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09.05.2003 - 

IT-Arbeitsmarkt/Selbständigkeit - eine Chance für Softwareprofis

IT-Freiberufler hoffen auf bessere Zeiten

09.05.2003
Trotz Konjunkturflaute sieht die Mehrzahl der IT-Freiberufler ihre Selbständigkeit nach wie vor als wünschenswerte Alternative zur Festanstellung. Die Erfahrenen unter ihnen sind fest entschlossen, die Durststrecke zu überwinden - vielen Einsteigern dagegen könnte die Puste ausgehen.Von Ina Hönicke*

Auch die IT-Freiberufler hatten im vergangenen Jahr massiv unter den Sparmaßnahmen der Unternehmen zu leiden. Glaubt man indes den Zahlen des IT-Projekt-Portals Gulp, in dem 40000 der in Deutschland tätigen IT-Freelancer registriert sind, zeigt die Tendenz im IT-Projektmarkt in diesem Jahr wieder nach oben. So sei die Zahl der Projektanfragen im Vergleich zum Vorjahr um 2,5 Prozent höher. Dabei fällt auf, dass die Nachfrage im Microsoft-Umfeld stagniert, während Freelancer mit Solaris-, MVS- oder Linux-Kenntnissen verstärkt gesucht werden. Gefragt sind zudem Entwickler mit den Spezialgebieten Java, C++ und SQL - und mit steigender Tendenz auch wieder Cobol.

Dass die Kunden wieder mehr nach Spezialisten verlangen, bestätigt auch der Personaldienstleister Hays Ascena. Das Mannheimer Unternehmen rekrutiert qualifizierte Experten der Fachrichtungen Informatik und Ingenieurwesen. Vorstandsvorsitzender Dieter Dürr: "Auch wenn zurzeit niemand mit Sicherheit vorhersehen kann, welche Skills auf dem Projektmarkt zu einem bestimmten Zeitpunkt nachgefragt werden - der Trend zu Spezialisten verfestigt sich."

Im Projektumfeld nimmt immer noch die Implementierung oder Anpassung von Standardsoftware einen Spitzenplatz ein. Dennoch ist es nicht verwunderlich, dass nach Monaten ohne größeren Projektauftrag selbst eingefleischte IT-Freiberufler den Wechsel in die Festanstellung in Betracht ziehen. Solche Überlegungen kann Dürr zwar nachvollziehen - an Massenflucht glaubt er nicht: "Freiberufler, die schon länger im Geschäft sind, reagieren auf die Veränderungen des Marktes professionell und flexibel." Sie würden sich beispielsweise stärker selbst vermarkten. Ein Beweis dafür sind die über 3000 neuen Profile, die Hays Ascena über die eigene Website erhielt.

Selbstbestimmtes Arbeiten motiviert

Ob sich Freelancer für eine Festanstellung überhaupt eignen, hängt laut Dürr von der individuellen Motivation ab: "Freiberufler verstehen sich als Unternehmer - unabhängig und selbstbestimmt. Sie identifizieren sich über Arbeitsinhalte und haben oft aus ebendiesen Gründen eine Festanstellung verlassen." Eine Rückkehr in feste Organisationsstrukturen erfordere eine generelle Neuausrichtung der persönlichen Arbeitsgrundsätze, und die Bereitschaft hierzu ist, so der Personalexperte, von Fall zu Fall unterschiedlich ausgeprägt. Nach seiner Ansicht ist die Freiberuflichkeit in der IT weit mehr als eine Job-Alternative. Dürr: "Sie ist Vorläufer künftiger, unabhängiger Arbeitsformen. Die aktuelle Wirtschaftslage mag diese Entwicklung zwar verzögern - aufhalten kann sie sie indes nicht."

Kündigen, um sich besser selbst verwirklichen zu können, scheint für Freelancer in der Tat ein wichtiger Grund zu sein. So erklärt die Berliner IT-Beraterin Martina Weber, die unter anderem für die BASF als SAP-Entwicklerin tätig ist: "Ich arbeite gern selbständig. Das ist der Hauptgrund für meine Freiberuflichkeit." In ihren alten Firmen war die Ingenieurin als Anwendungs- und Systemanalytikerin tätig. Als sie ihrem Chef erklärte, dass sie Interesse an einer Leitungsposition habe, stieß Weber mehr auf Erstaunen denn auf große Zustimmung: "Ich merkte rasch, dass ich mit meinem Anliegen nicht gut ankam."

Da sie ihre Arbeit schon immer selbständig organisiert hatte und die Wirtschaftslage damals noch rosig aussah, entschloss sie sich im Jahr 1999 zum Sprung in die Freiberuflichkeit. Um an Projekte heranzukommen, wandte sich die Ingenieurin an professionelle Vermittler, ließ sich in Datenbanken für Freelancer eintragen und hörte sich bei Bekannten um. Kontakte zu Personalvermittlern wie Hays Ascena brachten ihr Aufträge. "Man darf nicht glauben, dass sich der Erfolg automatisch einstellt. Im Gespräch zu bleiben ist das wichtigste", rät Weber. Newcomern empfiehlt die IT-Spezialistin ein gutes Selbstbewusstsein und ein noch besseres finanzielles Polster - falls es mit der Akquise nicht gleich klappen sollte.

Mühsame Akquise von Kunden

Dass das Klima sich insgesamt verändert hat, bekommt auch Oliver Stiller, seit 15 Jahren selbständiger Softwareentwickler aus München, zu spüren: "Viele Kollegen stehen plötzlich vor der für sie völlig neuen Situation, selbst Aufträge an Land ziehen zu müssen." Nach seiner Erfahrung verfügen freiberufliche IT-Profis, die schon länger im Geschäft sind, nach wie vor über eine genügende Auslastung und arbeiten zu vernünftigen Konditionen.

Insgesamt aber sei die Stimmung nicht mehr so positiv wie noch vor zwei Jahren. Vor allem bei der Akquise von Neukunden hätten die Freiberufler mit großen Problemen zu kämpfen. Da potenzielle Kunden oft nicht auf Anfragen reagierten, müssten die Freelancer immer wieder nachhaken. Dazu Stiller: "Ich empfehle den IT-Spezialisten, die momentan die Freiberuflichkeit in Erwägung ziehen, aber noch fest angestellt sind, bis zur nächsten Wachstumsphase zu warten." Stiller vermutet, dass viele seiner freiberuflichen Kollegen noch längst nicht über dem Berg sind: "Softwerker, die sich in den Boomzeiten für die Freiberuflichkeit entschieden haben, sind häufig nicht fit genug, um die jetzige Krise zu überstehen."

Thomas Matzner, freiberuflicher Berater für Systemanalyse in München, sind schwierige Zeiten nicht fremd: "Ich habe bereits zwei Rezessionsphasen hinter mir." Aus diesem Grund sieht er die momentane Situation vor allem pragmatisch: "Auch wenn ich derzeit keinen Wunsch nach einer Festanstellung verspüre, würde ich diese Möglichkeit nicht völlig ausschließen." Allerdings sprechen seiner Meinung nach eine Reihe von Gründen gegen eine solche Entscheidung. Schließlich würde sich kein Freelancer einfach mal so selbständig machen. Im Gegenteil - Freiberuflichkeit sei von langer Hand geplant und auf Dauer angelegt. Das beginne mit dem Namen, den man sich im Markt aufgebaut habe - bis hin zur Altersvorsorge.

Marketing in eigener Sache verbessern

Konjunkturflaute allein ist für den IT-Fachmann kein Grund, sich nach einem festen Job umzuschauen: "Die schlechten Rahmenbedingungen treffen die Arbeitnehmer doch genauso." Bei der letzten Rezession hat Matzner dies hautnah miterlebt: "Als die Wirtschaftslage immer schlechter wurde, hat ein großes Anwenderunternehmen etliche der eigenen Leute, aber keinen der Externen entlassen." Matzner rät den Kollegen, nicht gleich die Flinte ins Korn zu werfen, sondern alle Möglichkeiten in Ruhe auszuloten. In unruhigen Zeiten irgendwo Unterschlupf finden zu wollen kann seiner Meinung nach gefährlich werden.

Ulrich Bode, Sprecher im Beirat für Selbständige der Gesellschaft für Informatik (GI), kennt keinen einzigen IT-Freiberufler, der nicht durchhalten will. Allerdings müssten die, die nicht im gemachten Bett sitzen, alle nur möglichen Marketing-Instrumente einsetzen. Seiner Ansicht nach ist die Zeit des Einzelkämpfers heute endgültig vorbei - dementsprechend würden Netzwerke und Partnerunternehmen immer wichtiger. Bode: "Netzwerke haben den großen Vorteil, dass Freelancer sich untereinander austauschen können. Was in anderen Berufen seit Jahren gang und gäbe ist, wird in der IT-Welt viel zu wenig genutzt." (am)

*Ina Hönicke ist freiberufliche Journalistin in München.

Angeklickt

Die Flaute in der IT-Branche hat auch die Auftragsbücher der Freiberufler nicht verschont. So mancher überlegt sich derzeit, wieder in die Festanstellung zurückzukehren. Freelancer, die schon länger im Geschäft sind und bereits in der Vergangenheit Abschwungphasen durchlebten, haben noch eine gute Auslastung. Im Projektmarkt werden derzeit vor allem Solaris-, MVS- oder Linux-Kenntnisse nachgefragt.