Ausbau der saechsischen Informations- und Mikrosystemtechnik verwendet wurden. Dazu gehoerten laut Lutz Bryja, Referatsleiter fuer Technologiefoerderung im saechsischen Staatsministerium fuer Wirtschaft und Arbeit, finanzielle Hilfen zur Ansiedlung neuer Firmen (Siemens), zum Bau von Hardware (Computer Elektronik Dresden GmbH) sowie fuer die Herstellung neuer Schaltkreise (Zentrum fuer Mikroelektronik Dresden GmbH). Fuer 1995 sei der Haushalt noch nicht verabschiedet, heisst es. Doch eine Reduzierung der kuenftigen FuE-Foerderungen sei nicht zu erwarten.

Schaut man auf die zahlreichen finanziellen Angebote von Bund und Laendern, so hat es wohl kaum in der Geschichte Deutschlands je eine so foerderfreudige Epoche gegeben. Dennoch: Bei der Vergabe der Mittel wuerden die oeffentlichen Haende oft "zwischen Baum und Borke stehen", konstatiert Joachim Rudolph, Leiter Foerderprojekte und Buergschaften bei der Berliner Senatsverwaltung fuer Wirtschaft und Technologie, und sich gegen die angebliche Verschwendung von Geldern wehren muessen. Um so besser, toent es aus einigen Unternehmen, wenn solche Geruechte keinen fruchtbaren Boden finden koennen. Denn Vertrauen ohne Kontrolle sei hier eher fehl am Platz.